Malwettbewerb

Die kleinen Künstler von Berlin

Kinder haben einen eigenen Blick auf ihre Stadt - das zeigt der Malwettbewerb "Das ist Berlin" der Berliner Morgenpost

Foto: Michael Brunner

Wenn Anna Wendt mit ihrer Mutter nach Berlin fährt, ist sie immer ganz aufgeregt. Denn dann besucht sie nicht nur die Oma in Friedrichshain, sondern sie sieht auch ganz viel von der großen Stadt, in der es so viel schneller und lauter zugeht als bei ihr zu Hause in Diedersdorf, südlich von Berlin. Schon die Fahrt mit der S-Bahn ist für die Siebenjährige immer ein Abenteuer. "In Berlin ist immer so viel los", sagt Anna.

So war sie zum Beispiel im Juli beim Kinderkonzert des Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt und hat dort an einem Malwettbewerb der Berliner Morgenpost zum Thema "Das ist Berlin" teilgenommen. Für Anna Wendt war klar, was sie da malen würde: Die Tiere aus dem Tierpark, einen Löwen, zwei Schildkröten, einen Vogel. "Vögel mag ich besonders gern", erklärt sie. Berlin - eine Stadt der Tiere? Für Anna klingt das nicht merkwürdig, schließlich gehört der Tierpark zu ihren liebsten Orten in Berlin. Und sie hat die Tiere mit so viel Farbe und Details gezeichnet, dass sie nun sogar den ersten Platz beim Malwettbewerb gewonnen hat. Darüber freut sie sich - und noch mehr über den Besuch des nächsten Taschenlampenkonzertes in der Waldbühne am 10. September, zu dem sie und die beiden anderen Gewinner Henry Stangl (9) und Arthur Flemming (11) mit ihren Familien eingeladen werden - als Preis für ihre schönen Berlin-Bilder.

Fasziniert von der Architektur

Henry Stangl, der Zweitplazierte, und Arthur Flemming, der Drittplatzierte, haben auf ihren "Das ist Berlin"-Bildern vor allem Sehenswürdigkeiten gemalt: Das Brandenburger Tor und der Fernsehturm sind natürlich dabei. Arthur hat auch noch das Sea Life und das Rote Rathaus gezeichnet, dafür Henry noch einige Wolken - auch das ist Berlin, zumindest in diesem Sommer. Henry Stangl ist oft in Berlin unterwegs, vor allem in Mitte. Vor acht Jahren ist er mit seiner Familie von Frankfurt am Main nach Berlin gezogen. Seine Mutter hat sich gleich in die Hauptstadt verliebt und das hat längst auch auf Henry und seine große Schwester abgefärbt. Oft geht Henrys Mutter nun mit ihren Kindern auf Sightseeing-Tour durch Berlin, weil es ihr wichtig ist, ihren Kindern die vielen Seiten der Stadt zu zeigen. Und Henry hat dabei ganz eigene Vorlieben entwickelt. Mit vier Jahren war er vor allem vom "gelben Haus", der Philharmonie, fasziniert. Immer wieder wollte er dorthin und wunderte sich über die ungewöhnliche Architektur.

Heute ist sein Favorit der Fernsehturm, besonders ganz oben gefällt es ihm, "man kann da so weit gucken", sagt er. Oft ist es inzwischen Henry, der wieder etwas Neues entdecken will, erzählt seine Mutter, "Henry ist inzwischen unser Berlin-Experte". Der Neunjährige geht sogar gern ins Museum, wohin man viele Kinder seines Alters nur mit Bestechung bekommt. Allerdings versucht seine Mutter, diese Besuche auch möglichst kindgerecht zu gestalten. So nimmt sie für ihn einen speziellen Audio-Guide für Kinder oder bucht eine Kinderführung.

Geschichten hinter der Geschichte

Für Sabine Hansen sind Kinder wie Henry Stangl nicht ungewöhnlich. Sie bietet seit sechs Jahren Kinderführungen durch Berlin an (berlin-mit-kindern.de) und bekommt von ihren jungen Begleitern im Alter zwischen sechs und 14 Jahren viele Fragen gestellt. "Obwohl meine Führungen drei Stunden und damit länger als die meisten Erwachsenenführungen dauern, sehe ich nur selten Ermüdungserscheinungen bei den Kindern", erklärt Sabine Hansen. Wichtig sei aber, wie den Kindern Sehenswürdigkeiten gezeigt und vermittelt werden: "Es kommt auf die Geschichten hinter der Geschichte an."

Zurzeit bietet Sabine Hansen vor allem Führungen zur Mauer an, und die Kinder wollen von ihr wissen, wie das damals war für die Familien, die getrennt wurden, für die Flüchtlinge, aber auch für die Vopos. "Kinder gehen an Geschichte ganz unvoreingenommen heran", hat Sabine Hansen beobachtet, sie haben die Mauer nicht mehr gesehen, wissen nicht, was die Teilung der Stadt für das Leben der Menschen bedeutet hat und interessieren sich oft für Details, die manch Erwachsener gar nicht mehr wahrnimmt. Bevor Sabine Hansen Stadtführerin wurde, hat sie viele Jahre als Lehrerin gearbeitet. Schon in dieser Zeit hat sie viele Ausflüge durch Berlin gemacht und festgestellt, "dass eigentlich jeder Stoff interessant vermittelt werden kann, wenn man sich am Wissensstand der Kinder orientiert." Am Brandenburger Tor breitet Sabine Hansen zum Beispiel gern Karten aus, zeigt, wie Berlin früher aussah, wo die Zollmauer stand, wie die Quadriga aufs Tor kam und wie sie verschleppt wurde.

Geschichten, die auch Arthur Flemming aus Lichtenberg spannend findet. Der Elfjährige freut sich auch immer darauf, wenn er mit seinen Eltern oder an den Wandertagen mit der Schule wieder einmal auf Erkundungstour geht. Wenn er das Ziel des nächsten Ausflugs selbst bestimmen würde, dann würde er gern mal ins Zuckermuseum gehen, "vor fünf Jahren war ich schon einmal dort und fand es so spannend, was man mit Zucker alles machen kann." Und Henry Stangl freut sich, dass er seit dieser Saison Mitglied im Hertha-Kids-Club ist. Nicht nur, weil er hofft, dann ganz viele Hertha-Tore zu sehen, "sondern auch weil ich mit der S-Bahn dann immer quer durch die ganze Stadt fahren kann - bestimmt entdecke ich dann ganz viel Neues".