Interview

"Jugendliebe kann Ihre Beziehung gefährden"

Die Psychologin Nancy Kalish warnt: Alte Flammen sind brandegefährlich

Die kalifornische Psychologie-Professorin Nancy Kalish studiert Paare, die sich getrennt und später wieder gesucht haben. Ihre Erkenntnis: Viele Neuauflagen haben ein Happy End, etliche verursachen aber auch schmerzhafte Nebeneffekte. Berliner Morgenpost: Warum suchen so viele im Internet ihre Ex-Lieben?

Nancy Kalish: Das meiste ist Neugier. Das heißt nicht, dass sie wieder zusammenkommen wollen. Ich habe mal eine Gruppe von Leuten befragt, die noch nie eine alte Liebe wiederbelebt haben. Auf die Frage, ob sie sich das überhaupt vorstellen könnten, haben viele geantwortet: "Nein, zur Hölle" oder "Wer will so was?".

Berliner Morgenpost: Aber die, die wieder zusammenkommen, haben Ihren Studien zufolge gute Chancen, zusammenzubleiben?

Nancy Kalish: Ja, das sind Menschen, die sehr gute Erinnerungen aneinander haben, und die durch schicksalhafte Umstände getrennt wurden, durch Umzüge oder die Eltern. Die sind oft sehr verbittert, dass sie auseinandergerissen wurden.

Berliner Morgenpost: Muss man sich sorgen, wenn der Partner die oder den Ex trifft?

Nancy Kalish: Unbedingt. Der normale Partner macht so etwas nicht. Viele Leute, die sehr glücklich verheiratet sind und mal eben im Internet "Hallo, wie geht's?" sagen, machen sich nicht klar, dass die Gefühle zurückkommen und sie sich ein großes Problem zulegen. Sie lieben dann zwei Leute. Das ist wie eine Zeitmaschine, in der das neue Ich mit dem alten zusammentrifft.

Berliner Morgenpost: Ist Facebook gefährlich für Beziehungen?

Nancy Kalish: Absolut. Es fehlen ja die Aufpasser. Die Menschen wussten auch ohne Internet, wie sie sich wiederfinden konnten. Aber damals machten sich die Leute auf die Suche, wenn sie wirklich auf Romantik aus waren. Früher musste man ja Freunde oder Eltern nach der alten Liebe fragen.

Berliner Morgenpost: Was macht die Jugendliebe so unwiderstehlich?

Nancy Kalish: Wir fühlen uns wohl mit den Leuten, mit denen wir aufgewachsen sind. Die meisten meiner Freunde kenne ich aus der Schulzeit. Das ist ja eine besondere, ganz intensive Zeit, niemals mehr investiert man so viel Zeit und Energie in Freundschaften.

Berliner Morgenpost: Haben Sie noch eine wichtige Botschaft?

Nancy Kalish: Aber ja, an alle Eltern, denen die Liebschaften ihrer Kinder unsympathisch sind: Lasst sie in Ruhe! Ein versoffener Junge kann später ein erfolgreicher Manager werden! Früher heiratete man seine Jugendliebe. Heute denken wir, dass die Kinder erst mal ihre Erfahrungen sammeln sollen. Die braucht nicht jeder. Teenager-Liebe ist echte Liebe. Wenn man sie auseinanderbringt, riskiert man Herzschmerz, wie im Fall von Charles, Camilla und Lady Diana.