Terror in Frankreich

Wie man Kindern die Anschläge von Paris erklären kann

Das Unbegreifliche begreifen: Kinder wollen wissen, was die Täter von Paris antrieb und ob die Gewalt jetzt auch zu ihnen kommt.

in Paris trauern die Menschen um die Opfer der Attentäter

in Paris trauern die Menschen um die Opfer der Attentäter

Foto: Simone Perolari / dpa

Die Anschläge in Paris machen auch Kindern Angst – und werfen bei ihnen viele Fragen auf. Doch auch Erwachsene finden in der komplizierten und unübersichtlichen Lage nicht immer sofort eine Antwort darauf. Eine Erklärung in einfachen Worten.

Was ist passiert?

In der Nacht zu Sonnabend haben mehrere Männer in der Hauptstadt von Frankreich, in Paris, über 350 Menschen verletzt und mehr als 120 Menschen getötet. Die Angriffe begannen während des Fußball-Freundschaftsspiels Deutschland gegen Frankreich in Paris. Auf der Straße, in Restaurants und in einer Konzerthalle griffen die Männer Menschen an. Ihre Opfer kannten sie nicht persönlich.

Warum hat niemand etwas dagegen unternommen?

Keiner war darauf vorbereitet, was die unbekannten Männer planten. Aber bei dem Angriff auf die Konzerthalle und die Besucher, die dort eine Band sehen wollten, stürmten am Ende Polizisten mit Spezialausbildung die Halle und versuchten, so viele Menschen wie möglich zu retten.

Wer war das?

Viele Stunden nach den Anschlägen hat sich die Terrorgruppe Islamischer Staat, abgekürzt IS, zu den Anschlägen bekannt. Das sind Menschen, die mit brutaler Gewalt in Syrien und im Irak einen Staat mit harten Regeln aufbauen wollen. Dabei behaupten sie, dass diese strengen Gesetze von Gott stammen.

Die Anhänger des IS sind Muslime. Ihre Religion, der Islam, ist nach dem Christentum die zweitgrößte der Welt. Die allergrößte Mehrheit der Muslime ist gegen Gewalt und hat mit dem IS nichts zu tun. Im Gegenteil, sie lehnen ihn vollkommen ab.

Warum haben die Terroristen das getan?

In Syrien kämpft unter anderem die französische Armee gegen den IS. Der Angriff auf Paris war seine Rache. IS-Anhänger hassen alles, was für uns Freiheit bedeutet. Zum Beispiel, dass man immer seine Meinung sagen kann, ohne dafür bestraft zu werden. Wenn es nach dem IS ginge, müsste es für uns Vorschriften geben, was man sagt, wie man sich anzieht, was wir für Musik hören, was wir im Fernsehen sehen und wer uns regiert. Mädchen und Frauen hätten nichts mehr zu sagen.

Und es gibt noch einen weiteren Grund für die Anschläge: Der Islamische Staat möchte, dass das friedliche Zusammenleben von Muslimen und Nicht-Muslimen in Europa endet.

Muss ich in Berlin jetzt auch Angst haben?

Es ist nicht vollkommen ausgeschlossen, dass so etwas auch in Deutschland passiert. Man darf aber nicht vergessen, dass nach den Angriffen in Paris die Polizei hier und in den befreundeten Ländern noch besser aufpassen und genauer arbeiten wird, um Täter zu fassen, bevor ein Unglück passiert. Die führenden Politiker der Welt suchen jetzt noch stärker nach einer Lösung.

Gibt es jetzt Krieg?

Einen Krieg zwischen Ländern mit Armeen, die gegeneinander kämpfen, wird es nicht geben. Dafür gehören zu wenige Menschen zum IS. Aber weitere Angriffe des IS können leider nicht ausgeschlossen werden. Vielen Terroristen ist es egal, ob sie bei ihren Attentaten sterben.

Was bedeutet das für mein Leben?

Gegen die Angst hilft, mit dem Herzen zu handeln. Das heißt, nicht denen zu glauben, die sagen, dass „die Muslime“ oder „die Araber“ Schuld an den Opfern in Paris sind. Oder, dass Menschen, die anders aussehen und andere Traditionen haben, nicht mehr zu uns gehören oder unsere Nachbarn sein sollen. Denn genau das wollen die Terroristen: Unser friedliches Zusammenleben und unser offenes Denken zu zerstören.

>>> Der Kinderkanal „Kika“ von ARD und ZDF hat am Sonnabend im Rahmen der Nachrichtensendung „Logo!“ über das Thema berichtet <<<