Therapie

ADHS-Kinder nicht nur medikamentös behandeln

Eine ausschließlich medikamentöse Behandlung von Kindern mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) reicht nach Ansicht von Experten nicht aus.

Notwendig seien außerdem begleitende Maßnahmen wie eine Verhaltens- oder Psychotherapie, erklärte Berthold Koletzko von der Stiftung Kindergesundheit. Betroffene und Eltern benötigten außerdem mehr Unterstützung ihrer Umwelt. In Schulen, Kindertagesstätten und anderen Bildungseinrichtungen müssten Rahmenbedingungen geschaffen, Lehrer und Betreuer sensibilisiert werden, sagte Koletzko. "Wir erhoffen uns ein Umdenken in der Öffentlichkeit und der Gesundheitspolitik."

Der Vorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Georg Ehrmann, sagte, betroffene Familien benötigten frühzeitige, flächendeckende und ausreichende Unterstützung, statt überall Ausgrenzung und übersteigerten Leistungsdruck zu erfahren. "Dazu bedarf es des politischen Willens auf Bundes- und Landesebene, damit Schulen, Jugendhilfe und Gesundheitsdienste besser zusammenarbeiten."

In Deutschland leiden nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2006 etwa 4,8 Prozent der Kinder zwischen drei und 17 Jahren an ADHS, umgangssprachlich auch Zappelphilipp-Syndrom genannt. Jungen sind deut-lich häufiger betroffen als Mädchen. Die Verhaltensstörung äußert sich unter anderem durch Hyperaktivität, Konzentrationsprobleme und Unaufmerksamkeit.