Haustiere

Nicht ohne meine Mieze

Katzen sind die liebsten Haustiere der Deutschen – trotz oder gerade wegen ihres Charakters. Wie das Zusammenleben gelingt

Dem Charme eines Kätzchens kann man kaum widerstehen

Dem Charme eines Kätzchens kann man kaum widerstehen

Foto: Oleh_Slobodeniuk / Getty Images

Wenn man der Statistik trauen darf, sind Katzen die beliebtesten Haustiere der Deutschen. Und das mit großem Abstand: Unglaubliche 13,4 Millionen Stubentiger leben in deutschen Haushalten. Hunde sind da mit 8,6 Millionen Exemplaren klar in der Unterzahl. Und Ziervögel landen mit 4,6 Millionen Tieren lediglich unter ferner liefen. Aber was ist der Grund, dass, zumindest bei uns in Deutschland, nicht der Hund, sondern die Katze der beste Freund des Menschen ist?

Befragt man einen Katzenhalter, bekommt man stets die gleiche Antwort: Es ist gleich ein ganzer Strauß von Eigenschaften, der die Tiere so unwiderstehlich macht. Und diese Eigenschaften sind oft ziemlich widersprüchlich: Katzen sind auf der einen Seite verschmuste Miezen, die ihrem Dosenöffner ihre ganze Liebe schenken, auf der anderen Seite aber auch kleine Tiger, die durchaus auch ihre Krallen ausfahren können, wenn ihnen etwas nicht in den Kram passt. Charmant und schmusig, aber auch divenhaft und eigenwillig bis zum Starrsinn: Genau diese Ambivalenz ist es, folgt man Studien zur Beziehung Mensch – Katze, die die Miezen für uns Menschen so liebenswert macht.

Aber die befragten Katzenbesitzer führen noch einen weiteren Grund an, warum sie Katzen gegenüber Hunden bevorzugen: die Unabhängigkeit der Samtpfoten. Die Tatsache, dass Katzen ihren eigenen Kopf haben, sich nicht dressieren, nicht zu etwas zwingen lassen. Oder, um es mit dem Zitat eines unbekannten, aber sicherlich äußerst erfahrenen Katzenbesitzers zu sagen: "Hunde haben Herrchen und Frauchen – Katzen dagegen vorzüglich ausgebildetes Personal". Wobei die Betonung klar auf "vorzüglich ausgebildet" liegt.

In erster Linie ist es übrigens die Damenwelt, die auf Katzen steht. So legt eine Umfrage der Zeitschrift "Laura" nahe, dass Frauen Katzen sogar vor Männern bevorzugen. Na gut, nicht immer. Auf alle Fälle aber, wenn es darum geht, eine verletzte Seele zu trösten.

Bei Kummer vertrauen sich Frauen gern ihrer Katze an

Bei Kummer in der Familie oder Stress im Job, sprich: wenn Frauen schlecht drauf sind und dringend Trost benötigen, greifen immerhin 38 Prozent aller Katzenbesitzerinnen auf ihren Stubentiger zurück und suchen nicht etwa, wie eigentlich zu erwarten wäre, Trost an der Schulter ihres Liebsten. Von dem glauben nämlich nur 25 Prozent der befragten Damen, dass er ein geeigneter Seelentröster ist. Damit haben Männer in Sachen Seelentrost in etwa den Stellenwert einer Tafel Schokolade, zu der immerhin 24 Prozent der Damen bei Kummer gerne greifen.

Aber warum sind ausgerechnet unsere Miezen die bevorzugten Tröster der Damenwelt? Vielleicht weil sie Männer, die noch dazu über kein samtweiches Fell verfügen, ganz locker mit ihrem unwiderstehlichen Miau ausstechen? Oder weil der Konsum größerer Mengen an Schokolade auf die Dauer dick macht? Psychologen rätseln. Böse Zungen behaupten, die weibliche Tendenz zu Mieze und Co. lasse sich vor allem damit erklären, dass Katzen ihren Besitzerinnen das vorleben, was sie selbst so gerne wären, aber oft nicht sind: nämlich unabhängig, stolz und frei. Und außerdem: Wenn eine Katze mal liebt, dann tut sie das bedingungslos – Schönheit, Alter oder gar Gewicht von Frauchen spielen da keine Rolle. Männer sehen das oft etwas anders. Vorteil Stubentiger!

Ein paar weitere Gründe gefällig? Katzen schnurren – Männer schnarchen. Nach einer Mahlzeit lecken Katzen ihren Futternapf sorgfältig sauber. Einige Männer haben es dagegen auch nach 25 Ehejahren nicht gelernt, eine Geschirrspülmaschine richtig einzuräumen. Das von Männern gerne vorgebrachte Argument, dass die Herren der Schöpfung ihrer Liebsten wenigstens ab und an mal ein Blumensträußchen mitbringen, Katzen dagegen bevorzugt tote Mäuse, ist da meistens von untergeordneter Bedeutung. Eine offensichtlich ziemlich erfahrene Dame hat es einmal auf den Punkt gebracht: "Eine Katze hat gegenüber einem Mann nur ein einziges Manko – sie kann den Müll nicht runtertragen!"

Auch Katzen hängen am Menschen

Aber wie verläuft die Mensch-Katze-Beziehung umgekehrt? Lieben uns unsere Miezen genauso, wie wir sie lieben? Nein! Im Gegensatz zum besten Freund des Menschen, dem Hund, der menschenfixiert und treu wie Gold ist, zeigen die eigenwilligen Katzen keine besonders enge Bindung an ihr Herrchen oder Frauchen. So lautet zumindest das gängige Klischee. Stimmt überhaupt nicht, sagt indes eine neue Studie der Universität Oregon aus dem Jahr 2017. Die kam zu dem Schluss, dass Katzen an ihren Dosenöffnern mehr interessiert sind als an ihren gefüllten Fressnäpfen.

Um herauszufinden, wo die Vorlieben unserer Miezen liegen, hatten amerikanischen Wissenschaftler 50 verschiedene Katzen aus Privathaushalten und Tierheimen zunächst einmal von allen sozialen Kontakten, aber auch vom Futter abgeschnitten. Nach rund zweieinhalb Stunden Isolation wurden die Miezen zeitgleich mit Reizen aus vier verschiedenen Kategorien konfrontiert: Menschen, Futter, Gerüchen und Spielzeug. Dabei wurde beobachtet, was die Samtpfoten am meisten interessiert. Das Ergebnis des Experiments war eindeutig: Rund 50 Prozent der tierischen Probanden fühlten sich am meisten zu uns Menschen hingezogen, während sich – Überraschung, Überraschung – lediglich 37 Prozent in Richtung Fressnapf bewegten. Spielzeuge und Geruch liefen unter ferner liefen.

Stubentiger oder Freigänger?

Übrigens: Katzen sind schon eine unglaublich lange Zeit unsere Hausgenossen. Knochenfunde in Grabstätten auf Zypern zeigen, dass die ersten Katzen wohl bereits vor rund 10.000 Jahren domestiziert wurden.

Wer sich eine Katze zulegen will, sollte sich natürlich bereits im Vorfeld Gedanken darüber machen, welcher "Typ" am besten zu ihm oder ihr passt. So muss man sich etwa entscheiden, ob das vierbeinige Familienmitglied als reiner Stubentiger oder als sogenannter Freigänger gehalten werden soll. Eine Entscheidung, die gut überlegt sein will: Schließlich legt man mit ihr die künftige Lebensweise des neuen Mitbewohners auf Jahre hinaus fest.

Beide Haltungsweisen haben Vor- und Nachteile. So haben Stubentiger – zumindest statistisch gesehen – eine deutlich höhere Lebenserwartung als Freigänger. Einfach weil auf unseren Straßen viel größere Gefahren, zum Beispiel in der Gestalt von schnellfahrenden Autos, lauern als in der sicheren Wohnung – gerade in der Großstadt. Auf der anderen Seite genießen Freigänger Vorteile, die Wohnungskatzen versagt bleiben: Sie können die Umgebung erkunden, ein Revier etablieren und sich mit Artgenossen treffen. Das erhöht massiv die kätzische Lebensqualität. Viele Freigänger haben aber auch eine Eigenschaft, die bei ihren Besitzern auf relativ wenig Begeisterung stößt: Sie bringen "Geschenke" in Form von toten Mäusen oder Vögeln mit.

Freigänger benötigen einen wirksamen Impfschutz. Schließlich können sie sich bei der Begegnung mit Artgenossen mit mitunter gefährlichen Krankheiten anstecken. Weiterhin ist es dringend erforderlich, seine Mieze mit Hilfe einer Tätowierung oder eines implantierten Chips kennzeichnen zu lassen. Und wer nicht Tag und Nacht seinen Freigängermiezen die Tür öffnen will, sollte eine Katzenklappe einbauen lassen.

Auch bei der reinen Wohnungshaltung gilt es, bestimmte Bedingungen zu erfüllen, damit sich die Katze wohlfühlt und – das ist ganz wichtig – es ihr nicht langweilig wird. Katzen, die aus Langeweile die Gardinen hochklettern oder ihre Krallen an der sündhaft teuren Designercouch wetzen, ziehen sich sehr schnell den Unmut ihrer Besitzer zu. Hier können ein Kratzbaum, Katzenspielzeug, ausreichend Beschäftigung mit dem Stubentiger oder möglicherweise eine Zweitkatze Abhilfe schaffen. Und da wäre auch noch die Katzentoilette, die täglich von den Hinterlassenschaften der Miezen gereinigt werden muss.

Aber egal, für welche Haltungsform man sich letztendlich entscheidet – es kommt hier immer auch auf die individuelle Persönlichkeit der entsprechenden Katze an. Unter Katzen gibt es nämlich sowohl sanfte Sofahocker als auch echte Rambos.

Rassekatze oder Fundkatze?

Auch die Entscheidung, ob es eine edle Rassekatze oder doch lieber - man hat ja ein großes Herz – eine stinknormale Hauskatze, vorzugsweise aus dem immer überfüllten Tierheim, sein soll, hängt von vielen ganz unterschiedlichen Faktoren und Fragen des persönlichen Geschmacks ab. Sicherlich spielen hier neben dem Preis auch die Optik sowie der Charakter und der Pflegeaufwand eine entscheidende Rolle. Gerade junge Rassekatzen aus Züchterhand sind oft nicht gerade preiswert: Für eine "Heilige Birma" oder eine "Maine Coon" muss man schon mal 1000 Euro und mehr auf den Tisch legen. Die Hauskatze ohne Stammbaum aus dem Tierheim gibt es dagegen umsonst oder gegen eine kleine Spende.

Auch in Sachen Gesundheit und Pflege liegen die Vorteile meist bei der Hauskatze. Hauskatzen sind oft deutlich robuster aufgestellt als Rassekatzen und daher auch weniger anfällig gegenüber Krankheiten aller Art. Wichtig bei der Entscheidung "Rassekatze oder Hausmieze" sind allerdings auch die Charaktereigenschaften, die den einzelnen Rassen zugeordnet werden. So gelten Perserkatzen beispielsweise eher als ruhige Vertreter ihrer Art und sind somit zum Beispiel gut für Senioren geeignet. Bengalkatzen dagegen sind extrovertiert und benötigen viel Aufmerksamkeit und Beschäftigung. Es gibt übrigens um die 100 verschiedene Katzenrassen.

Hauskatzen sind, charakterlich gesehen, oft regelrechte Wundertüten. Vor allem wenn sie noch jung sind. Da weiß man im Vorfeld oft nicht, was für eine Mieze da auf einen zukommt. Nicht unterschätzen darf man auch die Tatsache, dass Hauskatzen oft einen größeren Freiheitsdrang als Rassekatzen haben. Und keinesfalls vergessen sollte man, dass Rassekatzen mit langem Fell, sogenannte Langhaarkatzen, eine tägliche Fellpflege benötigen. Ein Zeitaufwand, den man keineswegs unterschätzen sollte.

Diva oder Macho?

Geht es um Äußerlichkeiten, greifen viele Katzenfans eher zum Kater. Der sieht nämlich schon allein durch seine Größe, seinen mächtigen Katerkopf und seinen prächtigen Schnurrbart deutlich imposanter aus als eine weibliche Katze. Die wiederum hat den Vorteil, dass sie dank kleinerer Statur auch etwas weniger Futter benötigt.

Freunde einer ausgeprägten Körperpflege tendieren eher zur Katze. Untersuchungen von amerikanischen Wissenschaftlern zeigen, dass Kätzinnen deutlich mehr Zeit für die Fellpflege aufwenden als Kater. Ein Schelm, der jetzt Parallelen zu uns Menschen zieht.

Kater sind im Regelfall verschmuster als Kätzinnen, können aber, um es vorsichtig zu formulieren, auch ziemlich fordernd werden, wenn eine Streicheleinheit einmal ausbleibt. Sie zeigen auch mehr Ausdauer beim Spielen. Kätzinnen dagegen kommen sensibler daher und sind deutlich weniger aggressiv, wenn ihnen etwas nicht in den Kram passt. Kätzinnen können aber auch oft richtige Diven, ja sogar ausgemachte Zicken sein, deren Ansprüche – "nein, so ein billiges Futter rühre ich nicht an" – ihren Besitzern oft das Leben so richtig schwer machen können.

Ob Kätzin oder Kater, diese Frage spielt auch beim Freigang durchaus eine Rolle: Kater entfernen sich in der Regel beim Ausgang deutlich weiter und auch deutlich länger vom eigenen Zuhause als weibliche Katzen. Manche Kater, vor allem wenn sie nicht kastriert und auf der Suche nach einer hübschen Katzendame sind, bleiben oft tagelang weg.

Fazit: Letztendlich ist es schlicht und einfach eine Frage des persönlichen Geschmacks, ob man sich jetzt eine männliche oder eine weibliche Samtpfote als neuen Mitbewohner ins Haus holt.

Kätzchen oder Katze?

Bleibt noch die Frage, ob es ein kleines Kätzchen oder eine erwachsene Katze sein soll. Bei den Bundesbürgern geht die Tendenz ganz klar zum Kätzchen. Und das ist auf den ersten Blick auch durchaus verständlich: Wer kann schon so einem niedlichen, stets etwas tollpatschigen Flauschbällchen, sozusagen einem fleischgewordenen Kindchenschema, widerstehen? Aber niedlich hin, niedlich her, so ein junges Kätzchen benötigt auch viel Aufmerksamkeit und Pflege. Kätzchen müssen erst einmal – soweit das bei einem Stubentiger überhaupt möglich ist – erzogen werden. Sie müssen lernen, dass nicht der Wohnzimmerteppich, sondern das Katzenklo der Ort des Geschehens für ihre kleinen und großen Hinterlassenschaften ist beziehungsweise dass man am hoffentlich bereits angeschafften Kratzbaum seine Krallen schärft und nicht etwa an der Polstergarnitur.

Eine ältere Katze weiß dagegen bereits, wie der Hase läuft, und lässt sich meist deutlich einfacher in den Haushalt integrieren. Und eine reife Mieze bietet noch einen weiteren Vorteil: Bei einem älteren Tier ist der Charakter bereits gefestigt. Man erkennt relativ rasch, was für eine Mieze man sich da ins Haus holt. Einen wilden Actionhelden oder eine sanfte Couchpotato. Junge Katzen sind, da ihr Charakter sich noch entwickeln muss, wie bereits erwähnt eher eine Art "Wundertüte", von der man vorher nie weiß, wo die Reise hingeht.

Wie Hund und Katz?

Viele Tierfreunde hegen den Wunsch nach mehreren Haustieren. Stellt sich die Frage: Wie vertragen sich Katzen mit anderen Haustieren oder, weit wichtiger, mit Artgenossen, die im gleichen Haushalt leben? Überraschenderweise oft gut. Hunde und Katzen müssen sich zum Beispiel nicht zwangsläufig verhalten wie die sprichwörtlichen "Hund und Katz". Allerdings passen nicht jeder Hund und jede Katze gut zusammen. Ein eher gemütlicher Hund verträgt sich wahrscheinlich am besten mit einer ruhigen ausgeglichenen Katzenrasse wie etwa einer Maine Coon. Eine kleine hündische Rampensau ist dagegen besser bei einer sehr aktiven Rasse wie einer Bengal- oder Abessinerkatze aufgehoben.

Ab und an kommt es zwischen Hund und Katze aber auch zu massiven Kommunikationsschwierigkeiten: Peitscht eine Katze ihren Schwanz beispielsweise heftig hin und her, bedeutet dies, dass sie ziemlich wütend ist und gleich zum Angriff übergehen wird. Hunde interpretieren dieses Signal "Schwanzwedeln" dagegen oft irrtümlicherweise als Aufforderung, gemeinsam zu spielen. Ein Irrtum, der bei beiden Beteiligten dann ziemlich blutig enden kann.

Mit der Haltung von Vögeln im Katzenhaushalt ist das so eine Sache. Ein Wellensittich und ein Kater sind nicht gerade das, was man als tierisches Traumpaar bezeichnen würde. Schließlich gehören kleine Vögel zur bevorzugten Beute von Katzen. Ein ausgewachsener Ara kann allerdings dank kräftigem Schnabel und scharfen Krallen auch einen vermeintlichen Kampfkater das Fürchten lehren.

Auch wenn man eine "Zweitkatze" ins Haus holt, gibt es verschiedene Punkte zu beachten. So sollten beide Miezen von ihrem Wesen zueinander passen. Sanfte Katzen harmonieren besser mit sanften Katzen, Temperamentsbolzen eher mit Temperamentsbolzen. Und es kommt oft auch auf das Geschlecht an: In der Regel verstehen sich Katzen besser mit Katzen und Kater besser mit Katern. Natürlich gibt es immer wieder Beispiele, die das Gegenteil beweisen: Gerade zwischen Kätzinnen kann es zu einem für alle Seiten belastenden Zickenkrieg kommen.

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