Studie

Vielfalt an Familienformen wird in der Schule kaum vermittelt

Erleben Kinder, die mit Eltern aufwachsen, die sich als lesbisch, schwul, bisexuell und trans (LGBT) identifizieren, Diskriminierungen in der Schule? Und welche Strategien entwickeln sie im Umgang damit?

Dies war das Thema einer vergleichenden Studie, durchgeführt vom Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin in den Ländern Deutschland, Schweden und Slowenien.

Die Ergebnisse der Interviews mit Kindern und Eltern zeigen auf Deutschland bezogen, dass die Kinder in der Regel gut integriert sind und selten direkte Formen von Gewalt erleben. Sie berichten allerdings, dass sie erleben beziehungsweise befürchten, dass ihre Familienform von anderen - Gleichaltrigen wie auch Pädagoginnen und Pädagogen - als Abweichung von einer Hetero-Normalität gesehen und tendenziell eher negativ bewertet wird. "Um diese Form der De-Normalisierung zu umgehen, versuchen viele Kinder, sich und ihre Familien als so normal wie möglich darzustellen beziehungsweise sie wählen, um sich selbst zu schützen, die Strategie des Nicht-Veröffentlichens", sagt Uli Streib-Brziè, Mitautorin der Studie. "Andere entscheiden sich für eine offensivere Strategie und erzählen selbstbewusst und stolz in ihrem schulischen Umfeld von ihrer Familie. Ein Effekt davon ist, dass auf diese Weise auch das Besondere und Andere dieser Familienform in den Alltagsdiskurs in der Schule eingeht", so Uli Streib-Brziè.

Die Studie mit dem Titel "School is out?! - Erfahrungen von Kindern aus Regenbogenfamilien" resümiert, dass genau dieser selbstverständliche Umgang in allen drei Ländern viel zu wenig passiert. Stattdessen würden immer noch viele Vorurteile gegenüber LGBT-Eltern reproduziert, und auch Pädagoginnen und Pädagogen fehle es häufig an Wissen und Offenheit für das Thema. Insgesamt werde die Vielfalt an Familienformen in der Schule kaum vermittelt, Regenbogenfamilien blieben sowohl in Unterrichtsmaterialien als auch im Unterrichtsgespräch unerwähnt. Auf Basis der Studienergebnisse haben die Wissenschaftler selbst pädagogisches Material entwickelt.