Berliner helfen

Ein Ort voller Verständnis

In Friedrichshain ist ein Tages- und Nachthospiz für schwerkranke Kinder entstanden - finanziert durch Lottomittel und Spenden.

Foto: Jörg Krauthoefer / Jörg Krauthöfer

Sieben Jahre lang hat sie gekämpft, geworben und überzeugt - für ein Haus, in dem schwerkranke Kinder tageweise betreut werden können, um ihre Familien zu entlasten. Jetzt steht Christiane Edler stolz vor dem Eingang des neuen Kinderhospizes Berliner Herz. Am Montag können die ersten Kinder in das hellgelbe einstöckige Gebäude in Friedrichshain einziehen. Zwei Millionen hat der Bau gekostet, finanziert aus Lottomitteln und vielen Spenden, auch von Berliner helfen e.V. Träger des Hauses, das fünf voll- und sieben teilstationäre Plätze bietet, ist der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg. „Es soll ein Wohlfühlparadies sein, ein Ort an dem die Kinder und jungen Erwachsenen liebe- und verständnisvoll gepflegt werden“, sagt die 62-jährige Christiane Edler. Die Idee dazu kam ihr durch die Arbeit des von ihr gegründeten ambulanten Kinderhospizdienstes Berliner Herz, bei dem Ehrenamtliche Familien mit unheilbar kranken Kindern zu Hause besuchen, um die Eltern ein paar Stunden zu entlasten. „Viele Eltern, die Tag und Nacht ihr krankes Kind versorgen, brauchen ein paar Tage, um Dinge zu erledigen, oder in einem Urlaub einfach mal wieder durchzuatmen“, sagt Christiane Edler. Das besondere an dem neuen Hospiz ist daher die Möglichkeit, Kinder tageweise in Pflege zu geben und sie abends oder am Wochenende wieder abzuholen. „Damit sind wir bundesweit das erste Hospiz dieser Art“, sagt die Initiatorin.

Betreuung rund um die Uhr

Zu den ersten Kindern, die in eines der hellen, in warmen Pastelltönen gehaltenen Zimmer ziehen werden, gehört der 15-jährige Tim. Im Snoezelenraum - finanziert durch eine Spende - hat er sich schon mit dem beheizten Wasserbett und der Lichtsäule vertraut gemacht. Der viel jünger wirkende Junge leidet unter cerebralen Störungen und schweren Epilepsie-Anfällen, er muss rund um die Uhr betreut werden. „Was er genau hat, konnten die Ärzte nie herausfinden“, sagt sein Vater René Griep, der sich abwechselnd mit seiner Ex-Frau und Kinderkrankenschwester Ayse um Tim kümmert. Sein eigenes Restaurant in Weißensee konnte er deshalb nicht weiterführen. „Das Leben verändert sich, wenn man ein besonderes Kind bekommt. Aber Tim ist mein Sonnenschein“, sagt der 48-jährige. Rene Griep wird im neuen Hospiz als Koch arbeiten, Tim wird Montag bis Freitag stationär aufgenommen. Am Wochenende holen ihn abwechselnd sein Vater oder seine Mutter nach Hause zu den Geschwistern. „So bin ich in Tims Nähe, kann aber wieder Kraft sammeln und nachts durchschlafen“, meint der 48-jährige und strahlt dabei seinen Sohn an.

Personal gesucht

Das Haus soll sich nach den Bedürfnissen der Eltern richten, darauf legt Projektleiterin Christiane Edler großen Wert: „Sie sind die Experten für ihre Kinder. Sie sollen an einen Ort kommen, an dem sie verstanden werden“. Ein professionelles Team von Kinderärzten, Heilerziehern, Therapeuten, Psychologen, Pflegefachkräften und ehrenamtlichen Familienbegleitern wird sich um die Kinder und ihre Familien kümmern. Die Pflegedienstleiterin des Hospiz, Corinna Ebadi, betont: „Wir können den betroffenen Familien kein Rundum-Sorglos-Paket bieten, da dies in einer solchen Situation nicht möglich ist. Wir möchten uns aber ihrer Sorgen annehmen und ihnen auch einige abnehmen.“

Zu dem Hospiz gehören ein Innenhof und ein Garten. Geplant ist ein kleiner Streichelzoo, den dann auch die Kita-Kinder nebenan besuchen können. „Wir wollen Gesunde und Kranke verbinden, Gäste sind herzlich willkommen“, betont die Projektleiterin. Und nimmt Berührungsängste: „Die Kinder kommen nicht zum Sterben hierher. Es ist mehr wie ein Ferienhospiz“. Im Moment ist sie noch auf der Suche nach Personal – 30 Stellen sind in dem Hospiz zu besetzen – das besonders im liebevollen Umgang geschult werden wird. Dafür stehen auch die Herzen an jedem Türschild und am Eingang des Hauses.