Pädagogik

Papa auf Zeit - Unterwegs mit einem professionellen Ersatzvater

Ob in Familie, Kita oder Schule: Häufig sind hier vor allem Frauen präsent. Es gibt Männer, die das ändern wollen – wie Ricardo Strauch. Er ist ein professioneller Ersatzvater. Wir haben ihn begleitet.

Foto: Amin Akhtar

Es kommt vor, dass er zum Vatertag Grußkarten bekommt. Es sind keine gekauften: Kinder haben sie für Ricardo Strauch gebastelt. Lauter Dankeschöns aus Tonpapier. Einer der Jungs, Tim*, hat auf die Vorderseite ein Bild von sich und Ricardo gemalt. Großes Strichmännchen, kleines Strichmännchen. „Für meinen Papa Ricardo“ steht da in windschiefen Buchstaben – und auch, was der Neunjährige an dem Mann mag, der ihn zweimal die Woche vom Hort abholt, wenn seine alleinerziehende Mutter arbeitet. Dass man nämlich wunderbar mit ihm toben und Quatsch machen kann.

Ricardo Strauch hat diese Karten wie Schätze auf dem Bücherregal in seinem Wohnzimmer drapiert. Strauch ist 34. Tiefe Märchenonkel-Stimme, die Statur eines Türstehers. Er kann auf zwei Fingern pfeifen wie ein Schiedsrichter und ein bisschen klingt er auch wie einer, wenn er die Kinder zur Eile mahnt. Doch seine Stimme wird weich, wenn er davon erzählt, wie es ist, wenn ihn die Mädchen und Jungen Papa nennen.

Es passiert fast täglich, auf dem Spielplatz, in der Kita oder in der Schule, wo immer er die Kinder abholt. Er sagt, er fühle sich jedes Mal unwohl in seiner Haut. Vielleicht wird ihm in diesen Augenblicken erst bewusst, wie schwer die Verantwortung ist, die er sich da aufgeladen hat, für fünfzehn Euro die Stunde. Es sind ja nicht seine Kinder. Ricardo Strauch verdient sein Geld als Babysitter. Mädchen oder Jungs, er betreut beide, vom vier Monate alten Säugling bis zum zwölfjährigen Teenie. Aber zu 90 Prozent sind es Jungs, und es ist wohl kein Zufall, dass die meisten Söhne alleinerziehender Mütter sind.

Diesen Auftraggeberinnen geht es nicht nur ums Aufpassen. Sie wollen, dass Ricardo mit ihren Jungs macht, was Väter sonst mit ihren Kindern machen. Fußballspielen, toben, Hausaufgaben - solche Sachen. Sie wissen, dass es die Jungs schätzen, wenn da einer ist, der einiges anders sieht und macht als sie selbst. Ricardo Strauch schmunzelt, wenn er davon erzählt, wie erleichtert ein Sechsjähriger mal reagierte, als er ihm sagte, es sei okay, wenn er nicht mehr die Prinzessin-Lillifee- Schlafanzüge seiner älteren Schwester auftragen wolle. Mannomann.

Mehr als ein Babysitter

Ricardo Strauch ist nicht der einzige Mann, der diese Dienstleistung anbietet. Bei „betreut.de“, Deutschlands größtem Internetportal für die Vermittlung von Alltagshelfern, sind drei Prozent der Männer Babysitter. Das Angebot reicht vom 44-jährigen Kita-Erzieher, der angibt, er habe Erfahrung im Umgang mit schwer erziehbaren Kindern und Jugendlichen, bis zum 22-jährigen Sozialassistenten, der mit einem „großen Repertoire an professionellen Fördermethoden“ und Eigenschaften wie Empathie, Feinfühligkeit und Flexibilität wirbt.

Papas für einen Tag? In Berlin war es der Verein „Big Friends For Youngsters“ (BIFFY), der diese Lücke als erster füllte – auf ehrenamtlicher Basis. Die Idee stammt aus den USA: Erwachsene übernehmen Patenschaften für Kinder aus zerrütteten Familien. Inzwischen gibt es 200 Partner-Tandems, in der Mehrzahl Teams aus Männern und Jungs.

Peter Kramer ist einer dieser Ersatz-Papas, 57, ein sportlicher Riese im karierten Hemd. Jeden Dienstag ist Nico-Tag. Dann holt er den Neunjährigen vom Hort ab. Nicos leiblicher Vater lebt in Italien, der Junge sieht ihn nur an drei Wochen im Jahr. Umso mehr genießt er die Zeit mit „dem Peter“. Der spielt mit ihm nicht nur Fußball oder geht mit ihm ins Olympiastadion. Er darf ihn auch darauf aufmerksam machen, wenn er beim Spaghetti-Essen schlürft oder andere Kinder auf dem Spielplatz zu lange vor dem Parcours mit Elektro-Autos warten lässt.

Peter Kramer sagt, er genieße die Zeit mit Nico. Er hat mit seiner Frau zwei Töchter großgezogen. Er sagt, das Leben mit Jungs sei etwas ganz anderes. „Ich hätte nie gedacht, dass die viel mehr Bewegung brauchen und dass Fußball so wichtig für ihre Sozialisation ist.“

Das alte Klischee, immer noch gültig. Ricardo Strauch bedient es, wenn ihn das Fernsehen bei seinen Einsätzen begleitet. Einen „Leihpapa“, so haben ihn die Medien genannt. Dabei empfindet er das, was er macht, als selbstverständlich. Es verrät viel über das Selbstverständnis einer Gesellschaft, dass einer wie er als Exot durchs Fernsehen geistert. Ricardo Strauch steht für einen Paradigmenwechsel in der Erziehung. Sein Job wirft ein Licht auf ein Problem, vor dem die Politik lange die Augen verschlossen hat.

Auch die Politik wünscht mehr männliche Vorbilder

Schon seit einiger Zeit warnen Psychologen davor, dass das Bildungssystem Jungs benachteilige. Die Fakten, so scheint es, unterstreichen das. Jungs werden in der Schule oft schlechter bewertet als Mädchen, sie bleiben öfter sitzen und machen seltener Abitur. Von der „Jungskrise“ ist schon die Rede, und wer daran schuld ist, ist für viele auch klar. Da ist einmal der hohe Anteil der Alleinerziehenden. Jedes fünfte Kind in Deutschland wächst bei nur einem Elternteil auf, in Berlin ist es sogar jedes dritte. Und 90 Prozent der Alleinerziehenden sind Mütter.

Väter oder andere männliche Vorbilder sind im Leben vieler Kinder nicht so präsent, wie sie es sein sollten. Der Anteil der männlichen Erzieher in Kindertagesstätten liegt gerade mal bei durchschnittlich 4,9 Prozent bundesweit. In den Grundschulen sind 16 Prozent der Lehrer männlich. Die Konsequenz liegt für viele auf der Hand. Jungs, warnte schon die ehemalige Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU), seien die Opfer eines feminisierten Schulbetriebs. Um sie zu fördern, initiierte sie ein Jungen-Referat und legte das Programm „Mehr Männer in Kitas“ auf. Seither hat sich die Zahl der männlichen Mitarbeiter bundesweit zwar verdoppelt. Aber an den Problemen der Jungs hat sich kaum etwas geändert.

Der „Leihpapa“ als Feuerwehrmann, als Retter in der Not? Der Stempel behagt Ricardo Strauch nicht. Er sagt, „Job ist Job, und Papa ist Papa. Aber bring’ das mal einem Kind bei.“

Er weiß, wie das ist. Die Grenze zwischen Privatleben und Beruf ist fließend geworden, seit seine Freundin vor einem halben Jahr mit ihrem Sohn zu ihm gezogen ist. Oliver ist acht Jahre alt, ein frecher, selbstbewusster Junge. Einer, der es genießt, seine Grenzen auszutesten. Das merkt man, wenn man sieht, wie die beiden Fußball spielen. Ricardo hat seine Sneakers gegen leuchtend gelbe Fußballschuhe getauscht. Er hüpft im Tor auf der Stelle, um sich warmzumachen. „Stell dich nicht so pussymäßig an“, ruft Oliver, bevor er Anlauf nimmt und den Ball in die Ecke knallt. „Tooor!!!“ Die beiden geben sich ein High-Five und lachen.

„Er ist wie ausgewechselt“

So entspannt war ihr Verhältnis nicht immer. Als Ricardo Strauch Oliver kennenlernte, war er einer dieser Jungs, denen Lehrer schnell den Stempel „Sorgenkind“ aufdrücken. Keine Freunde, leicht reizbar, aggressiv gegenüber anderen Kindern und der eigenen Mutter. Strauch traf ihn in einem Kinderladen in Lichtenberg, dort, wo er in den Schulferien als Betreuer gejobbt hatte. Nach und nach erfuhr er, warum der Junge von der Rolle war. Er war noch ein Baby, als seine Mutter mit ihm vor seinem gewalttätigen Vater in ein Frauenhaus floh. Das Kind geriet zwischen die Fronten eines erbitterten Sorgerechtsstreites, der sich bis heute hinzieht. So fing es an. Jetzt hängen Olivers Zeichnungen über seinem Schreibtisch, und auch sonst hat alles seine Ordnung. Und vielleicht wäre alles perfekt, wenn der Achtjährige nicht so eifersüchtig auf die anderen Jungs wäre, die er professionell betreut. Strauch sagt: „Ich muss aufpassen. Einen hat er schon mal weg geschubst und gesagt: ,Das ist mein Papa. Such dir gefälligst einen eigenen.‘“

Er erzählt das im Auto, auf dem Weg zu seinem nächsten Einsatz. Er fährt nach Marzahn, um Jana, 5, und Jan, 13, abzuholen, zwei Kinder mit Down-Syndrom. Sie leben bei Pflegeeltern. Immer freitags kommt Ricardo Strauch zu ihnen. Dann geht es raus an die frische Luft. Toben auf dem Spielplatz, verstecken, Monster spielen, bolzen. Es mache sehr wohl einen Unterschied, ob sie einen Mann oder eine Frau buche, sagt die 56-jährige Pflegemutter.

Ihren Alltag hat sie perfekt organisiert. Ihr Mann ist wochenlang auf Montage. Krankenschwestern und Therapeutinnen greifen ihr bei der Arbeit unter die Arme. Und neuerdings eben auch Ricardo. Sie sagt, Jan sei wie ausgewechselt, wenn er komme. Er ziehe sich plötzlich alleine an und albere herum. Das Raufen tue ihm gut. Ricardo gehe nicht so zimperlich mit ihm um. Sie knufft den Leihpapa kumpelhaft in die Seite. „Demnächst kannst du auch die Hausaufgaben mit ihm machen. Ich habe den Eindruck, bei dir zickt er nicht so herum.“

Die Kinder quetschen sich auf die Rückbank. Auf zum Abenteuerspielplatz. Am Spiegel in Strauchs Polo baumelt ein Plastikherz. „Ich hab‘ dich lieb“, steht auf der einen Seite. Auf der anderen Seite klebt ein Foto von Oliver. Eine Liebeserklärung an einen Vater, der sich mit dieser Rolle erst noch arrangieren muss. Oliver hat es ihm geschenkt, nach ihrem ersten großen Krach. „Da hat er mit seinem Fußball einen Bilderrahmen zerschossen, obwohl ich ihm schon hundertmal gesagt habe, dass in der Wohnung kein Fußball gespielt wird“, sagt Strauch. Man ahnt: Wenn es sein muss, kann er lauter werden.

Ein Nein bedeutet Nein

Er grinst schief. Sein Verständnis von Kindererziehung deckt sich nicht immer mit dem seiner Auftraggeberinnen. Dass ein Nein auch Nein bedeutet ist einer seiner Sätze. Dass Konsequenz das A und O ist. Dass man nicht früh genug beginnen kann, Kinder zur Selbstständigkeit zu erziehen. Sich so lange neben den fünfjährigen Lasse legen, bis der eingeschlafen ist? Ihm den Popo abputzen? Dem siebenjährigen Friedrich einen Nuckel in den Mund schieben, weil er sich sonst im Dunkeln fürchtet? Nicht mit ihm. Er hat das Problem auf seine Art gelöst. Er denkt sich Gute-Nacht-Geschichten aus. Solche, in denen die Kinder selber mitspielen. Lasse und Friedrich bezwingen das Grießbrei-Monster. So nimmt er ihnen die Angst.

Ricardo Strauch kommt den Kindern nahe, auch körperlich. Es ist eine Frage des Vertrauens. Er weiß, dass es auch in seiner Branche schwarze Schafe gibt, die die Abhängigkeit der Kinder ausnutzen. Pädophilie, der Verdacht trifft Männer naturgemäß eher als Frauen. In fünf Jahren, versichert Strauch, sei er jedoch nicht einmal auf das Thema angesprochen worden: „Wenn Mütter solche Bedenken hätten, würden sie wahrscheinlich erst gar keinen Mann beauftragen.“

Ricardo Strauch ist in einem Dorf im Spreewald aufgewachsen. Wenn er davon erzählt, stellt man sich den Ort wie Bullerbü vor. Pferde auf der Koppel, Hühner im Stall. Den Vater bekommt er nur am Wochenende zu sehen, als Dachdecker ist er auf Montage. Ricardo und sein jüngerer Bruder müssen schon früh auf dem Hof mithelfen. Es sei eine schöne Zeit gewesen, streng, aber behütet. Den ganzen Tag draußen sein, Buden bauen oder Flöße. Eine Welt, in der sich Kinder ausprobieren können. Er sagt, das werde ihm erst heute bewusst, wenn er sich die Kinderzimmer anschaue. Er sagt, er sei oft erschlagen, so vollgestopft seien viele Zimmer mit Spielzeug. „Wie soll ein Kind dort auch mal zur Ruhe kommen?“

Etwas auf den Weg mitgeben

So redet einer, der seinen Beruf liebt. Die Herausforderung, jedem Kind etwas auf seinen Weg mitzugeben, so formuliert es Strauch. Er war schon 29, als er herausfand, dass ihn diese Arbeit mehr ausfüllt als all die anderen Jobs, mit denen er sich nach seiner Malerlehre durchgeschlagen hatte: als Altenpfleger, Kurierfahrer, Obdachlosenbetreuer, Coach für Jugendliche ohne Schulabschluss. Er sagt, es sei eine Kita- Leiterin in Kreuzberg gewesen, die erkannt habe, dass er gut mit Kindern kann und die Kinder gut mit ihm. Das war 2009. Er hat damals mit Jugendlichen Wellen und Dünen auf kahle Wände gemalt. Er sagt: „Ich war ständig von Zwergen umzingelt.“

Strauch blieb dabei. Eine zweite Ausbildung zum Erzieher wollte ihm das Arbeitsamt nicht finanzieren. Er belegte einen Schnellkurs in Kinderpflege beim Deutschen Roten Kreuz. Er begann ein Fernstudium als Erziehungsberater. Die ersten Jobs fand er über Kleinanzeigen. Inzwischen läuft das Geschäft so gut, dass er zwei Mitarbeiterinnen beschäftigt. Dass es zwei Frauen sind, war Zufall. An Aufträgen mangelt es ihm nicht. Jeder Bericht in den Medien über den „Leihpapa“ ist für ihn Werbung. Er sagt: „Allein nach dem letzten Fernsehbeitrag von RTL haben sich 74 Mütter gemeldet.“

Männer mit abgeschlossener Berufsausbildung, die neuen Erzieher von morgen? Genau diese Klientel hatte die ehemalige Bundesfamilienministerin Kristina Schröder im Visier, als sie 2010 das Programm „Männer in Kitas“ lancierte. Männer, die mit beiden Beinen im Arbeitsleben stehen, wollte sie für eine Umschulung gewinnen. Das Echo auf den Aufruf sei überwältigend gewesen, heißt es in der Koordinierungsstelle in Berlin, die ihre Arbeit unter der neuen Regierung fortsetzt. Mehr als 3000 Männer hätten sich gemeldet, auch ältere. Viele wären sogar bereit gewesen, noch einmal drei bis fünf Jahre lang die Schulbank zu drücken. Auch das eher niedrige Gehalt von ca. 2200 Euro brutto hätte sie nicht abgeschreckt – wohl aber die Finanzierung der Umschulung. Außer in Baden-Württemberg, heißt es bei der Koordinierungsstelle, hätten Bewerber vom Arbeitsamt keine Zuschüsse für den laufenden Unterhalt bekommen. Die neue Bundesregierung hat aus dem Fehler ihrer Vorgängerin gelernt. Sie hat jetzt Mittel für ein neues Modellprojekt bewilligt. Diesmal bekommen Erzieher in spe die Umschulung finanziert.

Es tut sich also was auf dem Arbeitsmarkt. Ricardo Strauch, der Leih-Papa aus Berlin, ist nur die Spitze einer „Avantgarde gegen den Hauptstrom geschlechter-traditioneller Berufswahlen“, wie der Sozialwissenschaftler Carsten Wippermann den neuen Trend charakterisiert.

Väter-Abend in der Grundschule

Seine Ausläufer haben inzwischen auch die Grundschulen erreicht. Holger Vierke stimmt das optimistisch. Seit 20 Jahren unterrichtet er an der Elbe-Grundschule in Neukölln, 300 Schüler, neunzig Prozent davon mit Migrationshintergrund. Auf dreißig Lehrerinnen kommen hier nur vier Lehrer. „Viele männliche Kollegen unterrichten lieber ältere Schüler, weil sie keine Lust auf solche Mätzchen haben, wie den Kindern noch die Schnürsenkel zuzubinden“, glaubt Vierke. Rollenklischees, von denen er sagt, er habe noch nie etwas damit anfangen können. Er habe sich eben damit abgefunden, dass bei Schulpartys immer er gerufen werde, wenn der DVD-Player streike. Doch das Blatt beginne, sich zu wenden, sagt Vierke. „Es kommen immer mehr junge Männer als Praktikanten, die sich bewusst für die Grundschule entscheiden.“ Und es sei ja auch ein toller Beruf, Heranwachsende ein Stück weit zu begleiten, nicht nur als Lehrer, auch als als „role model“, als männliches Vorbild.

Damit diese Rolle nicht an ihm allein hängen bleibt, veranstaltet er seit einigen Jahren „VäterAbende“ zum Thema Erziehung. Es sind immer nur sechs Väter, die kommen, aber es ist ein Anfang. „Ich will mit dem Vorurteil aufräumen, dass Erziehung Frauensache ist“, sagt Vierke.

Ricardo Strauch ist da schon einen Schritt weiter. Die Mütter wenden sich an ihn. Einige haben einen langen Leidensweg hinter sich, Trennung vom Vater ihres Kindes, ein neuer Partner, noch eine Trennung, Kinder, die frei drehen, Lehrer, die Druck in der Schule machen. Und dazu das belastende Gefühl, allein die Schuld an der verfahrenen Situation zu tragen.

Janine N., 31, ist so eine Mutter. Sie ist über eine TV-Reportage auf Ricardo aufmerksam geworden. Ihr gefiel seine ruhige, aber bestimmte Art. Sie sagt, vielleicht sei er genau der Typ, den der Lehrer ihres Sohnes Liam meinte, als er sagte: „Frau N., Liam braucht dringend männliche Bezugspersonen.“ Jetzt stürmt Liam auf Ricardo zu, ein Sechsjähriger, dem schnell langweilig wird. „Los, spiel’ mit mir.“ Zu zweit jagen sie dem Ball hinterher. Es ist fast dunkel, als sie den Fußballplatz verlassen und Liam Ricardo ein Geschenk überreicht. An eine Tafel Schokolade hat er ein selbst gemachtes Armband aus winzigen Buchstabenwürfeln geheftet. Es stehen nur drei Worte darauf: „Gott segne dich“.

*alle Namen der Kinder geändert