Berliner helfen

„Da muss man ganz stark sein“

Der zweijährige Salih kam mit einem schweren Herzfehler zur Welt - fünf Tage nach der Geburt wurde er zum ersten Mal operiert

Familie Isik im Deutschen Herzzentrum Berlin

Familie Isik im Deutschen Herzzentrum Berlin

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Für die werdende Mutter Gülcan Isik war es ein Schock, als die Ärzte bei ihrem ungeborenen Kind einen schweren Herzfehler diagnostizierten: „Damit rechnet man als junge gesunde Frau doch nicht“, sagt die gebürtige Berlinerin mit kurdischen Wurzeln. Sie stand vor der Wahl, sich für einen Abbruch der Schwangerschaft zu entscheiden oder das Kind auf die Welt zu bringen und zu versuchen, es durch mehrere Operationen zu retten. „Eine Abtreibung kam für mich nicht infrage. Ich bin eine Kämpferin, ich wollte, das mein Kind lebt“, sagt die 29-jährige. Sie hat nicht, wie andere Mütter, vor allem der Entbindung engegengefiebert, sondern der Zeit danach.

Drei Eingriffe am Herzen

Bereits fünf Tage nach der Geburt wurde der Säugling an der Klinik für angeborene Herzfehler am Deutschen Herzzentrum operiert. „An einem Freitag, den 13., das ist seitdem unser Glückstag“, berichtet seine Mutter. Es war ein komplizierter Eingriff, denn der kleine Junge leidet an einem Hypoplastischen Links-Herzsyndrom, er hat sozusagen nur ein halbes Herz. „Bei den Operationen wird diese eine Herzhälfte so umkonstruiert, dass es für den ganzen Körper reicht“, erläutert Stationsarzt Dr. Peter Kramer und fügt hinzu: „Diese Operationsmethode ist erst 20 Jahre alt, zuvor hatten Kinder mit so schweren Herzfehlern keine Überlebenschance.“ Die Zeit nach der ersten Operation ist die kritischste, zwei weitere Eingriffe folgen, den dritten hat der kleine Salih nun hinter sich. Er sitzt aufmerksam und munter in seinem Kinderwagen, nur die seitlich herausragenden Drainage-Schläuche erinnern daran, was er überstanden hat. „Nach den Operationen versuchen wir fröhlich zu sein, ihm zu zeigen, dass es bald wieder besser wird. Da muss man als Eltern ganz stark sein“, meint Gülcan Isik. Ihr Mann Oktay (30), der bei BMW beschäftigt ist, kann die Runden schon gar nicht mehr zählen, die er mit seinem Sohn im Kinderwagen auf der Station gedreht hat, um ihn abzulenken. Nach Draußen darf der Kleine so kurz nach dem Eingriff noch nicht.

Altersgerecht entwickelt

Die Familie fühlt sich in der Klinik für angeborene Herzfehler sehr gut betreut. „Dr. Joachim Photiadis, der Salih operiert hat, ist mein Held“, meint Gülcan Isik lachend. Sie hat drei Jahre Erziehungsurlaub genommen, um ganz für ihren Sohn da zu sein. Sie will ihn trotz seiner Krankheit nicht anders erziehen als ein gesundes Kind, wünscht sich aber oft mehr Verständnis von ihrer Umgebung. „Die Leute wundern sich manchmal, wenn ich so übervorsichtig mit ihm bin“, sagt sie. Denn dem Jungen sieht man äußerlich nichts an. Er ist altersgerecht entwickelt und seine Eltern hoffen, dass er wie alle anderen Kinder in die Kita und anschließend zur Schule gehen kann.

Pläne für die Zukunft

Bis es soweit ist, schmiedet die kleine Familie, die in Charlottenburg lebt, Pläne für Reisen, Ausflüge und gemeinsame Stunden. „Die Zeiten der Angst um das Kind waren Bewährungsproben, die uns zusammengeschweißt haben. Man lebt viel bewusster“, sagt die 29-jährige.

Spendenfahrt am 3. Juli

Etwa 500 Herz-Operationen und noch einmal so viele Kathetereingriffe werden an der Klinik für angeborene Herzfehler jährlich durchgeführt. Mit der Spenden-Radfahrt am 3. Juli auf dem Tempelhofer Feld soll auf die besonderen Anforderungen bei der Behandlung herzkranker Kinder aufmerksam gemacht werden. Die erradelten Spenden dienen zur Finanzierung eines Geräts, mit dem die Sauerstoffversorgung des Gehirns der kleinen Herzpatienten während einer Operation kontinuierlich und schonend durch aufgeklebte Elektroden überwacht werden kann.

„Die Herzfahrt ist eine tolle Aktion! Alle die mitfahren sollen daran denken, was dieser Fortschritt in der Medizin bedeutet!“, sagt Gülcan Isik.

Informationen und Anmeldung zur Spendenfahrt am 3. Juli 2016:

www.psd-herzfahrt.de