Bildung

Rüstzeug für die Schlauen

Schüler, die talentiert und motiviert sind, aber auf ihrem Bildungsweg große Hürden überwinden müssen, haben die Chance, künftig etwas mehr Unterstützung zu erhalten. Wer sich bis zum 1. April bei "Grips gewinnt" bewirbt, hat die Möglichkeit, ein Schülerstipendium zu erhalten, das ab dem kommenden Schuljahr zum ersten Mal in Berlin ausgeschrieben wird. Initiatoren sind die Robert-Bosch-Stiftung und die Joachim-Herz-Stiftung.

Die Schüler werden von "Grips gewinnt" nicht nur finanziell unterstützt, sondern bekommen zudem eine Betreuung und Materialien an die Hand. So sollen ihnen mehr Bildungsmöglichkeiten eröffnet werden. Das Programm steht allen offen, die das Abitur anstreben. Es dauert drei bis vier Jahre, im Idealfall sechs Jahre. Auch Schüler der Oberstufe werden noch angenommen. Insgesamt 110 Stipendien werden für die Länder Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt vergeben. Wie viele es in Berlin sein werden, steht noch nicht fest: Eine Quote gibt es nicht.

Bereits im vergangenen Jahr startete "Grips gewinnt" in Bremen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. "Mit so großem Erfolg, dass wir beschlossen haben, das Programm dieses Jahr auf sieben Länder auszuweiten", sagt Martina Schulze, Programmleiterin bei der Joachim-Herz-Stiftung. Die Teilnehmer des laufenden "Grips gewinnt"-Programms seien froh über die Unterstützung und hochmotiviert. Zurzeit machen 50 Schüler mit, davon 32 mit und 18 ohne Migrationshintergrund. 270 Schüler hatten sich beworben.

Das Ziel ist ein Beitrag zur Chancengleichheit. "Es gibt viele Schüler, die zwar leistungsstark in der Schule sind, ehrenamtlich engagiert in ihrer Freizeit, aber zum Beispiel finanziell nicht gut dastehen", sagt Andrea Hentz, Sprecherin der Joachim-Herz-Stiftung. "Ihnen wollen wir das Rüstzeug geben, sich selbst für ihre Bildung einzusetzen." 150 Euro bekommen die Stipendiaten monatlich ausgezahlt. Sie unterschreiben zu Beginn des Programms eine Vereinbarung und verpflichten sich damit, das Geld nur für ihre Bildung auszugeben. "Aber noch wichtiger als die Unterschrift ist: Die Schüler wissen, dass wir ihnen vertrauen", sagt Martina Schulze. Regelmäßig können sie Sprechstunden besuchen sowie eine Sommerakademie und Seminare. Sie gehen auf Bildungsmessen und Veranstaltungen zur Berufsinformation. Für viele bedeutet das mehr, als nur ein bisschen Rückenwind zu bekommen. "Es gibt Bewerber, die sich um ihre Familien kümmern müssen, beispielsweise managen oder übersetzen. Oder Beratung brauchen, weil sie noch nicht wissen, in welche Richtung sie beruflich gehen wollen", sagt Andrea Hentz. Ein Stipendiat aus Hamburg kaufte sich ein 300 Euro teures Physikbuch, das er sich schon lange gewünscht hatte.

Schüler ab der siebten Klasse können Bewerbungen einreichen. Die Unterlagen erfordern zehn Seiten: unter anderem ein Motivationsschreiben, Kopien der letzten Zeugnisse, eine ausführliche, handgeschriebene Darstellung des Lebens- und Bildungsweges und ein Lehrergutachten. In einem Aufnahmegespräch werden alle Bewerber genauer unter die Lupe genommen. Vor den Sommerferien wissen sie schon, ob sie genommen werden. "Wir suchen Schüler, die leistungsstark sind, sich in ihrer Freizeit engagieren", sagt Andrea Hentz. Wer am meisten Unterstützung braucht und wer am meisten profitieren würde, das erfahren die Verantwortlichen aus den Bewerbungen und von den Lehrern. "Wir suchen die Schüler, die mehr leisten als andere, aber auch die, die positive Bestätigung brauchen." Entscheidend sind nicht allein die guten Noten. Vor allem sollen die Schüler Grips haben und sich auch für andere einsetzen.

"Das Ziel ist nicht, dass sie alle später an der Uni landen", sagt Martina Schulze. "Egal, welche Berufsausbildung sie machen, sie sollen den für sie passenden Berufs- und Lebensweg einschlagen."

Mehr Informationen zum Programm: www.grips-stipendium.de

"Wir suchen die Schüler, die mehr leisten als andere, aber auch die, die positive Bestätigung brauchen"

Andrea Hentz, Sprecherin der Joachim-Herz-Stiftung

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