Mädchentag

"Wir sind genauso gut wie Jungen"

Welche Chancen haben Mädchen heute? Trauen sie sich, für ihre Bedürfnisse einzustehen und ihre Rechte einzufordern? Und wie steht es mit der Gleichberechtigung? Zum heutigen Internationalen Mädchentag, den das Kinderhilfswerk Plan Deutschland 2008 ins Leben gerufen hat, haben wir bei Mädchen aus unserer Stadt nachgefragt.

Isabel, 16, aus Steglitz:

In der Schule kommt es mir manchmal so vor, als würden Jungen bevorzugt. Bei uns gibt es Mädchenfußball. Trotzdem wird er immer noch von vielen Mitschülern und Lehrern als Jungensport abgestempelt. Und im Sportunterricht dürfen die Jungen machen, was sie wollen. Sie spielen also Fußball, während wir Mädchen alles machen müssen, was im Lehrplan steht. Außerdem fällt mir immer wieder auf, dass Frauen beim Autofahren vorverurteilt werden. In vielen Bereichen werden Männer als Arbeitskräfte bevorzugt, weil Frauen manchmal wegen Schwangerschaft oder aus familiären Gründen eingeschränkter arbeiten können als Männer. Meine Mutter hat mir erzählt, dass sie einmal im Job ein Drittel weniger Gehalt und einen schlechteren Firmenwagen bekam als die Männer, die die gleiche Arbeit machten wie sie. Das ist so ungerecht.

Ella, 10, aus Charlottenburg:

In der Klasse sind Jungen und Mädchen eigentlich gleichberechtigt. Nur beim Sport tun alle manchmal so, als wären Mädchen schwächer als Jungen, dabei stimmt das ja gar nicht. Wir haben vielleicht weniger Muskeln als sie, aber bei den Frauenliegestützen, die ja diesem Unterschied angepasst wurden, sind wir genauso gut wie Jungen. Manchmal sehe ich, wie starke Männer sich als Helden aufspielen und sagen: "Das ist nichts für Frauen, das ist Männersache." Ich finde das so unfair. Zum Glück gibt es niemanden in meiner Familie, der so denkt. Was die Gleichberechtigung betrifft: Es kommt vor, dass auch die Jungen nicht fair behandelt werden. In unserer Klasse stellen sie öfter was an als Mädchen, darum gibt die Lehrerin häufig ihnen die Schuld, auch wenn sie es dann gar nicht waren.

Anna, 15, aus Köpenick:

Eigentlich fühle ich mich fast immer gleichberechtigt mit Jungen und Männern in meinem Alltag. Selbst wenn wir unsere Klassensprecher wählen, sind es auch immer zwei unterschiedlichen Geschlechts. Aber eine Sache fand ich einmal wirklich klischeehaft: Als wir bei einer Klassenfahrt in einer Jugendherberge ankamen, sollten die Jungen auch die Koffer der Mädchen tragen. Das können wir ja eigentlich selber. Und manche Männer urteilen unterschiedlich über Männer und Frauen. Der Mathelehrer meiner Schwester macht oft frauenfeindliche Witze. Das geht gar nicht. Und für meinen Onkel sind Jungen mehr wert als Mädchen. So ist er erzogen worden. Das finde ich total falsch.

Helena, 5, zu Besuch in Mitte:

Die Jungen im Kindergarten wollen immer die Bestimmer sein. Und sie sagen manchmal: "Das ist nur was für Jungs." Ich finde das doof, denn wir Mädchen können genauso viel wie die Jungs. Im Turnunterricht machen wir deshalb manchmal absichtlich was verkehrt herum: Die Jungs machen Rollen und Purzelbäume und die Mädchen spielen Fußball.

Johanna, 19, aus Friedrichshain:

Manchmal wird es schief beäugt, wenn Frauen muskulöser sind als Männer. Das ist engstirnig. Und wenn Frauen bei gleicher Arbeit weniger Geld bekommen als Männer ist das genauso ungerecht, wie ihnen nicht zuzutrauen, klassische Männerberufe zu ergreifen. In der Berufsschule haben wir ein Mädchen mit südländischem Migrationshintergrund in der Klasse. Sie hat erzählt, dass es Männer in ihrer Familie gibt, die erwarten, dass Frauen zu Hause und hinter dem Herd bleiben.

Josephine, 3, aus Schöneberg:

Jungs sind nicht besser dran als Mädchen. Eher umgekehrt. Sie müssen Jungsnamen haben und die sind nicht so schön wie Mädchennamen. Außerdem haben sie nicht so viele rosa Sachen und tragen nur Hosen, keine Kleider. Mädchen können alles anziehen. Das ist viel besser. Mein Freund findet das auch doof, der leiht sich manchmal heimlich eine Haarspange. Claire, 19, aus Steglitz:

Mir ist bei den Wahlen gerade wieder aufgefallen, wie viele männliche Vorsitzende es in den Parteien gibt. Das kann kein Zufall sein, ich finde das nicht gerecht. Gerade habe ich meinen Führerschein gemacht und festgestellt, dass Männer uns Frauen im Straßenverkehr weniger Kompetenz zutrauen. In meinem persönlichen Umfeld fühle ich mich eigentlich sehr gleichberechtigt. Ich habe einen Zwillingsbruder. Wir dürfen immer gleich viel, zum Beispiel abends gleich lange ausbleiben.

Der diesjährige Report vom Kinderhilfswerk Plan zur Situation der Mädchen in der Welt beschäftigt sich auch mit mangelnden Chancen von Jungen. Er ist online abrufbar unter plan-deutschland.de , Rubrik "Fokus Mädchen".