Reiterhöfe & Co.

Wenn Kinder im siebten Pferdehimmel schweben

Die Region Berlin-Brandenburg ist ein Pferdeland. Mehr als 35.000 Rösser stehen in den rund 1000 Ställen. Ob Anfänger, Profi oder Turnierreiter, jeder kommt auf seine Kosten. Ein Traum für Kinder.

Foto: Jacobius / Katja Reiser

Obwohl viele Umfragen behaupten, Kinder würden immer häufiger nur noch vor dem Computer sitzen, wollen die Jüngsten zunehmend wieder raus. Ins Grüne! Am besten zu Tieren. Und wenn möglich zu Pferden und Ponys.

Nichts leichter als das! Berlin und Brandenburg sind einig Pferdeland. Über 35.000 bildschöne Rösser stehen in den rund 1000 Ställen und auf den Weiden in und um die Hauptstadt. In manchen Dörfern gibt es mehr Pferde als Einwohner. Rund 30.000 Berliner und Brandenburger haben inzwischen das Hobby Reiten für sich entdeckt, 16.000 davon sind in Vereinen organisiert. Ob Anfänger, Freizeitreiter, Gelegenheits-Aufsitzer, Turnier- oder Rennreiter – jeder kommt hier auf seine Kosten.

Für Kinder ist es am besten, mit Ausflügen zu den entsprechenden Höfen zu beginnen. Bei geführtem Ponyreiten oder Stunden an der Longe (das ist der lange „Strick“, an dem ein Pferd im Kreis läuft) bekommen die Jüngsten ein Gefühl für diese sanften Tiere. Wenn die Augen leuchten und der Nachwuchs von nichts anderem mehr redet, geht’s ab ins Reitferiencamp.

Rundum-Betreuung ist heute Standard auf Reiterhöfen

Die Kinder sind hier – endlich weg von den Eltern – im siebten Pferdehimmel. Rundum-Betreuung und eine gesunde, schmackhafte Vollverpflegung sind heute auf fast allen Höfen Standard. Häufig bekommen die Jüngsten für die ganze Zeit ihr eigenes Pflegepferd. Geschultes Personal sieht, welches Pferd zu welchem Kind passt. Im Gruppenunterricht werden die ersten Lektionen erlernt und es geht auch schon ins Gelände, um brav hintereinander durch die Natur zu galoppieren.

Auch Luzie (12) hat so mit sieben Jahren ihre kleine „Reiterkarriere“ begonnen. Begeistert erzählt sie: „Zuerst habe ich das Westernreiten gelernt. Ich kam mir vor wie ein richtiger Cowboy. Abends trafen wir uns alle beim Lagerfeuer, das war urgemütlich. Mein Pferd hieß übrigens Bella.“

Sind die Reiterferien vorbei und der Nachwuchs will nun regelmäßig dabeibleiben, sind ein Verein oder eine Reitschule das Beste. Auf Schulpferden lernen die jungen Anfänger das Einmaleins des Reitens. Sich tragen lassen, das Gleichgewicht halten, die Bewegungen erfühlen – dies steht an erster Stelle und muss regelmäßig, mindestens einmal in der Woche, geübt werden.

Reitbeteiligung empfiehlt sich erst nach fünf Jahren

Danach geht es schon bald darum, dem Pferd zu zeigen, wo es langgeht. Feine Hilfen am Zügel, fast unsichtbares Treiben durch Schenkel und Reitergewicht lassen das Tier in bestimmte Richtungen laufen. Sie lassen es im Schritt gehen, antraben oder galoppieren. Auch das Reiten in freier Natur kann am besten auf unterschiedlichen Schulpferden trainiert werden.

Erst nach mindestens fünf Jahren regelmäßigen Reitens empfiehlt es sich, eine Reitbeteiligung auf einem Privatpferd anzustreben. Jetzt ist der Reiter auf sich gestellt, viele nehmen sich aber phasenweise immer wieder einen Lehrer. Und das eigene Pferd? So viele Kinder wollen es unbedingt! Doch der Kauf eines eigenen Pferdes sollte warten, bis „das Kind“ seinen ersten eigenen Job hat. Denn Vorsicht: Der Pferdekauf ist heute meist nicht sehr teuer, die monatliche Haltung dagegen sehr!

Die monatlichen Kosten sprechen gegen ein eigenes Pferd

Bereits ab 3000 Euro gibt es schon gute Freizeitpferde. Der Preis sagt nichts über die Qualität, sondern wird nur von Angebot und Nachfrage geregelt. Die monatliche Haltung, gerade um unsere Großstadt herum, kann dagegen schnell bei 500 bis 600 Euro liegen. Denn zu der Vollpension in einem Pferdestall kommen regelmäßige Hufbeschlagskosten, Impfen, Wurmkur, Zahnarzt, Tierarzt, Reitlehrer, Zubehör, Mineralfutter und, und, und. Dies wird von vielen ahnungslosen Eltern meist unterschätzt. Also nichts wie raus zu den Profis auf Pferdehöfen und in Reitschulen, um die Kinder aufs eigene Pferd vorzubereiten.

Die zwölfjährige Luzie darf – neben der Reitschule – indessen ab und zu schon mal das Araber-Pferd ihrer Tante reiten. Für sie liegt, wie für die anderen pferdebegeisterten Schüler, das Glück der Herbstferien auch auf dem Rücken der vierbeinigen Freunde.