Interview mit Anne-Kristin Barth

Wer vor der Geburt gesund isst, hat es auch danach leichter

Jede Mutter kennt die Pölsterchen nach der Schwangerschaft. Was man dagegen tun kann, erklärt Anne-Kristin Barth, Ökotrophologin und Ernährungsberaterin am "Richtig Essen Institut" in Berlin.

Berliner Morgenpost: Nach der Geburt schnell schön schlank: Wie geht das?

Anne-Kristin Barth: Die Extra-Kilos verschwinden meist von ganz allein. Eine werdende Mutter nimmt im Schnitt zwölf Kilo zu. 3400 Gramm davon gehen aufs Kind, 600 Gramm auf die Plazenta, 1000 Gramm auf das Fruchtwasser, weitere 1000 auf die Gebärmutter und 500 Gramm auf die Brust. Außerdem fließen eineinhalb Liter mehr Blut durch den Körper. Das alles bildet sich von allein zurück. Auch das eingelagerte Wasser - etwas mehr als 2000 Gramm - geht ab. Bleibt ein Fettanteil von 1750 Gramm. Stillt die Mutter voll und ist aktiv, braucht sie täglich 635 Kilokalorien extra. Theoretisch müssen also gerade mal 28 Tage vergehen, bis das Fett aus der Schwangerschaft abgebaut ist.

Berliner Morgenpost: Aber die Praxis sieht oft anders aus...

Anne-Kristin Barth: Das sind ja nur Durchschnittswerte. Die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft liegt zwischen 7 und 20 Kilo. Und wer schon zuvor zu viel auf den Rippen hatte, darf nicht auf ein Wunder hoffen. Wovor ich aber dringend abrate, ist eine Diät in der Stillzeit, gerade bei übergewichtigen Frauen. Im Fett sind Schadstoffe eingelagert, die sich bei einer Diät lösen. Das ist ungesund fürs Kind.

Berliner Morgenpost: Was kann man also tun, um gegen die Fettreserven vorzugehen?

Anne-Kristin Barth: Man kann vorbeugen. Dass werdende Mütter für zwei essen müssen, ist völlig überholt. Sie haben ab dem 4. Schwangerschaftsmonat einen erhöhten Energiebedarf von lediglich 255 Kalorien pro Tag, aber einen erhöhten Bedarf an Nährstoffen wie Vitaminen. Ich empfehle viel Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornbrot. Auch nach der Geburt sollten sich die Frauen gesund und vielseitig ernähren - und, wenn sie stillen, viel trinken: zweieinhalb Liter pro Tag.

Berliner Morgenpost: Das klingt einfach.

Ja. Aber wer sein Körpergewicht reduzieren und dann halten will, muss zudem für Bewegung sorgen. Ein Mehr an Muskelmasse erhöht den Grundumsatz und verbraucht mehr Kalorien. Es kann auch sinnvoll sein, sich Hilfe zu holen. Bei uns am Institut zum Beispiel können werdende Mütter ein Gewichts-Coaching buchen. Diese Ernährungsberatung lässt sich nach der Schwangerschaft auch zur Gewichtsabnahme nutzen.