Studie

Künstliche Befruchtung: Kaum Aufklärung über Misserfolg

Viele Paare in Deutschland werden über wichtige Aspekte bei einer Kinderwunschbehandlung nicht ausreichend aufgeklärt.

Eine Studie der Universität Bochum ergab, dass die Paare zu wenig über die Risiken und Belastungen durch eine mögliche Mehrlingsschwangerschaft sowie über die emotionale Belastung einer künstlichen Befruchtung erfahren. Darüber werden die Patienten nicht so gut unterrichtet wie etwa über die Erfolgschancen und unmittelbaren körperlichen Risiken einer künstlichen Befruchtung. Wissenschaftler des Instituts für Medizinische Ethik und Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum hatten 1590 Patienten, 230 Reproduktionsmediziner und 66 Psychosozialberater befragt.

Die Befragung der Patienten ergab, das Paare erfolglose Therapien nicht zu beenden wagen, obwohl die Behandlung besonders emotional sehr belastend für sie ist. Die betreuenden Mediziner sagten in der Studie, die Selbstbestimmung der Paare sei in solchen Situationen tatsächlich häufig eingeschränkt. Allerdings beenden auch die Reproduktionsmediziner die Behandlung in den meisten Fällen nicht. Bei 75 Prozent der befragten Patienten ist der Kinderwunsch so groß, dass alles andere vernachlässigt wird. Rund die Hälfte hat das Gefühl, die Kontrolle über die Situation zu verlieren.

Daher empfehlen die Bochumer Forscher, alle Paare sollten die Möglichkeit haben, auf Kosten der Kassen eine unabhängige psychosoziale Beratung in Anspruch zu nehmen. Außerdem müsse jeder Arzt, der Paare mit Kinderwunsch betreue, eine Strategie haben, wann die Behandlung beendet werde, wenn sie erfolglos bleibt. Außerdem müssten die Paare frühzeitig und wiederholt auf die Probleme unrealistischer Erwartungen, überwältigender Kinderwünsche und Kontrollverluste aufmerksam gemacht werden. So könne vermieden werden, dass sie sich trotz geringer Erfolgsaussichten auf eine belastende, risikoreiche Behandlung einließen statt sich mit Alternativen wie etwa einer Adoption auseinanderzusetzen.