Gärtnern

Ran ans Unkraut, fertig, los!

Die Deutschen lieben ihre Gärten – und Gartenarbeit. Das Werkeln im Grünen reduziert Stress und beschert wertvolle Einsichten

Mit Schere, Harke und Schaufel rückt der Gärtner der Erde zuleibe

Mit Schere, Harke und Schaufel rückt der Gärtner der Erde zuleibe

Foto: RapidEye / Getty Images/iStockphoto

Da stehe ich nun, schweißüberströmt und staubbedeckt, mitten in einem Feld voller Unkraut, eine Grabegabel in den Händen. Die eine Hälfte des Gartenstücks, das einmal ein bunt blühendes, wogendes Staudenbeet werden soll, habe ich bereits umgepflügt. Einstechen, die Erde anheben, wenden, lockern. Das Werkzeug beiseite legen, bücken. Wurzeln, Steine und keimenden Wildwuchs aufsammeln, in den bereitstehenden Kübel geben. Aufrichten, Grabegabel greifen. Und dann nochmal von vorne. Quadratmeter für Quadratmeter. Mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen, trotz aller Anstrengung.

Wer hätte das gedacht, dass ich hier einmal stehen würde? Ich selbst am allerwenigsten. Ein eigener Garten? Spaß an der Gartenarbeit? Als Kind für mich undenkbar. Jeden Sonnabend hieß es für meine ältere Schwester und mich, in den Beeten meiner Eltern Unkraut zu jäten, Rasen zu mähen oder Laub zu harken – je nach Jahreszeit und Bedarf. Dazu wurden wir aus einem Transistorradio mit den aktuellen Fußball-Übertragungen beschallt, auf die mein Vater keinesfalls verzichten wollte.

Das größte Gräuel war allerdings das Kantenschneiden. Dazu muss man wissen, dass meine Eltern rund ums Haus und quer über die Rasenfläche großzügig quadratische Trittplatten verlegt haben. Diese galt es, mit einer Kantenschere akribisch von überstehenden Grashalmen zu befreien. Das braucht viel Geduld und Kraft in den Händen und Armen – vor allem ersteres fehlt mir. Und so schwor ich mir: Eine Kantenschere würde nie, nie, nie in meinen Besitz kommen.

Tatsächlich herrschte, kaum dass ich volljährig war, Ruhe an der Gartenfront. Ich zog in die Stadt, der Umgang mit Pflanzen erschöpfte sich im Begrünen des Balkons und dem Arrangieren von Blumensträußen in hübschen Vasen. Dann kamen die Kinder, das Eigenheim, der Garten – und damit die Arbeit im Grünen zurück.

Sie ahnen es: Heute gehört auch eine Kantenschere zu meinem Equipment. Ich setze sie allerdings selten und immer noch widerwillig ein. Mein bevorzugtes Gartengerät ist die Grabegabel. Die Beete mit ihrer Hilfe auflockern und bereit machen für neues Gestalten, dabei den einzigartigen Duft der Erde einatmen: Das ist meine liebste Beschäftigung im Garten.

Gartenarbeit: Weit mehr als eine lästige Pflicht

Welches Gerät halten andere Hobbygärtner für unverzichtbar? Was bedeutet ihnen die Gartenarbeit? Das ist Thema dieses Textes und aktuell für viele Menschen – nicht nur, wenn es wie jetzt im Frühling im Garten herrlich grünt und blüht. Denn die Deutschen sind ein Volk begeisterter Gärtner. 45,3 Millionen Bundesbürger bewirtschaften ein Stück Grün, entweder direkt am eigenen Haus oder in einem der rund 14.000 Kleingartenvereine. Dabei lassen sie sich nicht lumpen: Mehr als 200 Euro geben deutsche Hobbygärtner jährlich für Gartenprodukte aus. Damit liegen sie über dem EU-Durchschnitt von 176 Euro. Die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben für Gartensortimente werden mit 377 Euro übrigens in den Niederlanden erzielt.

Dass die Gartenarbeit dabei mehr als eine lästige Pflicht ist, legen Umfragen nahe. Für rund ein Viertel der Bundesbürger gehört die Gartenarbeit zur Top 10 der beliebtesten Freizeitaktivitäten – noch vor Unternehmungen mit der Familie. 73 Prozent geben an, dass sie ihren Garten täglich nutzen. Für 51 Prozent gehört Gartenarbeit dabei mindestens einmal in der Woche dazu. 22 Prozent werkeln sogar täglich im Garten.

Kein Wunder: Der Gartenarbeit wird eine beruhigende, ausgleichende Wirkung nachgesagt. Sie hilft Stress abzubauen – gerade, weil sie mitunter so anstrengend ist, dass sich zermürbende Gedanken einfach verflüchtigen. Auch die frische Luft tut gut. Und nicht zuletzt ermöglicht sie, sich kreativ auszuleben. Kein Regelwerk schränkt die Gestaltungsfreiheit ein. Ob Gemüsegarten, Steingarten, Spielgarten, Blumengarten oder von allem ein bisschen: Alles geht, was gefällt. Womit natürlich noch nicht gesagt ist, dass alles gelingt, was sich der Hobbygärtner wünscht und vorstellt. Das Klima, die Beschaffenheit des Bodens, die Frische des Saatguts: Viele Faktoren entscheiden über Gedeih und Verderb. Insofern lehrt die Gartenarbeit auch Achtsamkeit und Demut vor der Natur.

Und der Lohn? Davon berichten die Hobby-Gärtner am besten selbst. Lesen Sie, wie ihnen das Werkeln mit ihrem Lieblingsgerät zu Freude, Erkenntnissen und wertvollen menschlichen Begegnungen verholfen hat.

Mein Unkrautstecher

Eine passionierte Gärtnerin hat mir meinen Unkrautstecher als Erstausstattung fürs Gärtnern zu meiner Hochzeit geschenkt – zusammen mit Blumenbast, Bindfaden, einem Paar Gartenhandschuhen und einigen Samentütchen, verstaut in einem handlichen Weidenkorb. Ihr Kommentar dazu: „Im Garten kann man vieles unterbuttern“. Diese Worte erschienen mir damals recht seltsam. Heute weiß ich, dass die Arbeit mit Erde in der frischen Luft die Gedanken ordnen hilft und den Kopf freimacht.

Von Anfang an lag mir der knuffige Griff meines Unkrautstechers geschmeidig in der Hand. Ich benutze ihn, um – seiner Bestimmung gemäß – lästiges Unkraut zu entfernen. Er dient mir zum Lockern der Erde auf kleineren Flächen und beim Einpflanzen von überraschend ins Haus gekommenen blühenden Pflanzen sogar beim Umsetzen. Er nimmt nicht übel, wenn er einmal nach getaner Arbeit draußen vergessen wird und unter einer Hecke übernachten muss. Und weil er mein nützlichster Helfer ist, wird er nicht wie alle anderen Gartengeräte an der Garagenwand aufgeräumt, sondern steckt griffbereit nahe der Tür in einem Eimer voller Sand.

In den vielen Jahren des Gebrauchs hat mein Unkrautstecher ein wenig Rost angesetzt und seine schöne rote Farbe ist fast abgeblättert. Was tut’s? Mein Haar ist unterdessen weiß geworden, unsere Zusammenarbeit jedoch bleibt unvermindert erfolgreich und beglückend. Friederike Wirth

Mein Rillenzieher

Als wir das Haus auf dem Dorf neu hatten und den Garten planten, gab uns der alte Nachbar von nebenan einen Rat: Bevor wir mit Blumen und Gemüse loslegten, sollten wir Kartoffeln anbauen. „Kartoffeln verbessern die Erde“, sagte er so überzeugt, dass ich fast lachen musste. Es klang wie: Kartoffeln verbessern die Welt. Aber irgendwie ist es ja auch so. Zumindest unsere kleine deutsche Welt wäre ohne Kartoffeln – nun ja, etwas leerer.

Später reichte uns der Nachbar mit bedeutsamer Miene ein Ding über den Zaun, von dem er meinte, dass wir es bräuchten. An einem langen Holzstiel war ein Metallbalken befestigt, der wiederum Blechzähne mit Verstellschrauben hatte. Wir starrten so verständnislos auf das Ding, dass der Mann kurzerhand über den Zaun stiegt, es mit einer gekonnten Bewegung durch die Erde zog und perfekte, parallele Rillen hinterließ. Darin, wies er uns an, sollten die Kartoffeln gelegt werden. Die Zähne seien schon auf den richtigen Abstand zwischen den Furchen eingestellt – „genau 63,5 Zentimeter“. Vielleicht, weil unser Nachbar studierter Landwirt war oder auch wegen des heiligen Ernstes, mit dem er uns in die Kunst des Kartoffelanbaus einwies, wir halten uns bis heute daran.

Das Ding, den Rillenzieher, mag ich aber noch aus einem anderen Grund. Ebenso wie die Kartoffel erzählt er uns etwas darüber, wie wir so sind. Den richtigen Abstand zu wahren ist ja auch im übertragenen Sinne eine Kunst, zwischen Kartoffeln wie Menschen. Uta Keseling

Mein Mähroboter

Irgendwas ist mit Walter. Das haben wir gleich gehört. Es klingt, als schlage er mit dem Kopf gegen die Wand. Wir lassen alles stehen und gucken, was da los ist. Walter ist schließlich nicht irgendwer. Er sorgt dafür, dass unser Rasen überall gleichmäßig kurz gestutzt wird. Nicht nur einmal die Woche, nein, jeden Tag.

Walter erledigt diesen Job weitgehend geräuschlos, auch bei Regen. Er mault nicht und gibt keine Widerworte wie der Teenager-Sohn. Das hat ihn mir auf Anhieb sympathisch gemacht. Walter ist ein Rasen-Nazi, gefangen im Körper eines Mähroboters. Weshalb wir ihn umgehend aus seiner verfahrenen Lage befreien.

Gartenbesitzer wissen, wie wichtig so ein Helfer ist. Kaum etwas ist so pflegeintensiv wie ein Rasen. Vertikutieren. Düngen. Sprengen. Mähen. Das ist der Vierkampf des Gartenbesitzers. Eine sportliche Disziplin, die neben Ausdauer auch eine gewisse Frustrationstoleranz erfordert. Besonders das Mähen stellt uns auf eine harte Probe. Der Rasen wächst so schnell, dass man ihm dabei zuschauen kann. Kaum hat man den letzten Halm akkurat auf 30 Millimeter getrimmt, hat der erste Halm schon wieder die Länge einer Udo-Lindenberg-Gedächtnis-Matte. Man kommt mit dem Mähen kaum hinterher.

Wer aber hat Lust, nach Feierabend zu ackern? Wo es doch entspannter ist, der untergehenden Sonne auf einem Aufsitzmäher entgegenzurollen. Vorausgesetzt, der Garten ist groß genug, dass man sich darin verfahren kann. Besitzer von Einfamilienhäusern oder Doppelhaushälften können da nicht mitreden. Ihre 150 Quadratmeter Rollrasen müssen sie selber mähen. Oder besser: mussten. „Smart Gardening“ heißt das Zauberwort für gestresste Gartenbesitzer. Überall kurven jetzt ufo-ähnliche Geräte herum, wie man sie sonst auf den Mars schickt, um fremdes Terrain zu erkunden. Dein Garten, der unbekannte Planet.

Es ist ein bisschen surreal. Ich sitze auf der Terrasse und sehe Walter dabei zu, wie er sich in der Aufladestation verkeilt hat. Und weil das Internet jetzt auch die letzte Ruhe-Oase des Homo digitalis erobert hat, muss ich nicht mehr aufstehen, um ihn zu befreien. Soll das doch Alexa machen. „Free Walter!“, schnauze ich sie an. Einen Augenblick später hört das Rütteln auf. Walter hat akkurat eingeparkt. Wir atmen erleichtert auf. Nur Nachbars Katze ist verstört. Sie steht wie hypnotisiert vor der Station und faucht. In ihrem Gesicht meine ich lesen zu können: „Wat‘n ditte?“ Antje Hildebrandt

Meine Gartenschere

Das erste Gartenwerkzeug, das ich von meiner Großmutter bekam, war eine kleine Sichel mit Holzgriff. Das Geschenk war eine Art Ritterschlag, nun durfte ich ihr helfen. Allerdings konnte ich nicht viel damit anfangen. Außer meinem Großvater benutzte sie niemand mehr. Alle anderen arbeiteten lieber mit der besonders bei Rosenzüchtern und Winzern seit Mitte des 19. Jahrhunderts bekannten Gartenschere.

Freilich zeigten sich die Scherenpioniere zunächst skeptisch. Sie glaubten, der Schnitt sei nicht sauber genug, würde gar die Schnittstellen quetschen und anfällig für Krankheiten machen. Aber bald siegte die Bequemlichkeit – und damit die Gartenschere.

Eine Löwe-Amboss-Schere mit orangenen Griffen und Messern in Papageienschnabelform wurde zum Lieblingsgerät meines Vaters, ich bewunderte sie gleichermaßen. Wie modern sie mir vorkam, wie ausgeklügelt und geheimnisvoll! Wehe, man ließ sie herumliegen, ohne sie mit dem kleinen Schieber zu verriegeln.

Eines war schnell klar: Für Basteleien mit Papier oder Stoff war sie komplett wertlos. Und Löcher bohren, dafür fehlte die Spitze. Drähte schneiden konnte man schon gar nicht mit ihr. Ich gebe zu: Es dauerte ein bisschen, bis ich die wahre Qualität der Gartenschere erkannte. Aber seither ist mir kein Ast zu dick, um es nicht wenigstens mit ihr zu probieren.

Das Geheimnis der Löwe-Schere liegt in der Kraftübertragung. Die obere, dünn geschliffene Klinge gleitet durch den Ast und trifft auf die untere, den Amboss, der Schnittauflage und Gegengewicht ist. So muss man für den Schnitt viel weniger Kraft aufwenden als bei einer herkömmlichen Schere mit zwei geschliffenen Klingen. Bei größeren Ästen gibt es einen kleinen Trick, mit dem sich viel dickere Zweige schneiden lassen als die vom Hersteller angegebenen 25 mm. Die Klinge wird angesetzt und in den Ast gekerbt, dann muss man sie ein paar mal durch Vor-und Zurückruckeln tiefer in den Ast hineintreiben. Und Schnitt - der Ast ist ab. Magisch! Utta Raifer

Mein Kärcher

Ich weiß, es ist für die meisten das Spießergerät schlechthin: der Kärcher. Auch, wenn er vielleicht nicht von der Firma stammt, die diesem Gerät und der dazugehörigen Tätigkeit ihren unverwechselbaren Namen gegeben hat: kärchern.

In meinem Elternhaus war Gartenarbeit bei uns Kindern nicht wirklich beliebt. Rasenmähen, Vertikulieren, Laubrechen und ähnliches waren doch immer mehr als beschwerlich, nämlich einfach langweilig. Dazu musste man dann schon sehr genötigt werden.

Anders war es mit dem Kärchern, darum gab es regelrecht Streit und man versteckte das doch recht unförmige Gerät schon einmal, damit es nicht von einem anderen Familienmitglied eingesetzt werden konnte. Selber wollte man der überaus befriedigenden Arbeit mit lautem Getöse und kräftigem Wasserdruck nachgehen und den Verfärbungen oder Vermoosungen auf den Terrassen, Außentreppen oder der Garageneinfahrt zuleibe rücken. Man sah so richtig, was man geschafft hatte.

Heute noch kann es bei Besuchen zuhause für Unmut sorgen, wenn man hören muss, dass Schwester A. sich das Gerät ausgeliehen und noch nicht zurückgebracht hat, obwohl man doch jetzt Zeit und Muße hätte, um den Außenbereich des Hauses mal wieder so richtig durchzukärchern. Dann keimt schon der leise Gedanke, sich selbst so ein Gerät anzuschaffen, auch, wenn das auf einem Vier-Quadratmeter-Balkon in Berlin vermutlich doch eine etwas übertriebene Anschaffung wäre. Caroline Brühl

Mein Kompostgestell

Er ist einen Meter breit, einen Meter tief und 80 Zentimeter hoch, und er besteht aus vier Teilen. Mein feuerverzinkter Gitterrost-Komposter ist in meiner knapp 14-jährigen Karriere als aktive Gärtnerin eines der wenigen „Geräte“, die ohne Macken arbeiten – und das auch noch völlig geräuscharm und ohne Strom.

Mein Lieblingsgerät verwandelt Gartenabfälle aller Art, die Hinterlassenschaften unserer beiden Kaninchen samt der Einstreu, Abfälle aus der Küche wie Eierschalen, Kaffeesatz oder Salat- und Gemüsereste binnen weniger Monate zuverlässig in Pflanzenerde. Statt ins Gartencenter zu fahren und schwere Säcke Blumenerde zu kaufen und nach Hause zu schleppen, vollzieht sich in einer Ecke unseres kleinen Gartens dieses von unzähligen kleinen Helfern vollbrachte Wunder.

Mit bloßem Auge lassen sich Regenwürmer, Asseln und Springschwänze beobachten. Die fleißige Arbeit, die die Mikroorganismen leisten, lässt sich zwar nicht sehen, aber an der Hitze spüren, die im Inneren des Komposts herrscht. Die Produkte, die verschiedene Hersteller anbieten, um die Rotte-Prozesse im Kompost zu beschleunigen, sind allenfalls ganz am Anfang nötig, wenn man in einer neu angelegten Ecke des Gartens einen Kompost einrichten möchte. Hat der Kompost erst einmal seine Arbeit aufgenommen, laufen die Umwandlungsprozesse nahezu ohne jegliche menschliche Hilfe weiter. Lediglich in langen und heißen Trockenperioden sollte man ihm ab und zu mal etwas Wasser gönnen. Und natürlich auf eine gute Durchmischung der Abfälle achten, aber das ist eigentlich auch schon alles.

Neben dem Gitterkompost haben wir auch noch einen sogenannten Thermo-Komposter aus Kunststoff. Der arbeitet zwar auch, aber längst nicht so gut wie der einfache Gitterrost, der zudem durch seine großzügigeren Abmessungen auch erlaubt, gröbere Reste zu entsorgen. Ich finde es wahnsinnig spannend, befriedigend, sinnreich, wie aus Abfällen wunderbar duftende Gartenerde wird. Isabell Jürgens

Meine Kettensäge

Als Besitzer beziehungsweise Sklave eines größeren Gartens mit noch größeren Bäumen kommt man um die Anschaffung einer Kettensäge langfristig nicht herum. Meine Kettensäge hilft mir, Bäume und Hecken in Schach zu halten und winters beim Zurechtstutzen des Kaminholzes. Heckenschere? Holzspalter? Kann man gegen die Kettensäge vergessen. Und weil mir meine Kettensäge mittlerweile so stark ans Herz und fast schon an die Hand gewachsen ist, hat sie sogar ihren Platz neben dem Ersatzrad im Auto gefunden. Denn man weiß ja nie! Und tatsächlich: An einem stürmischen Tag im Herbst vergangenen Jahres blieb die Liebste nicht nur Beifahrerin.

An besagtem Tag ermöglichte die Kettensäge nicht nur mir, sondern mindestens 20 weiteren Fahrzeugen eine zügige Weiterfahrt. Ein halber Baum fiel damals direkt vor meinen Augen einfach auf die Straße, gerade einmal 50 Meter von meinem Auto entfernt. Dank Kettensäge war es eine Sache von 15 Minuten, den Baum in handgerechte Stücke zu sägen und aus dem Weg zu schaffen. Der Busfahrer aus dem Gegenverkehr und weitere fünf Männer packten mit an. Ein stummer Händedruck nach getaner Arbeit besiegelte die kurze Arbeitsgemeinschaft und löste sie auch wieder auf.

Eine Kettensäge kann Probleme lösen, Menschen zusammenbringen, Wege frei machen. Viel mehr kann man von einem Gartengerät wohl nicht erwarten. Tino Hermann

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