Steuern

Internatskosten für hochbegabte Kinder im Einzelfall absetzbar

Leiden hochbegabte Kinder an einer normalen Schule an Unterforderung und zeigen sie psychische Verhaltensauffälligkeiten oder Depressionen, kann auch der Besuch einer Hochbegabtenschule erforderlich sein.

Ist dieser Schulbesuch tatsächlich aus medizinischen Gründen angezeigt, können hierfür auch die Kosten als außergewöhnliche Belastung von der Steuer abgesetzt werden. Das entschied jetzt der Bundesfinanzhof (BFH) in München in einem gerade veröffentlichten Urteil (Aktenzeichen: VI R 37/10).

Im konkreten Fall hatte ein hochbegabter Schüler aus Bayern auf eine ärztliche Empfehlung hin eine schottische Internatsschule besucht. Zuvor hatte der im Jahr 1987 geborene junge Mann bereits die dritte Grundschulklasse übersprungen. Und auch auf dem deutschen Gymnasium war der Junge offenbar total unterfordert gewesen. Er fühlte sich unwohl in der Schule, wurde verhaltensauffällig, verhielt sich seinen Mitschülern gegenüber aggressiv, war oftmals depressiv und nahm nicht mehr richtig am Unterricht teil. Wegen eines Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms (ADS) und Depressionen empfahl die Hausärztin dann schließlich den Besuch eines schottischen Hochbegabteninternats. Nur dort, so die Expertin damals, könnten seelische Fehlentwicklungen für den Jungen vermieden werden. In Deutschland hingegen gebe es für ihn keine angemessene Schule.

Neue Schule auf ärztlichen Rat

Die daraufhin angefallenen Schul- und Internatskosten wollte der Vater des jungen Mannes dann schließlich bei der Steuer als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Für das Jahr 2001 waren dies immerhin 51 616 Mark (26 390 Euro) und für das Jahr 2002 immerhin 23 457 Euro gewesen. Der Fall landete vor Gericht. Nun stellte der BFH in seinem Urteil klar, dass diese Kosten als außergewöhnliche Belastung durchaus absetzbar sind, vorausgesetzt allerdings, der Schulbesuch in Schottland war aus medizinischen Gründen angezeigt und notwendig. Dann seien die geltend gemachten Kosten als unmittelbare, von der Steuer abzusetzende Krankheitskosten anzusehen. Ob dies bei dem mittlerweile erwachsenen jungen Mann damals der Fall war, muss nun das Finanzgericht München prüfen.