Interview

"Kinder lassen sich leicht motivieren"

Ursula Müller vom Freilandlabor im Britzer Garten rät zu Gelassenheit beim Spaziergang

Berliner Morgenpost: Womit kann man den Nachwuchs am besten zum Spaziergang locken?

Ursula Müller: Ein Spaziergang wird immer dann spannend, wenn man gemeinsam Erlebnisse hat. Wenn man miteinander Sachen sammeln geht, die man später in der Küche verarbeiten kann. Oder aus denen zuhause kleine Bastelarbeiten werden. Auf diese Weise lassen sich Kinder sehr leicht zum Spazierengehen motivieren. Das Suchen und Schauen, mal ein kleines Tier angucken, das sind die Sachen, die wichtig sind. Damit kann man die Aufmerksamkeit der Kinder binden. Und am Ende staunt die ganze Familie, wie schnell zwei Stunden vergangen sind.

Berliner Morgenpost: Dürfen Eltern ihre Kinder zu ihrem Glück zwingen?

Ursula Müller: Es gibt natürlich Altersstufen, da geht man nicht mehr so gerne mit den Eltern. Aber wenn die Kinder richtig angezogen sind und wenn man ihnen erlaubt, sich auch mal ins Laub zu schmeißen oder einen Hügel runter zu kullern, dann macht das eigentlich allen Spaß. Und im Wald findet man auch immer einen Kienapfel, um Fußball zu spielen. Oder man nimmt einen Ball mit. Oder geht mal bei Regen raus...

Berliner Morgenpost: Die Kinder bleiben alle drei Meter stehen, Eltern wollen gerne längere Strecken laufen...

Ursula Müller: Wenn man mit Kindern unterwegs ist, ist das nicht wie Joggen oder Nordic Walking. Man sollte sich Zeit nehmen. Ob es dann 500 oder 5000 Meter waren, die man zurückgelegt hat, ist egal.

Berliner Morgenpost: Die Kinder fragen viel, während man durch den Wald läuft - sollten die Eltern dann gleich ein Biologiereferat halten?

Ursula Müller: Es macht nichts, wenn die Eltern nicht auf alle Fragen eine Antwort wissen. Dann packt man es eben ein. Und zuhause guckt man gemeinsam, was für ein Baum oder eine Pflanze oder ein Tier das ist. Oder Sie kommen mit den Kindern in ein Umweltzentrum wie das Freilandlabor und lassen sich dort bei der Bestimmung helfen.