Hochzeit mit Schnapszahl

Warum sich Paare am 11.11.11 das Jawort geben

Sechsmal die eins auf der Trauurkunde: Viele Berliner Paare heiraten am heutigen 11. November. Die Gründe sind vielfältig: Von purer Romantik bis zur einfachen Erinnerung. Auf die Scheidungsrate hat das Datum allerdings keinen Einfluss.

Foto: Amin Akhtar

Es knisterte in der Garderobe. Nachts im Club „Havanna“ in Schöneberg. Als sie gerade gehen wollten, begegneten sich ihre Blicke. Auf den Tag genau sechs Jahre ist es her, dass sich Patrick (28) und Stanka Kalicinski (28) zum ersten Mal sahen – am 11.11.2005. Ein magisches Datum, das noch magischer wird, wenn man an diesem Tag auch heiratet. Genau das machen die beiden. In der Sankt-Ludwigs-Kirche in Wilmersdorf geben sie sich an diesem Freitag das Jawort.

Zusammen mit Familie und Freunden feiert das Berliner Paar anschließend im „Grand Hotel Esplanade“ ein rauschendes Fest. Stanka ist Chirurgin, Patrick Ingenieur. Bis vor einem Monat haben sie in einer Wohnung in der Lietzenburger Straße gewohnt. Jetzt sind sie aus beruflichen Gründen in die Nähe von Hamburg gezogen. „Aber wir sind trotzdem Berliner, und es stand außer Frage, dass wir in Berlin feiern“, sagt Stanka Kalicinski. Hauptgrund für ihre Heirat am 11.11.11 sei das Kennenlerndatum. „Aber es ist auch ein einmaliges Datum. Es klingt gut, schreibt sich gut und liest sich gut. Und man kann es sich gut merken“, sagt der Bräutigam augenzwinkernd. „Und romantisch ist es ja auch“, ergänzt die Braut lächelnd. Und die Elf sei außerdem ihre Glückszahl.

Kein Garant für Haltbarkeit

Es gibt ganz unterschiedliche Gründe für Paare, an einem Schnapszahltag zu heiraten, meint Anke Birnbaum (36), Paarforscherin von der Leuphana Universität Lüneburg. „Die einen finden es einfach witzig, die anderen ganz pragmatisch, weil sie sich das Datum gut merken können“, erklärt sie. „Aber für viele ist es einfach auch ein Glück bringender oder romantischer Anlass, der auf diese Weise das Besondere in ihrer Beziehung unterstreichen soll.“ Vielleicht sind bei der Feier elf Tische gedeckt, elf Spiele werden gespielt oder elf Blumenmädchen streuen auf dem Weg aus der Kirche.

„Es gibt Paare, für die ist genau dieser spielerische Aspekt der Grund, ihre Hochzeit auf den 11.11.11 zu legen.“ Sie habe von einigen Experten gelesen, die behaupteten, die Scheidungsrate sei bei Paaren, die auf solche Daten Wert legten, besonders hoch. „Aber das ist nicht wahr. Das statistische Bundesamt erhebt noch nicht einmal, wie viele Paare an welchem Tag heiraten.“ Die Beweggründe für eine Ehe seien entscheidend. „Und wenn die romantisch sind, dann sind die Chancen, dass alles gut geht, auch wirklich hoch.“

Richard Wagner zur Hochzeit

Erst vor zwei Tagen hat Stanka Kalicinski ihr cremefarbenes Brautkleid bei Balayi Brautmoden in Charlottenburg in Empfang genommen. Patricks Anzug hat sie mit ausgesucht. Ihr Kleid durfte ihr Mann allerdings noch nicht sehen. „Ich glaube nicht, dass es Unglück brächte“, sagt Stanka Kalicinski. „Aber es ist einfach eine wunderschöne Überraschung, wenn er vorne am Altar steht und mich das erste Mal in dem Kleid sieht.“ Der Brautchormusik aus Richard Wagners Oper „Lohengrin“ wird vor der Zeremonie gespielt. Ihre Schwester Michaela (23) ist die Brautjungfer, Patricks bester Freund Tobias (28) sein Trauzeuge. 47 Gäste sind eingeladen. Nach der Trauung fährt das Paar mit einer weißen Stretch-Limousine von der Kirche zum Hotel. „Ich werde meine Frau über die Schwelle in den Festsaal des Hotels tragen“, sagt der Bräutigam.

Es ist ein großer Tag, den Patrick und Stanka Kalicinski lange vorbereitet und sehnsüchtig erwartet haben. Im Dezember 2010 haben sie sich im Standesamt Charlottenburg das Jawort gegeben. Ohne große Feier und im kleinen Kreis. Damals war schon Sohn David unterwegs. Im Januar 2011 kam er zur Welt. Zum Blumenstreuen reichen seine Fähigkeiten deshalb noch nicht. Aber selbstverständlich ist er mit dabei und wird beobachten, wie seine Eltern sich die Ringe anstecken.

Wie einst Harald Junke

Die Schnapszahl hat auch Jörg Berner und seine zukünftige Frau magisch angezogen. Sie heiraten nicht nur am 11.11.11 im Standesamt in Schmargendorf. Sie übernachten auch an einem besonderen Ort. Der 44-Jährige aus Osnabrück hatte von einem Freund gehört, es gebe im Berliner Hotel „Concorde“ ein Zimmer „1111“.

Und tatsächlich gab es das. Also buchte er für sich und seine Verlobte, Anja Strätgen (39), in der elften Etage die Suite Nummer elf. Stolz ist das Paar auch, dass sie sich in demselben Standesamt wie Harald Juhnke und seine Frau 1971 das Jawort geben.

Suite Nummer elf im elften Stock

Aber die Berners sind nicht nur zum Heiraten in Berlin, sie wollen hier auch ein Flitterwochenende verbringen. „Es soll eine kleine Flucht aus dem Alltag sein.“ Außerdem haben sie sich ein Auto gemietet – mit sieben Sitzen. Denn die Patchworkfamilie hat fünf Kinder, 5, 8, 11, 14, und 16 Jahre alt, die natürlich alle bei der Hochzeit dabei sind. Aber nach dem festlichen Essen im Hotel „Concorde“ fahren die Kinder nach Osnabrück zurück und lassen ihre Eltern alleine weiterfeiern.

Dass bei ihrer Hochzeit die ganze Familie dabei ist, ist auch den Kalicinskis wichtig. „Sonst kommen alle meistens nur auf Beerdigungen zusammen“, sagt Patrick Kalicinski. „Jetzt ist es ein freudiger Anlass. Das bedeutet uns sehr viel.“ Eine Hochzeitsreise gibt es erst einmal noch nicht. „Aber das werden wir nachholen“, sagt Stanka Kalicinski, am liebsten wollen sie in die USA fliegen. Und vielleicht wird das Reisedatum dann eine Schnapszahl.