Das richtige Verhalten im Notfall

Erste Hilfe für die Jüngsten

Am Sonntag ist "Tag der Ersten Hilfe". Ein wichtiger Termin gerade für Eltern: Sind viele Verletzungen für Kinder doch verheerender als für Erwachsene. Rüdiger Arndt (63), Ausbildungsleiter für Erste-Hilfe-Kurse beim Malteser Hilfsdienst, nennt die wichtigsten Hilfestellungen.

Sein erster Rat bei einem Notfall lautet: Ruhe bewahren! Erkennen, was geschehen ist! Beurteilen, welche Gefahren drohen! Und dann umsichtig handeln.

Vergiftungen

Anzeichen sind: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, plötzliche Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel, ungewöhnliche Müdigkeit, Bewusstseinstrübung, Bewusstlosigkeit und Atemstörungen. Sofort den Rettungsdienst rufen oder den Giftnotruf wählen. Ist das Kind nicht ansprechbar, die lebensrettenden Funktionen überprüfen. Ist es ansprechbar, sollte man fragen, was es zu sich genommen hat. Handelt es sich um "Schaumbildner", also Spül- oder Waschmittel, das Kind nicht zum Erbrechen bringen. Der Schaum kann die Atemwege versperren. Der Notarzt verfügt über Medikamente, die die Oberflächenspannung des Schaumes verringern. Hat das Kind Säure oder Lauge verschluckt, ebenfalls nicht zum Erbrechen bringen, da es zu einer Verätzung in der Speiseröhre kommen kann. Dieses Gift sollte mit so viel Wasser wie möglich verdünnt werden - löffelweise, um Erbrechen zu vermeiden. Dem Kind keine Milch oder kohlensäurehaltigen Getränke geben. Bei einer Vergiftung mit Nahrungs- oder Genussmitteln oder Medikamenten das Kind erbrechen lassen. Das Erbrochene aufbewahren und dem Rettungsdienst mitgeben, damit es der behandelnde Arzt untersuchen kann.

Verbrennungen/Verbrühungen

Sie können nicht nur durch Feuer oder heißes Wasser, sondern auch durch eine zu heiße, nicht eingepackte Wärmflasche hervorgerufen werden. In jedem Fall den Notruf wählen. Bei sehr kleinen Kindern kann schon eine Verbrennung eines Armes, des Gesichts oder eines Oberschenkels zu einem Schock führen, bei dem nur noch die lebenswichtigen Organe durchblutet werden. Dann ist ihnen kalt, sie sind fahl und blass und schwitzen kalten, klebrigen Schweiß. Brennen die Kleidungsstücke, sollte vorsichtig mit einer Decke gelöscht werden, die nicht mehr vom Körper entfernt wird, um keine Hautfetzen abzuziehen. Bei Verbrühungen hingegen muss die Kleidung sofort entfernt werden. Die Wunde mit einem sterilen Verbandtuch bedecken. Das Kind mit erhöhten Beinen auf den Rücken legen, notfalls auf die Seite.

Verschlucken von Fremdkörpern

Wenn ein Fremdkörper so groß ist, dass er die Luft- oder Speiseröhre blockiert, kann es zu Erstickungsanfällen kommen. Wenn die Haut blau anläuft, es Hustenanfälle, ein pfeifendes Atemgeräusch, Atemnot oder Schluckbeschwerden sowie Schmerzen in der Brust gibt, Panik vermeiden, das Kind beruhigen und ihm nichts zu essen oder zu trinken geben. Die hilfeleistende Person sollte sich hinsetzen und das Kind vor sich halten. Den Oberkörper des Kindes vornüber beugen. Dreimal sanft zwischen die Schulterblätter klopfen. Tritt keine Besserung ein, dreimal stark klopfen. Zwischendurch in den Mund sehen, ob der Fremdkörper herauskommt. Wenn nicht, Notruf verständigen.

Durchfall/Erbrechen

Je jünger das Kind ist, desto gefährlicher ist der Flüssigkeitsverlust. Deshalb sofort zum Kinderarzt gehen, wenn das Kind appetitlos ist, sich erbricht, Fieber, viel Durst und dünnen Stuhlgang hat. Wichtig: Viel Flüssigkeit zuführen, allerdings langsam, am besten löffelweise.

Fremdkörper im Auge

Auge weit öffnen und mit einem saugenden Tuch, zum Beispiel Taschentuch, den Fremdkörper mit einer Bewegung nach außen hin abtupfen. Wenn der Fremdkörper zu groß ist, beide Augen verbinden, damit sich das verletzte Auge nicht bewegt. Den Augenarzt aufsuchen.

Gewalt gegen den Kopf

Wenn das Kind über Übelkeit und Kopfschmerzen klagt, unmotiviert weint, teilnahmslos oder schläfrig ist oder gar Veränderungen in seiner Atmung zu bemerken sind, hat es vielleicht einen starken Schlag gegen den Kopf bekommen. Meist kann sich das Kind aufgrund einer Gedächtnislücke nicht mehr an den Unfall erinnern. Wenn auf dem Kopf eine Wunde zu erkennen ist, die Wunde keimfrei bedecken und den Kinderarzt verständigen. Das Kind sollte sich hinlegen, am besten mit leicht erhöhtem Oberkörper, damit nicht zu viel Blut in den Kopf steigt.

Wespenstich in den Mund

Wenn die Wespe in den Mund sticht, ist die Gefahr nicht so groß wie bei einem Stich in den Rachen. In beiden Fällen sollte jedoch gekühlt werden. Dazu Eiswürfel lutschen lassen und den Hals von außen mit feuchten Tüchern kühlen. Wegen der Gefahr, dass der Rachenraum zuschwillt, sofort den Notruf wählen.

Stromunfall

Sollte ein Kind mit einer Nadel oder einem Schlüssel in die Steckdose fahren, kann es sich eventuell nicht mehr vom Stromkreis lösen. Das Kind nicht berühren, den Stromkreis unterbrechen und den Notruf wählen. An der Eintritts- und Austrittsstelle des Stroms die Brandwunden steril bedecken. Dazu eine Kompresse an den zwei bunten Fäden aus der Verpackung ziehen oder hinausfallen lassen, damit sie keimfrei bleibt. Jegliche Anstrengung des Kindes vermeiden. Das Herzkreislaufsystem kann so schwer geschädigt sein, dass es noch bis zu fünf Stunden nach dem Unfall zum Tod kommen kann.

Beinahe Ertrinken

Ist das Kind nicht ansprechbar, müssen die lebenswichtigen Funktionen wie Atmung und Herzkreislauf überprüft und den Notruf verständigt werden. Atmet es nicht, mit der Beatmung beginnen, das heißt fünfmal über Mund und Nase des Säuglings (bis 1 Jahr). Bei Kindern bis sechs Jahre erfolgt die Beatmung von Mund zu Nase bzw. von Mund zu Mund. Beginnt das Kind zu atmen, sollte es in die Seitenlage gebracht werden. Wenn nicht, mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen: Bei Säuglingen bis zu einem Jahr 30 Herzdruckmassagen und zwei Beatmungen. Bei Kindern bis sechs Jahre die Oberbekleidung öffnen und fünf Beatmungen mit 30 Herzdruckmassagen durchführen. Hierzu mit dem Handballen über dem Herzen ungefähr fünf Zentimeter tief Richtung Wirbelsäule drücken - 100 bis 120 Mal pro Minute. Wichtig: Nicht versuchen, mögliches Wasser aus der Lunge zu entfernen. Das Kind warmhalten und beruhigen.