Partnerschaft

Pro Familia: Kinder sind kein Grund mehr für eine Ehe

Eine Schwangerschaft ist für viele Paare längst kein Grund mehr für eine Ehe. "Heiraten ist freiwilliger geworden", sagte Renate Reddemann, Geschäftsführerin und Beraterin von Pro Familia in Marburg.

"Schwangerschaft, Hochzeit, Haus bauen - wir warnen sogar davor, gleich alles auf einmal zu machen, weil das zu viel Stress ist. Wir raten dazu, kleine Schritte zu gehen." In Hessen kam im vergangenen Jahr jedes vierte Baby unehelich zur Welt.

Gemeinsames Sorge- und Umgangsrecht seien inzwischen die Regel und damit nicht mehr der Grund für eine Ehe, sagte Reddemann. Sie selbst hat mit ihrem Partner ohne Trauschein drei Kinder groß gezogen. Auch um eine Wohnung zu finden, müssten werdende Eltern heute nicht mehr wie früher durchaus üblich verheiratet sein. "Früher ging das ja ohne Mann gar nicht. Alleinerziehende hatten es schwer." Die Familie ist bunter geworden. "Man kann als Paar - unverheiratet oder verheiratet - zusammen leben, man kann in einer Wohngemeinschaft wohnen, in einer Großfamilie oder alleinerziehend sein. Wir sind eine sehr demokratische Gesellschaft geworden", sagte Reddemann, die werdende Eltern berät. Was aber bei einer Entscheidung für eine Hochzeit oft eine Rolle spiele, sei die Steuer. "Das ist der Punkt, der meist vom Mann eingebracht wird. Für Frauen ist die Schwangerschaft eher etwas Emotionales." Viele Frauen wollten aber zunächst nicht wegen der Ersparnis heiraten und erst mal ihr eigenes Geld haben. Allerdings sei dann doch oft die Steuer entscheidend, wenn Paare nach der Geburt ihres ersten Kindes sich das Ja-Wort geben. Und: "Je mehr Kinder, desto eher wird geheiratet."

In ländlicheren Regionen ist Heiraten nach Einschätzung Reddemanns nach wie vor noch viel deutlich selbstverständlicher als in der Stadt. Paare lebten dort noch häufiger im oder neben dem Haus ihrer Eltern oder Schwiegereltern, berichtete Reddemann, zu der Paare aus der Universitätsstadt Marburg und auch aus den ländlicheren Regionen Mittelhessens kommen. "Auf dem Land gibt es einen Reflex: "Heirate, weil das besser ist!"." Die Religion sei allerdings nur noch selten bei der Eheschließung entscheidend. "Bei Muslimen spielt sie eine große Rolle, sonst nicht."