Lauschangriff

Unter Männern ...

Was passiert eigentlich in einer Männerrunde, über was unterhalten sich Mädels? Wir haben Männern und Frauen zwischen 29 und 37 an einem Abend in Prenzlauer Berg zugehört

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Männerabend in Prenzlauer Berg. Jonas (32) arbeitet in einem der führenden Verbände Deutschlands, Simon (30) in der Energiebranche, Paul (32) in der Umweltbranche, Anton (29) am Theater. Sie sitzen nur ein paar hundert Meter entfernt von den Frauen, die sie nicht kennen. Sie wissen nur: Die machen das gleiche Experiment. Der Küchentisch steht heute im Wohnzimmer, darauf: Bier, sonst nichts.

Anton: Ich glaube, dass Frauen bei solchen Gelegenheiten mehr über Sex reden als Männer.

Jonas: Glaube ich auch.

Anton: Und Frauen gehen auch mindestens genauso häufig fremd wie Männer. Hat mir heute jedenfalls eine Kollegin erzählt. Sie sagte, Frauen seien bloß besser darin, es zu vertuschen.

Paul: Sie prahlen halt nicht damit...Gehen die denn auch anders mit ihrem schlechten Gewissen um?

Anton: Das habe ich natürlich nicht gefragt, ich Ochse.

Simon: Dass Frauen mehr über Sex reden, glaube ich nicht. Okay, wir vier können auch über andere Dinge reden, aber wenn ich mit meinen Schulfreunden ein paar Tage verreise, geht es um nichts anderes. Es kommt einfach auf die Zusammenstellung der Typen an, aber insgesamt würde ich sagen: Für Männer ist das Thema wichtiger.

Paul: Frauen reden eher über ihr Beziehungs-Sexleben, das machen wir ja so gut wie gar nicht.

Jonas: Würde ich auch so sehen. Oder sie diskutieren Fragen wie: Könnte ich mich in meine Affäre verlieben? Das machen wir ja auch eher mit uns selbst aus.

Anton: Die Kollegin meinte übrigens, dass Frauen total detailliert über die Beschaffenheit von Geschlechtsteilen sprechen. Das machen wir doch eigentlich nur bei Brüsten.

Jonas: Wann kommen die Ärsche ins Spiel?

Anton: Bist du ein Arsch-Typ?

Man muss wissen: Männer teilen sich selbst in zwei Lager ein: Brust-Typen und Arsch-Typen.

Jonas: Absolut. Und ihr?

Paul: Brüste.

Simon: Brüste.

Anton: Auch Brüste.

Jonas: Brüste interessieren mich nicht.

Anton: Dir ist wichtiger, wie eine Frau von hinten aussieht?

Jonas: Ja, naja, das Gesicht ist natürlich auch wichtig, aber sonst ist mir vorne egal. Das Schlimmste ist eine Frau mit großen Brüsten und einem Jungenarsch. Das geht gar nicht.

Paul: Meine Freundin meinte übrigens, dass alle Frauen schauen, wie die Hose bei Männern ausgebeult ist. Wir sind also nicht die einzigen, die auf die Figur glotzen.

Anton: Krass, mir fällt gerade mal auf, dass wir alle vergeben sind. Rock'n'Roll war früher... Seit wann eigentlich, Männer?

Simon: Sechs Jahre.

Jonas: Auch sechs.

Paul: Bald zwei.

Anton: Ich seit 15 Monaten.

Simon: In letzter Zeit treffe ich fast gar keine Singles mehr.

Paul: Es wird ja aber auch nicht einfacher in unserem Alter, so Anfang, Mitte 30. Die Guten sind allmählich vom Markt. Die kommen dann traumatisiert in 15 Jahren wieder zurück...

Simon: Was liegt eigentlich am Wochenende an?

Jonas: Samstag will ich Fortuna (Düsseldorf, Anm. d. Red.) gucken und Altbier trinken. Seid ihr dabei?

Anton: Klingt gut für mich.

Simon: Ist deine Freundin nicht da?

Anton: Korrekt.

Paul: Ich bin nicht da, Mama wird 60.

Jonas: Was schenkste?

Paul: Wir legen alle zusammen, für irgend so eine Glaswand für ihre Wohnung, keine Ahnung.

Simon: Ich werd' wohl erst später dazu kommen, zum Bayern-Spiel.

Was folgt, ist ein etwa einstündiges Gespräch über Fußball, über Spielweisen und ausgebrannte Trainer, über Transfers und Gerüchte. Und ein weiteres Bier. Die Männer landen beim Tennis.

Anton: Hat einer von euch dieses Sensations-Halbfinale bei den US Open gesehen, Djokovic gegen Federer? Absoluter Wahnsinn.

Jonas (spielt Tennis): Leider nicht. Ich habe so 'ne scheiß DVB-T-Antenne und über die bekomme ich keinen einzigen Sportsender. Das ist doch echt ein Rückschritt in die Steinzeit. Was ich da schon dran rumgelötet hab' an dem Ding!

Anton: Allerdings, ich kenne niemanden, bei dem das funktioniert.

Simon: Bei mir funktioniert das super.

Anton: Ja, is' klar! Erinnerst du dich an den Klitschko-Kampf vor einem Jahr oder so? Den haben wir bei dir "gesehen". Jeden vierten Schlag konnte man erkennen, wenn überhaupt.

Simon: Ja, äh, stimmt.

Das dritte Bier läutet das nächste Thema ein.

Simon: Fahrt ihr eigentlich auf die Wiesn dies' Jahr?

Paul: Ich überlege noch, ob ich meinen Geburtstag dort feiern soll.

Anton: Ich nicht.

Simon: Kein Wunder, Anton. Weißt du noch, als wir da waren vor ein paar Jahren?

Anton: Ja, oh man, das war so derbe peinlich. Wir waren ziemlich besoffen und sind mit den Maßkrügen vom Wiesngelände runtergegangen. Uns hat ein Polizist angehalten und meinte: Damit dürft ihr nicht auf die Straße. Wir so: Okay, dann gehen wir zurück, tut uns leid. Und er eiskalt: Nichts da, Bier wegkippen. Ich habe mir dann seinen Namen geben lassen, 110 angerufen und mich über ihn beschwert.

Paul: Hahaha, sehr gut. Sag mal, wann zieht Nina eigentlich ganz her?

Die Männer stehen auf dem Balkon. Anton wohnt seit drei Wochen in einer neuen Wohnung, eigentlich mit seiner Freundin Nina. Die lebt aber noch in Bayern.

Anton: Es ist absehbar, wahrscheinlich Mitte Dezember, aber das nervt natürlich schon. Da hat man endlich eine gemeinsame Wohnung und ist trotzdem im Alltag ständig allein. Außerdem ist es natürlich auch mit der Miete doof. Sie kann ja nicht die Hälfte übernehmen, weil sie in Augsburg immer noch ihr WG-Zimmer zahlen muss.

Simon: Wie bitter das wäre, wenn ihr euch jetzt trennen würdet.

Anton: Das wird nicht passieren. So sicher war ich mir noch nie und wenn mein Gefühl mich nicht völlig im Stich lässt, geht es ihr ähnlich.

Jonas: Dann kommen hier aber auch noch ein paar Bilder hin, oder?

Anton: Ja, klar.

Simon: So lange kannst du ja noch einen Tittenkalender aufhängen...

Anton: Witzbold. Wir überlegen gerade, ob wir noch einen Esstisch kaufen oder lieber den Raum etwas luftiger lassen. Außerdem bekomme ich noch zwei Sofas von meiner Mutter, will das alte hier aber eigentlich gar nicht loswerden.

Simon: Du kannst ja das hier in das kleine Zimmer stellen, so lange ihr noch keine Kinder habt. Aber so lange wollt ihr ja auch nicht mehr warten, oder?

Anton: Das stimmt, wir wollen schon in absehbarer Zeit loslegen. Willst du überhaupt Kinder?

Simon: Wenn ich nicht wollte, würde ich Ärger kriegen.

Anton: Das beantwortet nicht die Frage.

Simon: Nein, natürlich will ich auch. Aber noch nicht jetzt. Ich bin 30, das muss ja nicht sofort sein. Wenn es einer von uns nicht wollte, würde der andere die Beziehung in Frage stellen.

Jonas: Man kann sich ja auch darauf einigen, dass man das Thema in fünf Jahren wieder hervorholt.

Anton: Bei Frauen darf man nicht vergessen, dass die Uhr irgendwann tickt. Wir können auch mit 50 noch Vater werden, sie aber nicht mehr Mutter.

Jonas: Gianna Nannini!

Alle lachen.

Jonas: Im Ernst, klar kann man nicht ewig warten. Ich will schon Kinder und merke auch, dass mich das viel mehr interessiert als noch vor zwei Jahren. Die sind schon ganz lustig.

Anton: Ich weiß das ja schon sehr lange, dass ich relativ früh Vater werden möchte.

Simon: Aber ist das nicht auch ein bisschen blöd? Ich meine, ihr zieht jetzt gerade mal zusammen. Man könnte ja auch sagen: Wir genießen jetzt erst mal das Zusammenleben ohne Kinder.

Anton: Das ist vielleicht etwas verrückt, aber wir haben nach zwei Monaten schon gesagt, dass wir zusammen Kinder haben wollen. Natürlich kann man nach so kurzer Zeit nicht wissen, dass es für die Ewigkeit ist, das weiß man nie. Aber jetzt nach 15 Monaten sehen wir beide es noch genauso. Wir haben uns noch nie gestritten, es läuft alles toll.

Jonas: Aber Streiten muss man schon auch können.

Anton: Ich glaube da ja nicht dran, dass zu einer guten Beziehung auch ein "guter" Streit gehört. Was soll das überhaupt sein? Das widerspricht sich doch.

Paul: Es hängt ja auch davon ab, was man unter Streit versteht.

Anton: Klar, Meinungsverschiedenheiten haben wir auch. Aber da ist keine Patzigkeit, keine Schreierei. Wir sind immer mit allem sehr offen. Ich habe einfach das Gefühl, dass sie die richtige Frau ist. Und ich möchte auch jetzt schon Kinder, weil ich selbst Kind relativ alter Eltern bin. Meine Mutter war fast 41, als sie mich bekam. Sie war toll, aber verstanden hat sie meine Generation, mich, nie so richtig.

Simon: Das kann ich schon nachvollziehen. Für mich ist das aber noch überhaupt kein Thema.

Jonas: Den Zeitpunkt kann man ja selbst steuern, Pille oder Kondome weglassen...

Anton: So einfach ist das nicht.

Jonas: Ich dachte, das geht so.

Anton: Man hört ja nicht umsonst von Paaren, die es seit Jahren probieren. Und das, obwohl beide gesund sind. Die wollen das dann so sehr, dass sie verkrampfen. Das hat oft auch psychische Ursachen.

Jonas: Wahrscheinlich erhöht sich aber doch die Chance, schwanger zu werden, wenn man ganz lange vor den fruchtbaren Tagen keinen Sex hatte, oder? Dann kommen die Spermien doch viel schneller herausgeschossen.

Anton: Keine Ahnung, glaub' ich aber nicht. Wie sieht's aus Jungs, noch ein Bierchen?

Paul: Eins geht schon noch.

Jonas: Ist ganz lustig mal so ohne Fernseher, oder?

Bier, Chipstüten rascheln, FDP-Witze. Der Abend klingt aus.

Die Guten kommen traumatisiert in 15 Jahren wieder zurück...

Paul, seit zwei Jahren in einer Beziehung