Geschenke

Kreatives aus Kinderhand

Porzellan, Kerzen oder Schokolade: Wo schon die Kleinsten Geschenke selbst gestalten können

Foto: JOERG KRAUTHOEFER

Besinnlich ist etwas anderes. Wer in diesen Tagen das Geschäft "Paint your Style" in der Bleibtreustraße betritt, erlebt fröhliche Geschäftigkeit. An den rot und gelb gestrichenen Wänden stehen Regale voll mit weißen Keramik-Rohlingen. Dazwischen die dicht besetzten Arbeitsplätze für all jene, die Teller, Becher, Dosen, Serviettenringe und alles, was es sonst noch aus Porzellan gibt, kunstvoll bepinseln wollen. Heike Gerstung aus Hennigsdorf ist mit ihrer zweijährigen Tochter Sina gekommen, um für einen Freund der Familie ein besonderes Geschenk zu entwerfen. Hingebungsvoll tunkt die Kleine ihren Pinsel in die Farben und bemalt unermüdlich den Boden der Schale, die verkehrt herum auf dem Tisch liegt. Die Mutter nimmt es sportlich: "Man muss entspannt sein und einfach freien Lauf lassen. Zur Not drehen wir die Schale um und stellen eine Kerze drauf."

Sina ist nicht zum ersten Mal in dem Atelier zu Besuch. Ihre Hand- und Fußabdrücke wurden bereits verewigt, als sie noch ganz klein war. Ein absoluter Klassiker, wie Inhaber David Myers-Tettey weiß. Seit 1997 betreibt er sein Geschäft in Charlottenburg, 2006 folgte die zweite Filiale in Kreuzberg. Auf die Idee kam er im Rahmen einer USA-Reise, wo er selbst in einem ähnlichen Atelier Mitbringsel fertigte. Heute kommt er nur noch selten dazu, selbst etwas zu bemalen. Dafür ist er zu beschäftigt damit, seine Kunden in beiden Filialen zu betreuen. "In der Weihnachtszeit kommen traditionell viele Familien zu uns, so soll es ja auch sein."

Angebote für Dreijährige

Auch bei "Feuer und Flamme" in Prenzlauer Berg herrscht zur Adventszeit Hochbetrieb. Michael Friedl und seine Frau haben im November und Dezember nicht einen freien Tag. In dem kleinen Geschäft, in dem es so gemütlich nach Wachs duftet, werden ohne Unterlass Kerzen gezogen. Oft sind Gruppen zu Gast: Pro Tag sind zurzeit etwa 60 bis 70 Hobby-Kerzenmacher am Werk. In diesen Tagen sind es vor allem kleine Hände, die über Ziehbretter gespannte Dochte vorsichtig in eines der großen blauen Fässer tauchen. Die Farbe, die das Kerzenzwillingspärchen haben soll, können sie sich vorher aus einem Dutzend Nuancen aussuchen. Sogar Dreijährige können dieses Handwerk beherrschen. "Wenn die Kleinen mit ihrer Kita-Gruppe da sind, klappt es meist besser als mit den Eltern, sie schauen sich dann alles bei den Großen ab", weiß Michael Friedl, der bei einem Dänemark-Urlaub auf die Kunst des Kerzenmachens aufmerksam geworden ist. Eintauchen, abtropfen lassen und warten. Und dasselbe noch einmal und noch einmal, bis die Wachslichter die gewünschte Dicke erreicht hat. Sind die Kerzen nach anderthalb bis zwei Stunden fertig, wird nach Gewicht abgerechnet: 100 Gramm kosten 1,40 Euro, ein Kerzenpaar zwischen 2,50 und 3 Euro. "Manche Kunden kommen regelmäßig jedes Jahr, um bei uns ihre Geschenke zu produzieren", erzählt der Kerzenmacher. Wer am Heiligen Abend Wachslichter verschenken möchte, der muss vorher unbedingt einen Termin vereinbaren.

Bei Tukadu am Kollwitzplatz kann man sein Glück auch spontan versuchen. Im Perlenladen gibt es vier bis fünf Plätze, an denen kleine Designerinnen ihr Lieblingsschmuckstück gestalten können. Nach einer halben Stunde wird ein Beitrag von zwei Euro fällig. Wer mehr über die Perlenschmuck-Technik lernen möchte, sollte sich für einen der regelmäßig stattfindenden Kurse anmelden. "Meistens kommen Mütter zusammen mit ihren Kindern in den Laden", erzählt Roberta Oehmigen, die am Hackeschen Markt noch ein weiteres Geschäft unterhält. "Mädchen ab vielleicht zehn Jahren basteln jedoch oft allein bei uns." Ohrringe seien momentan der größte Renner, Ketten und Armbänder würden aber auch fleißig aufgezogen. Selbstdisziplin ist wichtig in diesem Reich der abertausend bunten Perlen aus Glas, Holz, Keramik, Silber und vielen anderen Materialien. Die Preise für die einzelnen Elemente sind sehr unterschiedlich.

Erst seit gut einem Jahr gibt es die "Berliner Textilwerkstatt" in Karlshorst. Inhaberin Kerstin Berner hat nach einer Geschäftsidee gesucht, die es ihr erlaubt, Kind und Karriere unter einen Hut zu bekommen. In den hellen Arbeitsräumen können bei ihr schon Kinder ab acht Jahre lernen, wie man mit der Nähmaschine umgeht. "Bei mir gibt es auch keine stundenlangen Einführungen, sondern es geht gleich zu Sache", sagt die Unternehmerin. Drei Stunden sollten schon eingeplant werden (1 Stunde/8 Euro), damit am Ende schöne Kissen oder individuelle Beutel herauskommen. Vorgaben gibt es keine, die Kinder können ihre eigenen Ideen umsetzen. Techniken, die zu knifflig für kleine Hände sind, wie zum Beispiel das Einsetzen eines Reißverschlusses, lässt die Lehrerin einfach weg.

Eine gewisse Geschicklichkeit müssen diejenigen, die in der Siebdruckwerkstatt Neukölln Textilien bedrucken möchten, auf jeden Fall mitbringen. Die Werkstatt steht zwar prinzipiell jedem offen, allerdings sollte man "eine gewisse Ahnung vom Drucken haben", so Inhaber Thomas Schmid. Wer keinen Einführungskurs besucht hat, kann sich Hilfe dazubuchen, für 20 Euro pro Stunde. Dazu kommen noch einmal 21 Euro für das Sieb sowie 15 Euro Werkstatt-Gebühren für einen Erwachsenen plus Kind. Deshalb sollte man das zu bedruckende Geschenk, Shirt, Stoffbeutel oder Bettwäsche, am besten selbst mitbringen. Und das "Kind" sollte besser schon jugendlich sein.

Schokolade mit eigener Note

Egal ob Kleinkind oder Jugendlicher, Schokolade selber machen steht auch hoch im Kurs. In Berlin finden sich einige Anbieter, wie zum Beispiel die "Süße Werkstatt Julia", allerdings sind die Seminare in der Weihnachtszeit schnell ausgebucht. Mit ganz viel Glück, können Mini-Chocolatiers noch einen Platz in der Schokowerkstatt von Ritter Sport in Mitte ergattern. "Eigentlich sind auch wir für zwei Monate ausgebucht, aber frei werdende Plätze werden täglich im Geschäft ausgehängt", sagt Schokowelt-Leiter André Behnisch. Wer "Charlie und die Schokoladenfabrik" spielen möchte, bekommt zunächst eine 20-minütige Einführung in die Welt der Kakaobohne. "Dann gibt es für jeden einen weißen Laborkittel und die Zutaten für die Lieblingsschokolade werden ausgewählt", so Behnisch.

Möglichkeiten gibt es also genug, wer aber noch etwas Selbstgemachtes herstellen möchte, der muss sich sputen. Bei David Myers-Tettey von "Paint your Style" ist am 23. Dezember um 15 Uhr definitiv Schluss. "Bis dahin muss das letzte Stück abgegeben werden, damit es über Nacht gebrannt werden kann." Abholen können Bastler ihr Produkt dann am Folgetag. Da leuchten manche Augen schon ein paar Stunden vor der Bescherung.