Interview

Wie Kinder seriös vermittelt werden

Ein Berliner Verein unterstützt Adoptionen aus dem Ausland

Seit 1987 vermittelt der Berliner Verein Eltern für Kinder e.V. Adoptionen aus dem Ausland. Als staatlich anerkannte Vermittlungsstelle stellt der Verein, ein Ableger von Terre des hommes, das Kindeswohl an erste Stelle. Doch kann ein Fall wie der von Anisha wirklich verhindert werden? Antje Hildebrandt sprach mit dem Vorsitzenden Erik Baus.

Berliner Morgenpost: Herr Baus, Anisha Mörtel schreibt in ihrem Buch "Lotustochter", sie sei als Baby von ihrer Mutter in Indien gestohlen und zur Adoption an ein deutsches Ehepaar freigegeben worden. Eine glaubwürdige Geschichte?

Erik Baus: Ja, absolut. Terre des hommes hat ähnliche Fälle in Indien aufgedeckt.

Berliner Morgenpost: Woran erkennen potenzielle Adoptionseltern, ob sie den Vermittlern trauen können?

Erik Baus: Man sollte sich eines Vereins in Deutschland bedienen, der die Zulassung zur Vermittlung hat. Solche Vereine stehen unter staatlicher Kontrolle. Wenn man sich die Internetauftritte der Anbieter ansieht und sich mit den Leuten unterhält, kriegt man ein Gespür dafür, wer sich am Kindeswohl orientiert. Bei solchen Vereinen kann man davon ausgehen, dass sie vorab geprüft haben, ob es sich tatsächlich um verlassene Kinder handelt.

Berliner Morgenpost: Ihr Verein hat seit 1987 insgesamt 780 internationale Adoptionen vermittelt. Woher bekommen Sie die Kinder?

Erik Baus: Die beiden stärksten Länder sind Thailand und Brasilien. Aus Brasilien haben wir bis 2007 220 Kinder adoptiert, dann sind wir ausgestiegen.

Berliner Morgenpost: Warum?

Erik Baus: Brasilien hat sich vom Entwicklungs- zum Schwellenland gewandelt. Inzwischen gibt es dort auch sehr viele ungewollt kinderlose Paare, die bereit sind, ein Kind zu adoptieren. Unsere Arbeit war dort nicht mehr notwendig. Eine Auslandsadoption kann schließlich nur die ultima ratio sein.

Berliner Morgenpost: Heißt das, Ihr Verein unterstützt Not leidende Kinder auch in ihrem Heimatland?

Erik Baus: Ja, die Zahl geht in die Tausende. In Brasilien unterstützen wir Eltern, damit sie ihre Kinder behalten können. Es gibt dort keine Krankenversicherung, viele können die Kosten für die Behandlung ihrer Kinder nicht stemmen. Unser Partnerverein in Thailand schickt Krankenschwestern in die Familien, wenn es nach der Geburt Probleme gibt.

Berliner Morgenpost: Wie kann Ihr Verein garantieren, dass kein Kind vermittelt wird, das seinen leiblichen Eltern gestohlen wurde?

Erik Baus: Indem wir unsere Partner in den Herkunftsländern kontrollieren und auf nachprüfbare Informationen bestehen. In Indien und Russland haben wir unsere Vermittlungstätigkeit eingestellt, weil wir Zweifel an der Zuverlässigkeit der Partner bekamen.

Berliner Morgenpost: Um dem Kinderhandel vorzubeugen, wurde 1993 das Haager Adoptionsübereinkommen geschlossen. Inzwischen sind 81 Staaten beigetreten. Wie effektiv ist dieses Gesetz?

Erik Baus: Die Haager Konvention macht einige Einschränkungen, die zwar nicht den internationalen Kinderhandel, aber doch sein Ausufern verhindern. Sie besagt zum Beispiel, dass an einer Adoption niemand übermäßig verdienen darf.