Patenschaft

„Der persönliche Kontakt zum Patenkind ist entscheidend“

Welchen Sinn hat das Sakrament der Taufe und das damit verbundene Patenamt? Was muss man wissen und können, um ein Pate zu werden? Pfarrer Oliver Dekara aus Dahlem beantwortet die wichtigsten Fragen.

Berliner Morgenpost: Eine Patenschaft beginnt mit der Taufe. Daher zuallererst die Frage: Was bedeutet die Taufe?

Oliver Dekara: Die Taufe ist neben dem Abendmahl eines der beiden Sakramente in der Evangelischen Kirche, also ein sichtbares Zeichen des Heils, das unseren Glauben ausmacht. Taufe wurde von Anfang an als Neuschöpfung und Wende verstanden, die dem ganzen Leben eine neue Richtung und Prägung gibt, dadurch dass nun das Wort und der Geist Jesu den Weg bestimmen.

Warum wird mit Wasser getauft?

Das Unter- und Auftauchen bei der Taufe hatte die Bedeutung, das Hindurchgehen durch den Tod und das Auferstehen in neues Leben zu symbolisieren. Das Übergießen mit Wasser bei der heutigen Taufe steht für den zweiten Aspekt des Reinwaschens. Gleichzeitig wird der Getaufte sichtbar in die Gemeinschaft eingegliedert.

Immer weniger Kinder werden getauft. Woran liegt das?

Eine Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland aus dem Jahr 2005 hat gezeigt, dass der Grund dafür vor allem im gesamtgesellschaftlichen Geburtenrückgang liegt. Die Taufbereitschaft bei evangelischen Kirchenmitgliedern ist weiterhin hoch. Allerdings wird immer häufiger nicht im ersten Lebensjahr sondern später getauft.

Wer kann Pate oder Patin werden? Welche Voraussetzungen braucht ein Taufpate?

Pate oder Patin kann sein, wer der evangelischen Kirche angehört, mindestens 14 Jahre alt ist und zum Abendmahl zugelassen ist. Auch Mitglieder einer der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) angehörenden Kirche können Taufpaten werden. Jedoch sollte wenigstens einer der Paten evangelisch sein, damit das Kind in den christlichen Glauben und in seine evangelische Kirche hineinwachsen kann.

Unterscheiden sich die Voraussetzungen für das Patenamt in der evangelischen und in der katholischen Kirche?

Soweit ich weiß, gilt in der römisch-katholischen Kirche: Wer katholisch getauft ist und die Sakramente der Firmung und der Eucharistie empfangen hat, kann das Patenamt übernehmen. Ein Pate sollte das sechzehnte Lebensjahr vollendet haben, ein Leben führen, das dem Glauben und dem zu übernehmenden Dienst entspricht. Getaufte, die einer nicht-katholischen Gemeinschaft angehören, können zusammen mit einem katholischen Paten als Taufzeuge zugelassen werden.

Wie viele Paten sollte ein Kind haben? Und: Kann man eine Patenschaft auch ablehnen?

Für die Zahl der Taufpaten gibt es keine Begrenzung. Wünschenswert sind mehrere Paten. Natürlich kann niemand gezwungen werden, ein Patenamt zu übernehmen, aber in der Regel fühlen sich Gefragte eher geehrt. Und: Das Patenamt kann nicht nachträglich niedergelegt oder aberkannt werden. Es erlischt aber, wenn der Pate aus der Kirche austritt.

Was ist ein Taufzeuge?

In unserer Gemeinde werden alle Menschen, die von den Eltern als Begleiter für das Kind gewünscht werden und nicht getauft oder aus der Kirche ausgetreten sind, als Taufzeugen bezeichnet. Sie erhalten keine Patenurkunde, werden aber auf der Taufurkunde des Kindes als Taufzeugen namentlich genannt.

Was bedeutet das Patenamt für den Paten? Mit anderen Worten: Welche Aufgaben sollte ein Pate erfüllen?

Die Paten sollen die Eltern in der christlichen Erziehung des Kindes unterstützen und auch darüber hinaus Ansprechpartner sein. Paten sollten den Tauftag in Erinnerung halten bei Eltern und vor allem beim Täufling. Das ist eine Art, das Faktum der Taufe zu bezeugen. Ein Pate sollte Fragen des Glaubens – und des Zweifelns – mit seinem Patenkind thematisieren, wenn die Lebenssituation es nahelegt. Dazu gehört natürlich auch, sich selber immer wieder die Frage nach Gott in seinem Leben zu stellen.

Haben sich die Aufgaben der Paten in den vergangenen Jahren verändert?

Mir scheint, dass die Verantwortung und das Engagement der Paten in ihrer religiösen Funktion heute wieder stärker betont wird. Es gab eine Zeit, in der das Patenamt fälschlich auf die Übernahme der Vormundschaft beim Tode der Eltern bezogen wurde. Diese Auffassung stammt aus Zeiten, als es noch keine staatlich geregelten Möglichkeiten der Betreuung gab, und gilt schon lange nicht mehr.

Wann endet das Patenamt in der evangelischen Kirche?

Das Patenamt mit dem Auftrag, die christliche Erziehung des Patenkindes zu unterstützen, findet mit der Konfirmation des Kindes einen Abschluss. Oft entsteht aber eine lebenslange intensive Beziehung zwischen Patenkind und Paten.

Welchen Rat können Sie jemandem geben, der ein Patenamt antritt?

Auf jeden Fall sollten die Paten sich den Tauftag in den Kalender schreiben und ihn jedes Jahr in Erinnerung rufen. Zur Taufe selbst ist ein kleines Geschenk wie eine selbst gestaltete Taufkerze oder eine Kinderbibel eine schöne Idee. Letztlich hörte ich von einem Konfirmanden, sein Pate habe ihm zur Taufe vierzehn Jahre zuvor einen Brief geschrieben, den er jetzt zur Konfirmation öffnen solle. In jedem Fall ist der persönliche Kontakt ein entscheidender Faktor.

Ist es in unserer globalisierten und technologisierten Welt schwerer oder leichter geworden, ein guter Pate zu sein?

Ich glaube nicht, dass es schwerer geworden ist, Pate zu sein. Die Fragen des Lebens mit dem Glauben zu verbinden, war auch früher nicht einfach. Vielleicht ist es sogar heute leichter, weil man sich im Internet über viele religiöse Fragen Anregungen und Antworten suchen und sich mit anderen Menschen schneller austauschen kann. Die Aufgabe, es dann selber zu bedenken und mit Gott im Gespräch zu sein, ist geblieben. Auch in einer immer komplexeren Welt behalten alle die Aufgabe, das Reden und Handeln der Menschen nach eigenen Maßstäben zu beurteilen. Der Maßstab der Christen ist dabei der Glaube und ein Leben im Geiste Jesu. Aber auch diesen Maßstab müssen wir als Gemeinschaft immer neu finden und anwenden.

Interview: Nina Fischer-Keese