Berliner helfen

Lieblingsfach in der Schule: Frühstücken

Der Verein „Von Kindern für Kinder“ organisiert an der Grundschule in den Rollbergen ein gesundes und abwechslungsreiches Frühstück

Alles so lecker: Schulfrühstück an der Grundschule in den Rollbergen

Alles so lecker: Schulfrühstück an der Grundschule in den Rollbergen

Foto: Joerg Krauthoefer

Einmal in der Woche steht in der Reinickendorfer Grundschule in den Rollbergen etwas besonderes auf dem Stundenplan: das Schulfrühstück - ehrenamtlich organisiert von den Mitgliedern des Vereins Von Kindern für Kinder. Einen Tag vor dem Frühstück für jeweils zwei Klassen sind Petra Fischer, Vera Busam, Rosi Werner, Elke Shaker mit dem Einkaufen der Lebensmittel beschäftigt, die durch Spenden auch von Berliner helfen finanziert werden. Bevor um 8 Uhr die ersten hungrigen Kinder anrücken, wird das Büffet arrangiert: nicht nur mit verschiedenen Wurst- und Käsesorten, sondern mit liebvoll klein geschnittenen Apfel- und Birnenstückchen, Karotten, Paprika, Schalen voll mit Müsli und Quark. Auch Joghurt, Marmelade und an diesem Morgen sogar Lachs stehen zur Auswahl. Dazu gibt es Säfte, Tee und Kakao.

Weiß gedeckte Tische

„Wir wollen den Kindern die Vielfalt zeigen und sie ermuntern alles zu probieren“, sagt Petra Fischer, die den Vorsitz des Vereins im vergangenen Herbst übernommen hat. Die 48-jährige ist durch einen Bericht in der Berliner Morgenpost auf den Verein und das Schulfrühstück aufmerksam geworden und Vereinsgründerin Gertrud Meyer war froh, sich mit 75 Jahren zurückziehen und ihr Projekt in bewährte Hände legen zu können. Wie sie will ihre Nachfolgerin Petra Fischer die Kinder nicht nur mit gesundem und schmackhaftem Essen vertraut machen, sondern auch Umgangsformen und Tischmanieren vermitteln. Gegessen wird an weiß eingedeckten Tischen mit gefalteten Papierservietten. Auf jedem Tisch steht eine kleine Vase mit einer apricotfarbenen Rose.

Alles wird einmal probiert

21 Kinder der jahrgangsübergreifenden Unterrichts der Klassen 1 bis 3 im Alter von fünf bis zehn Jahren haben an den Tischen Platz genommen und blicken erwartungsvoll auf das appetitlich angerichtete Büffet. „Das Frühstück ist der Hit, die Kinder freuen sich schon die ganze Woche darauf“, berichtet Lehrerin Viola Caumanns. Auch ein Junge mit Diabetes nimmt am Frühstück teil, für ihn wiegt sie sorgfältig die Broteinheiten ab. Vera Busam, zweite Vorsitzende des Vereins, schenkt Tee, Säfte und Kakao aus. An diesem Morgen greifen die Kinder am liebsten zu Sternkäse, Knäckebrot mit bunten Streuseln darauf und Physalis, deutscher Name Kap-Stachelbeere. „Ich weiß nicht was das ist, schmeckt aber lecker, ein bisschen sauer“, meint die sechsjährige Karolina. Schon werden auch die anderen am Tisch neugierig und greifen zu den kleinen gelben Früchten. Auch der siebenjährige Rouhollah stellt fest: „Lecker!“ Genau das gefällt Lehrerin Viola Caumanns so gut an dem wöchentlichen Frühstück: „Das ist hier ein Ort, an dem die Kinder Sachen kennenlernen, die sie von Zuhause nicht kennen.“

Gemeinsames Essen wird zum Erlebnis

300 Schüler besuchen die Grundschule in den Rollbergen, viele Kinder kommen aus einfachen Verhältnissen, ihre Eltern sind auf staatliche Leistungen angewiesen. Auch eine Willkommensklasse wurde eingerichtet. „Unsere Kinder brauchen viel Zuwendung und Hilfestellung um etwas zu lernen“, sagt Schulleiter Harald Liegel, der dankbar ist für das ehrenamtliche Engagement des Vereins „Von Kindern für Kinder“, der das Schulfrühstück seit 2009 anbietet. Auch für Lehrerin Viola Caumanns ist das einstündige Frühstück eine sinnvolle Ergänzung zum Schulalltag. „Man erlebt die Kinder anders. Viele kennen so ein gemeinsames Essen an einem schön gedeckten Tisch gar nicht. Für sie ist das etwas Besonders“. Sie berichtet von kleinen arabischen Jungen, die zu Hause so verwöhnt werden, dass sie beim gemeinsamen Frühstück erst einmal lernen müssen, sich ein Brot selbst zu schmieren und hat ein Auge auf die kleineren Kinder. An diesem Morgen wird sie dabei von ihrem 19-jährigen Sohn unterstützt.

Zeit vergeht wie im Flug

Die Atmosphäre im Frühstücksraum ist ruhig und entspannt, es wird auch kaum gekleckert. Ab und zu kommt es vor, dass es einem Kind so gut schmeckt, dass es zu viel isst, berichtet Viola Caumanns. Auch die siebenjährige Lisa langt ordentlich zu, löffelt Cornflakes aus einer pinkfarbenen Schüssel und bittet Rosi Werner um mehr Kakao. Die 75-jährige freut sich, dass es den Kindern schmeckt, beantwortet geduldig alle Fragen und ermuntert zum Zugreifen bei Obst und Gemüse. Die Frühstücksstunde vergeht wie im Flug. Nachdem die Kinder sich bedankt und die Stühle zurecht gerückt haben, verlassen sie jeweils zu zweit den Raum, während sich Petra Fischer und ihre Mitstreiterinnen ans Abräumen machen. Nächste Woche kommen sie wieder. „Und wenn die Kinder mein Auto sehen, kommen sie angelaufen und rufen: ,Gibt’s heute wieder Frühstück? Ich möchte dabeisein!’, das freut mich natürlich sehr“ sagt sie.

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