Als Austauschschülerin in Neuseeland

Gesundes Essen und ein großer Ball

Ich bin jetzt seit etwa zwei Monaten in Neuseeland und mir geht's super! Letzte Woche war ziemlich aufregend, ich hab nämlich die Gastfamilie gewechselt. Meine erste Familie hatte einen Hund und gegen den habe ich allergisch reagiert. Jetzt wohne ich bei der Familie von Stephen, das ist einer aus meiner Stufe, mit dem ich mich gut verstehe.

Letztes Schuljahr hatten sie schon mal eine deutsche Gastschülerin. Bei meiner neuen Familie bekomme ich plötzlich richtiges Essen: frisches Gemüse, Salat und Reis. Mein Gastbruder vorher mochte nur Fish & Chips, also gab's das etwa fünf Mal die Woche. Ich dachte bisher, das sei hier normal...

Mein erster Schultag war gar nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Ich musste mich nur den Lehrern vorstellen, aber nicht vor die Klasse. Französisch hab ich mit meinem Buddy Sophie, mit der ich mich total gut verstehe. Der Unterricht ist ganz anders: Der Lehrer gibt eine Aufgabe und dann fangen alle an zu quatschen. Manche stehen einfach auf und laufen rum. Trotzdem wird der Unterricht ernst genommen. Ich finde es gut, dass ich in meinem Tempo arbeiten kann - wenn man nicht schnell genug ist, muss man es halt zuhause fertig machen. In Kunst & Fotografie soll ich zum Beispiel ein Portfolio anlegen. Und ich fange als AG jetzt mit Fechten an. Meine Schule hat eines der besten Teams von Neuseeland! Zwei mal drei Stunden Training pro Woche, das soll ziemlich hart sein... Mit dem Englisch komm ich echt gut zurecht. Außer wenn jemand nuschelt und mir Vokabeln fehlen, wie beispielsweise in Bio. Aber ich werd hier schon langsam zur Neuseeländerin.

Neulich gab's einen Ball für die Oberstufe an unserer Schule, den wir in der VIP Lounge des großen Stadions in Wellington gefeiert haben. Erst gab's ein Drei-Gänge-Menü und dann hat ein DJ bis Mitternacht aufgelegt. Dafür brauchte ich natürlich ein Ballkleid und das bekommt man hier im Kostümverleih. Wir haben uns richtig schick gemacht: Haare, geschminkt. Lustig ist, dass die Jungs sich hier mehr Gedanken um ihre Frisuren machen als die Mädels, manche glätten oder toupieren sich die Haare.

Heimweh hatte ich ganz kurz, als ich meinen Umzug zur neuen Gastfamilie klären musste. Hab mir gewünscht, dass meine Eltern da wären und sich um alles kümmern. Nachdem ich in Neuseeland angekommen war, hatten wir ja erst mal Schneechaos. Aber jetzt kommt der Frühling. In der Lunchtime kann ich schon mit kurzärmeliger Schulbluse in der Sonne sitzen. Nächste Woche sind Klausuren, teilweise drei Stunden lang. Aber dann fängt die Rugby WM an! Die Karten fürs Stadion sind leider teuer, aber ich freu mich aufs Public Viewing. Und ich hab eine sechstägige Tour über die Südinsel gebucht, für Ende November, wenn die großen Ferien losgehen. Da freue ich mich schon drauf: Mit Delphinen schwimmen und Fallschirmspringen!

In unregelmäßiger Folge schreibt hier Marlene Niemann (16) über ihre Zeit als Austauschschülerin in Neuseeland.