Kinder- und Jugendschutz

Tatort Kino: Wenn aus Spaß Angst wird

Immer wieder erleben Eltern, dass Filme ihre Kinder überfordern. Wie entstehen die Altersfreigaben der FSK? Ein Blick hinter die Kulissen

Auch vermeintlich harmlose Szenen können Kinder in Angst und Schrecken versetzen Foto: Reto Klar

Auch vermeintlich harmlose Szenen können Kinder in Angst und Schrecken versetzen Foto: Reto Klar

Foto: Reto Klar

Als Baghira, der freundliche Panther, über die Leinwand huscht, wird der Sechsjährige zum ersten Mal unruhig. Dann zischt Kaa, der Riesenpython: "Folge mir, hör auf mich!" Der Junge hält sich erschrocken die Ohren zu. Kurz darauf springt Tiger Shere Khan ins Bild, brüllt und reißt sein riesiges Maul auf. Die Fangzähne blitzen, Philipp schreit und versteckt sich hinter dem Sitz des Vordermanns vor dem Bösewicht auf der Leinwand, der beinahe Mowgli, Philipps Helden, gefressen hätte. Jedenfalls hat der Kleine das so verstanden. Und jetzt will er nur eins: So schnell wie möglich raus aus dem Kino.

Dabei hätte alles so schön werden sollen. Papa hatte Philipp nachmittags abgeholt und war mit ihm ins Delphi-Kino gegangen, um "Das Dschungelbuch" anzuschauen. Es gab Limo und Popcorn, und für später hatte Papa noch ein Eis versprochen. Und jetzt das: Philipp schluchzt, klammert sich an Papas Bein, schwitzt und schlottert vor Angst. Philipps Vater versucht, den Jungen zu beruhigen, aber der schreit immer lauter. Schon sind viele Kinderaugen erschrocken auf die beiden gerichtet, andere Eltern beginnen, missbilligend zu schnaufen. Achselzuckend und auch ein bisschen genervt gibt der Vater auf. Die beiden verlassen das dunkle Kino wie einen Tatort.

Philipps Vater plagen Gewissensbisse. Aber wie soll man auch vorher wissen, dass ein Zeichentrickfilm für Kinder so angsteinflößend sein kann? Und wie soll er das Debakel Philipps Mutter erklären? Er verdreht die Augen. Er seufzt. Er redet auf seinen Sohn ein. Er bietet ein Eis an, extra groß. Das hilft. Philipp beruhigt sich allmählich. Sein Vater sucht einen Schuldigen – und findet die FSK. Dass er nicht verstehen könne, wie man derart brutale Bilder auf kleine Kinder loslassen könne, steht in der E-Mail, die er noch am selben Abend an die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) schreibt. Und er verlangt, die Altersfreigabe ab sechs umgehend noch einmal zu überprüfen und auf zwölf hochzusetzen – "gefälligst!"

Wüste Beschimpfungen

"Gelegentlich wüste Beschimpfungen, manchmal verzweifelt besorgte Zeilen, hin und wieder Vermutungen, dass die Prüfer mit der Filmwirtschaft mauscheln": So umreißt Christiane von Wahlert, die Geschäftsführerin der FSK, das Spektrum der elterlichen Kritik, die die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft erreichen. "Eltern beschweren sich auch darüber, dass solche Filme überhaupt gemacht werden." Dabei macht die FSK die Filme ja nicht, sondern überprüft sie nur auf ihren eventuell kinder- und jugendgefährdenden Inhalt.

Nahezu alle Filme, die in Deutschland zur Veröffentlichung vorgesehen sind, werden im hessischen Wiesbaden bei der FSK eingereicht, um ihre Verträglichkeit für bestimmte Altersgruppen zu ermitteln. Nur Volljährigen ist der Besuch öffentlicher Filmvorführungen gestattet, es sei denn, die FSK setzt die Altersgrenze herab. Wohin genau, das debattieren rund 280 Prüfer, ehrenamtlich, weisungsfrei und unabhängig. Jeder einzelne von ihnen reist zweimal im Jahr an und schaut in parallelen Ausschüssen eine Woche lang täglich drei Filme an. Danach diskutieren sie bis zu eine Stunde lang, bevor sie sich auf eine Altersfreigabe festlegen.

Ein Prüfausschuss besteht in der Regel aus fünf Prüfern: zwei entsandt von der Filmwirtschaft, die drei anderen von der öffentlichen Hand, den Kirchen, dem Zentralrat der Juden oder dem Bundesjugendring beauftragt. Ein Vertreter in jeder Fünfer-Gruppe ist immer ein hauptamtlich zur FSK entsandter Mitarbeiter der obersten Landesjugendbehörden der Bundesländer. Wird kontrovers diskutiert, entscheidet die einfache Mehrheit, ob die von der Produktionsfirma beantragte Altersfreigabe in Ordnung geht: ab null, ab sechs, ab zwölf, ab 16 oder erst ab 18 Jahren.

Prüfer im Spannungsfeld

Bei ihrer Entscheidungsfindung bewegen sich die Prüfer in einem Spannungsfeld: Es gilt die Freiheit der Kunst, den Schutz der Jugend und die wirtschaftlichen Interessen der Filmwirtschaft in die Balance zu bringen. Mitunter hagelt es Kritik: Zu hohe Altersfreigaben sorgen für den Vorwurf der Prüderie, zu niedrige Altersfreigaben lassen Stimmen laut werden, die um den Jugendschutz fürchten oder gar argwöhnen, dass eine Begünstigung der Filmwirtschaft vorliegt. Während manchen Eltern, Jugendschützern, Politikern und Pädagogen die Altersbeschränkungen zum Teil nicht weit genug gehen, fühlen sich Filmproduktionen und Verleiher mitunter gegängelt vom deutschen Jugendschutzgesetz, das als strengstes in Europa gilt.

Die FSK nimmt die Öffentlichkeit als prominente Repräsentantin des Jugendschutzes wahr. Große Sorgfalt wird dem Beschwerdemanagement zuteil: "Jeder Vater, jede Mutter, die uns schreibt, bekommt eine Antwort", sagt Christiane von Wahlert, "und zwar von den Ständigen Vertretern der Obersten Landesjugendbehörden, die bei der FSK arbeiten." Schließlich handele es sich bei der FSK-Freigabe letztlich um einen Verwaltungsakt mit rechtlicher Bindung. "Deshalb obliegt die Verteidigung der Freigabe der staatlichen Seite."

Aufs Ganze gesehen seien die Beschwerden deutlich zurückgegangen, seit ab dem Jahr 2010 Kurzbegründungen der Entscheidungen auf der Homepage der FSK (www.fsk.de) veröffentlicht würden. Aus den internen Debatten dringt nichts nach außen, "die Prüfer müssen geschützt werden". Das ist okay, aber auch schade, weil viele kuriose, lustige Geschichten deshalb auch hier nicht erzählt werden dürfen. Wie zum Beispiel die, nach der eine Rockband für ihr Video die Freigabe ab 6 erhielt und flehentlich bat, wenigstens ab 12 zu bekommen, damit man nicht für eine Kinderband gehalten würde.

"Keinohrhasen" führte zu einem Beschwerde-Hoch

An die zehn Titel pro Jahr würden moniert, fasst Christiane von Wahlert zusammen. "Das sind angesichts von etwa 480 Titeln im Jahr nicht viele", sagt sie, "was auch ein Zeichen von allgemeiner Akzeptanz der FSK ist". Ausreißer und Spitzenreiter bei den Beschwerden: Til Schweigers "Keinohrhasen". Die Komödie aus dem Jahr 2007, ursprünglich frei ab 6, löste rund 400 Beschwerden aus und wurde im Nachhinein in einem sogenannten Appellationsverfahren auf 12 hochgestuft, "weil nicht auszuschließen sei, dass derbe und sexualisierte Worte und Begriffe Kinder irritieren und verstören".

Doch seither ist es ruhiger geworden. Die meisten Zuschriften von Eltern betreffen die Altersfreigabe ab zwölf Jahren. Natürlich hat es die Spanne von 6 bis 12 in sich. Hier schlägt das Herz des Family Entertainment – in diesen Jahren gehen Familien gern geschlossen ins Kino und stellen auch für Filmproduktionen die lukrativste Zielgruppe dar.

Medienforscher haben festgestellt, dass viele Eltern die FSK-Einstufung als freundliche Empfehlung verstehen. Aber das ist sie keineswegs: Altersfreigaben stellen den Hinweis dar, dass Kinder durch einen Film, der für sie nicht freigegeben ist, in ihrer Entwicklung Schaden nehmen könnten. Es ist keine pädagogische Empfehlung und keine ästhetische Beurteilung, was die FSK entscheidet. "Es ist eine gesetzliche Erlaubnis", sagt Christiane von Wahlert, studierte Erziehungswissenschaftlerin. Sie vergleicht die Altersfreigaben der FSK mit denen aus einem anderen reglementierten Bereich: "Mit 18 darf man Alkohol trinken, aber damit ist nicht etwa eine Empfehlung ausgesprochen, was oder wieviel man trinken sollte."

App hilft bei der Information

Eltern haften für ihre Kinder, auch auf den cineastischen Baustellen des Lebens. Sie tragen Verantwortung und müssen die Entscheidung treffen, ob ein Film, den anzuschauen die FSK Sechs- oder Zwölfjährigen erlaubt, ihr Kind verstören könnte. Um ihnen diese Einschätzung zu erleichtern, hat die FSK eine App entwickelt, die auf der Internetseite zum kostenlosen Download bereitsteht. Hier finden Eltern aktuelle Kinofilme, nach Altersfreigaben sortiert, mit einer kurzen Begründung der FSK versehen und einem werbefreien Trailer ergänzt. Sich zu informieren, bevor man mit dem Kind im Kino unliebsame Überraschungen erlebt, ist geraten. Mithilfe der App gibt's dann auch keine Ausrede mehr für den Großvater, der mit dem Enkel "Der weiße Hai" im Kino schaute und sich hinterher verteidigte, er habe gedacht, es handele sich um einen harmlosen Tierfilm. Fraglicher Enkel gab Medienwissenschaftlern für eine Fallsammlung zu Protokoll, noch heute, zwanzig Jahre später, Angstattacken beim Baden in bayrischen Seen zu erleiden.

Doch eine vorübergehende Ängstigung ist nicht dasselbe wie eine nachhaltige Beeinträchtigung der "Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder ihrer Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit", wie es im Jugendschutzgesetz formuliert ist. Eine solche Wirkung machen die Jugendschützer dort aus, wo einzelne Filmpassagen oder der ganze Film Kinder überfordern, sie übermäßig und nachhaltig aufregen oder Ängste aufbauen. Auf inhaltlicher Ebene wirken Gewaltdarstellungen, Bedrohungssituationen und Waffeneinsatz sowie Beziehungskonflikte, Unterdrückung und Demütigung belastend auf kleine Kinder. Formal können düstere Bildgestaltung, schnelle Schnittfolgen, aggressive Vertonung von Action- und Bedrohungssituationen und eine aufdringlich emotionalisierende Musik bei kleinen Kindern Angst auslösen.

Immer ausgefeiltere Computeranimationen machen Filmszenen manchmal zum echten emotionalen Problem. Manche Kinder reagieren mit Alpträumen auf das Gesehene. Splatter movies wird man mit kleinen Kindern ohnehin nicht schauen. Doch sogar Klassiker haben es in sich: Die Szene in "Bambi", in der die Mama stirbt und das Rehlein ganz allein im Wald ist, kann Vorschulkinder enorm ängstigen, wurde aber von der FSK ab 0 freigegeben.

Wie Kinder Filme sehen

Erst um den sechsten Geburtstag herum sind Kinder imstande, Spannungsmomente zu verkraften, auch wenn sie noch spontan komplett in Filmgeschichten eintauchen und mit ihren Helden durch jede Hölle gehen. Doch ihre wachsenden kognitiven Fähigkeiten erlauben bereits, Distanz zum Filmgeschehen zu entwickeln. Es reift die Erkenntnis, dass es sich da doch nur um einen Film handelt. Kluge Eltern machen sich das beim Besiegen der Angst zunutze, verweisen auf die Machart und pflegen die keimende Medienkompetenz. "Da kommt wieder die böse Musik, hörst du?"

Die Altersstufen seien entwicklungspsychologisch begründet, doch auch filmischen Effekten seien die Entscheidungen geschuldet, sagt Michael Preuß, der seit acht Jahren im Auftrag des Brandenburger Jugendministeriums hunderte von Filmen für die FSK geprüft hat. So dürften gewalthaltige Szenen nicht vom Erzählstrang losgelöst, sondern müssten in der Handlung verankert sein. Und wenn auf spannende ruhige Passagen folgten, erleichtere das Kindern die Verarbeitung des Gesehenen. Daher kann bei einem Film der Rhythmus des Dargestellten für eine Kinderfreigabe sprechen, selbst wenn hochgradig aufregende Szenen vorkommen.

Aus gutem Grund werden auch Trailer und Werbeclips von der FSK geprüft und mit einer Altersfreigabe versehen. Denn während Kinder beim Anschauen eines Spielfilms die Möglichkeit haben, sich auf die Story einzulassen, stehen belastende Szenen im kurzen Trailer für sich, losgelöst vom Zusammenhang. Inhalte werden dargeboten, die der Erfahrungswelt von Kindern fremd sind, effektheischende und rasante Inszenierungen beanspruchen die totale Aufmerksamkeit. "Ein Trailer gewährt keine Erholungspause", sagt Michael Preuß. "Wünschenswert fände ich persönlich, wenn vor Kinderfilmen gar keine Werbung gezeigt würde."

Kino-Tabus gestern und heute

Dass die Entscheidungen der FSK manchmal umstritten sind, ist gleichsam werksseitig mit eingebaut. Denn anders als ein detaillierter Vorschriftencode in Art einer "Schwarzen Liste" von Szenen und Themen, die in einem Film nicht gezeigt werden dürfen, finden bei der FSK Klauseln Anwendung, die den Prüfern einen Ermessensspielraum zugestehen. In der Historie der Entscheidungen seit Gründung der FSK im Jahr 1949 spiegelt sich auch der facettenreiche Wandel gesellschaftlicher, kultureller und sozialer Werte wider.

In jeder Version der FSK-Grundsätze von der Urfassung bis heute wird auf die Unzulässigkeit von entsittlichenden, rassenhetzerischen und unverhältnismäßig brutalen Darstellungen verwiesen. Doch darüber hinaus hat sich das Verständnis darüber, was als untragbar gilt, im Laufe der vergangenen 60 Jahre erheblich gewandelt.

Der Trend: In ihrer Anfangszeit fungierte die FSK als Erfüllungsgehilfin bei der Durchsetzung politischer und kirchlicher Normen auf der Kinoleinwand. Bezugnahmen auf die Nazi-Zeit und Kritik an der Bundesrepublik wurden konsequent mit Freigabeverweigerung, Aufführungsverboten oder Schnittauflagen geahnet. In den 1960er-Jahren stehen erotische und sexuell gefärbte Darstellungen im Fokus, die nicht selten dem Schnitt zum Opfer fallen. Mit den 1970er-Jahren schieben sich gewalthaltige Szenen und Filme ins Augenmerk der Prüfer, "und das ist immer noch ein großes Thema", sagt Michael Humberg, Medienwissenschaftler und Autor des Buches "Vom Erwachsenenverbot zur Jugendfreigabe. Die Filmbewertungen der FSK als Gradmesser des kulturellen Wandels". Bestimmten Mustern filmischer Gewalt haftet der Ruf hoher Sozialschädlichkeit und Jugendgefährdung an, obgleich der kausale Zusammenhang zwischen Gewalt sehen und Gewalt ausüben noch längst nicht bewiesen sei. Insgesamt sei die Tendenz zu immer liberaleren Entscheidungen deutlich sichtbar.

Die Sprache regt auf

Was könnte die nächste Empfindlichkeit in den Diskussionen der FSK sein? Political Correctness? Religiös motivierte Befindlichkeiten? "Bevor Muslime einen Platz in den paritätisch besetzten Gremien bekommen, müssten sie sich in eine Körperschaft öffentlichen Rechts organisieren", sagt Christiane von Wahlert. Sie hat die Sprache als großes Thema ausgemacht, "da scheiden sich die Meinungen sehr". Die Mischung aus Deutsch und Englisch, aber auch zotige, sexistische Sprüche erregen Anstoß.

"Die einen sagen: Kino prägt. Der schlechte Einfluss durch sprachliche Vorbilder unterläuft Erziehungsanstrengungen. Die anderen sagen: Kinofilme greifen gängige Sprechweisen auf, anders wird auf dem Schulhof auch nicht geredet", fasst Christiane von Wahlert die Meinungsvielfalt zusammen. Und deshalb wird auch weiter trefflich gestritten werden.

Fest steht: Die Altersfreigabe der FSK schützt vor Indizierung. Etwa drei Mio. Euro pro Jahr lässt sich die Filmwirtschaft den Jugendschutz kosten. "Das kann man auch als Markteinführungskosten sehen", sagt Christiane von Wahlert. Der Antragsteller zahlt für die Prüfung je nach Aufwand, im Durchschnitt 10,21 Euro. Die FSK arbeitet nicht gewinnorientiert, sondern nach dem Prinzip der Kostendeckung. Ihre Autonomie ist gewährleistet, weil finanzielle Abhängigkeiten ausgeschlossen sind.

Der Wert des FSK-Siegels

Damit eine Selbstkontrolle funktionieren kann, benötigt es aber auch Mechanismen, die ihre Inanspruchnahme wahrscheinlich machen. "Bloße Freiwilligkeit wäre kaum ausreichend, weil dann aus monetären Gründen eine Einreichung der Filme ohne jedwede Sanktion unterbleiben könnte", sagt Medienwissenschaftler Michael Humberg. Daher hätten sämtliche Verbände, die in der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) zusammengefasst sind, verbindlich vereinbart, Filme nur dann öffentlich vorzuführen, wenn sie eine Freigabe der FSK erhalten haben. Es sind auch wirtschaftlichen Zwänge, die eine Vorlage zur Prüfung unumgänglich machen: "Ohne FSK-Prüfung ist eine flächendeckende Kinoauswertung undenkbar, weil sich kaum ein Kino findet, welches den Film zeigen würde."

Und was ist aus Philipp geworden, dem Jungen, der mit seinem Vater aus dem "Dschungelbuch" floh? Jahre später ist der dramatische Vorfall im ehrwürdigen Delphi-Kino längst zur Familienanekdote geronnen. Auf Mowgli folgten etliche andere Helden. Superman, Indiana Jones, James Bond, Dracula, sogar Hannibal Lecter – Philipp hat sie alle überlebt.

Beim Geburtstagskaffeetrinken zieht die Familie Bilanz: Der Betreiber des Delphi-Kinos habe nichts falsch gemacht, doch auch das Verhalten von Philipps Vater sei verständlich gewesen. Aber der fluchtartige Rückzug aus dem Kino hat dazu beigetragen, dass nur die Sequenz des brüllenden Shere Khan in Philipps Gedächtnis haften blieb. Die Ent-Spannung im Folgenden hat er nicht gesehen. Die visuelle Entlastung in Gestalt des tanzenden Bären Baloo, des Lehrers für Gemütlichkeit, fehlt bis heute. Die schöne Gelegenheit zum Lachen, vertan.

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