Interview zu Weihnachtsgeschenken

Lieber Geld als Geschenke?

"Die Kinder haben heute doch schon alles, und ich kenne ihren Geschmack nicht," so denken viele Paten und Großeltern. "Wenn ich Geld schenke, kann ich wenigstens nichts falsch machen!" Oder etwa doch?

"Jüngere Kinder bis ins Vorschulalter können mit einem Geldgeschenk wenig anfangen und freuen sich nicht wirklich darüber", erklärt Barbara Kettl-Römer, dreifache Mutter und Autorin des Ratgebers "So erziehen Sie Ihre Kinder im Umgang mit Geld". "Selbst wenn sie wissen, dass man mit Geld Dinge kaufen kann, wollen sie an Weihnachten keine Karte mit einem Geldschein auspacken, sondern lieber ein "richtiges" Geschenk, mit dem sie sofort spielen können." Pubertierende 12- oder 15-Jährige haben dagegen eine pragmatischere Einstellung: Sie wünschen sich oft schon teurere Dinge und sind froh, wenn mehrere Verwandte Geldbeträge spendieren, die sie für das neue Smartphone oder Laptop verwenden können. Der Klamotten- oder Musikgeschmack ist gerade in diesem Alter so speziell, dass Erwachsene da fast nur schief liegen können. "Wenn Teenager sich ausdrücklich Geld wünschen, sollten Sie das akzeptieren", rät Kettl-Römer, "und wenn Sie das Kind und seine Wünsche nicht sehr gut kennen, liegen Sie mit einem Schein auch oft besser."

Barbara Kettl-Römer, Mutter von drei Kindern und Autorin des Ratgebers "So erziehen Sie Ihre Kinder im Umgang mit Geld", beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem Thema:

Berliner Morgenpost: Bekommen Kinder heute oft Geld geschenkt?

Barbara Kettl-Römer: Ja, das ist durchaus üblich. Die KidsVerbraucherAnalyse 2011 hat beispielsweise ergeben, dass die 6- bis 13-Jährigen zu Ostern, Geburtstag und Weihnachten Geldgeschenke bekommen, die sich auf durchschnittlich 197 Euro im Jahr addieren. Selbst bei Vorschulkindern kommen noch 190 Euro zusammen.

Berliner Morgenpost: Aber ob ein Kind Geld oder Sachgeschenke im selben Wert bekommt, macht doch keinen Unterschied, oder?

Barbara Kettl-Römer: Rechtlich nicht. Das Kind wird Eigentümer des Geldes, so wie es Eigentümer des Sachgeschenks wird. Aber praktisch macht es einen Unterschied, ob ein Kind die Playmobil-Ritterburg oder einen Kaufmannsladen bekommt, oder ob unter dem Christbaum ein Umschlag mit einem 100-Euro-Schein liegt.

Berliner Morgenpost: Aber was sollen Eltern denn tun, wenn ihr Kind unabgesprochen von der Verwandtschaft Geld geschenkt bekommt?

Barbara Kettl-Römer: Wenn es sich um zehn oder 20 Euro handelt und das Kind schon im Grundschulalter ist, kann es das Geld ruhig nach Lust und Laune ausgeben, wobei etwas Beratung durch die Eltern dabei sicher nicht schadet. Handelt es sich aber um einen größeren Betrag oder ist das Kind noch jünger, würde ich einschreiten: Dann muss das Geld zumindest teilweise auf das Sparkonto eingezahlt werden. Sie sollten dann auch mit dem Schenkenden sprechen und erklären, warum Sie das Geldgeschenk kritisch sehen und gemeinsam überlegen, wie das zukünftig anders gehandhabt werden könnte. Man kann ja beispielsweise auch den Eltern das Geld geben, damit die es für die Anschaffung eines größeren Weihnachtswunsches verwenden.

Berliner Morgenpost: Jetzt hören wir schon den Aufschrei der Teenager, die um ihre Weihnachtszuwendungen fürchten ...

Barbara Kettl-Römer: Ja, bei 14- oder 16-Jährigen ist das natürlich anders. Die wünschen sich oft Geld, um damit teurere Anschaffungen zu finanzieren oder um zu verhindern, dass sie etwas gut Gemeintes bekommen, das sie einfach nur ätzend oder peinlich finden. Das ist prinzipiell schon in Ordnung. Hier sind 50 oder 100 Euro sicher unproblematisch.

Berliner Morgenpost: Und wenn es mehr ist?

Auch hier sollte die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben und auf eine Zweckbindung geachtet werden: Wenn die Oma zu Weihnachten 1.000 Euro für den Führerschein spendiert, ist das toll - dann sollte das Geld aber auch nur für diesen Zweck verwendet werden und nicht etwa für die nächste Party oder Spaßreise mit den Freunden. Zahlt die Oma den Führerschein ganz und das erste Auto noch dazu, sehe ich das aber kritisch: Gerade Jugendliche müssen lernen, dass Geld erst mit eigener Arbeit verdient werden muss, bevor man es ausgeben kann.