Unzertrennlich

Freunde fürs Leben

Zum Tag der Freundschaft am 31. Juli haben wir Berliner zu dem Menschen befragt, mit dem sie durch Dick und Dünn gehen

Foto: Glanze

Nina (12) und Lea (12)

Lea: "Eigentlich kennen wir uns seit unserer Geburt, weil unsere Mütter seit 20 Jahren beste Freundinnen sind. Und irgendwann sind wir dann auch beste Freundinnen geworden. Wir sind zusammen im TGW-Verein, dem sogenannten Turner-Jugendgruppen-Wettstreit, einem vielseitigen Mannschaftsmehrkampf. Wir treten oft in unterschiedlichen Mannschaften gegeneinander an und sind dann ja eigentlich Gegner. Aber irgendwie feuert die eine doch die andere vom Zuschauerbereich aus an, wenn sie gerade antritt. Das kann man nicht abstellen."

Nina: "Wir gehen zwar nicht auf dieselbe Schule und reiten sogar auf unterschiedlichen Höfen. Deshalb haben wir auch teilweise verschiedene Freundeskreise, aber zwischen uns ändert das nichts. Lea ist und bleibt meine beste Freundin. Auch wenn wir uns mal ein paar Tage nicht sehen - es ist immer vertraut zwischen uns, wir reden über alles. Ich kann mich immer auf Lea verlassen. Sie zur Freundin zu haben, bedeutet mir total viel."

Nathalie (37) und Annika (36)

Nathalie: "Schon im Kindergarten waren Annika und ich in der gleichen Bande. Wir haben draußen die Jungs gejagt und sie in den Geräteschuppen eingesperrt. Dann sind wir 13 Jahre zusammen zur Schule gegangen, die meiste Zeit haben wir nebeneinander gesessen. Zum Studieren sind wir dann in unterschiedliche Städte gezogen. Das war die Zeit, in der wir uns ein bisschen aus den Augen verloren haben. Da gab es auch einmal richtig Stress, weil wir so unterschiedlicher Ansicht waren. Ein Jahr haben wir nicht miteinander gesprochen. Dann hab ich sie angerufen und wir mussten beide einfach lachen. Wir wussten nämlich gar nicht mehr, warum wir so eklig zueinander gewesen sind. Wir wohnen in verschiedenen Städten, Annika in Hamburg, ich in Berlin. Wir sehen uns leider nur zwei- bis dreimal im Jahr - aber dann ist immer gleich alles wie früher."

Annika : "Obwohl wir 300 Kilometer auseinander wohnen, ist mir keine Freundin näher als Nathalie. Da wir uns schon so lange kennen, versteht sie mich, ohne dass ich meine Gefühlslage lange erklären muss. Sie hört sofort an meiner Stimme am Telefon, ob ich einen guten oder einen schlechten Tag hatte. Das ist für mich ein ganz wesentlicher Aspekt bei einer Freundschaft: Sich nicht stundenlang erklären müssen, sondern einfach verstanden zu werden. Als Nathalie und ich mal ein Jahr Funkstille hatten - warum weiß ich gar nicht mehr - habe ich gelitten wie mit Liebeskummer."

Noah (4) und Ansgar (5)

Noah : "Ich merke immer, dass Ansgar und ich beste Freunde sind, wenn wir Lego oder Playmobil spielen. Das geht mit ihm einfach am besten. Es kommt zwar vor, dass wir uns mal bisschen zanken. Zum Beispiel, wenn ich den gleichen Bauarbeiter wie er brauche oder den gleichen Flugzeugflügel. Aber wir vertragen uns nach kurzer Zeit wieder. Einmal hat Ansgar mich beschützt. Als die Großen mich auf dem Spielplatz mit Stöcken beworfen haben, ist er auf sie losgegangen und hat mich verteidigt. Die sind dann ganz schnell abgehauen. Ich werde das bestimmt nie vergessen."

Ansgar : "Ich habe zwar eine Menge Freunde, aber Noah ist mein bester - ungefähr seit wir ein Jahr alt sind. Wir spielen jetzt schon seit vier Jahren zusammen, oft übernachte ich bei ihm oder er bei mir. Und unsere Mamas verstehen sich auch sehr gut. Zusammen haben wir schon eine Sandburg gebaut und Noah hat mir mal geholfen, als wir in einem Streichelzoo von einer schwarz-weißen Ziege angegriffen wurden. Und ich habe mal die Drittklässler auf dem Spielplatz verjagt, als sie Noah angegriffen haben. Ich musste ihm einfach helfen. Die haben solche Angst vor mir gekriegt, dass sie sich gar nichts mehr getraut haben. Noah und ich sind bestimmt für immer beste Freunde."

Manja Will (70) und Renate Minow (74)

Manja Will: "Als ich Renate das erste Mal gesehen habe, dachte ich 'Die ist bestimmt lustig'. Und so war es dann auch. Heute wohnen wir in der Villa Albrecht vom Deutschen Roten Kreuz im Tempelhof - jede in ihrer eigenen Wohnung. Renate schmeißt hier den halben Laden - fast im ganzen Seniorenheim organisiert sie, hilft in der Demenz-WG mit und muntert jeden auf, der mal traurig ist. Sie wohnt in der zweiten Etage, ich in der vierten. Wir sehen uns jeden Tag, kochen und essen sogar oft zusammen. Oder gehen spazieren. Ich nenne meinem Rollator 'Cabrio', sie ihren 'Mercedes'. Wir haben immer wahnsinnig viel zu lachen, obwohl wir beide ganz schön lädiert sind. Renate hat sich 2008 die Hüfte gebrochen und ich habe Parkinson. Als ich neulich mal die 'Birne Helene' beim Essen auf mir und in der Umgebung verteilt hatte, haben wir uns beide halb kaputt gelacht, weil das so albern aussah. Wir geben immer aufeinander acht. Einmal, als ich krank war, ist sie die ganze Nacht bei mir geblieben."

Renate Minow: Manja ist eine begnadete Witzeerzählerin. Das Lachen ist uns noch nicht vergangen - zum Glück. Manja liebt Süßigkeiten und ich sage immer zu ihr: 'Nicht so viele Baumkuchenspitzen auf einmal!' und sie sagt dann schelmisch: 'Ich teile sie mir ein - eine für mich und eine für mich...' Wir entdecken immer so viel Situationskomik und lachen meistens über uns selbst - wenn wir uns versprechen oder wenn Manja mir auf Fotos mal wieder Hasenohren hinter den Kopf hält. Sie hat einen tollen Humor. Sie war früher Beamtin, ich Badewärterin in Neukölln. Geboren bin ich in Mitte, großgeworden in Britz. Seit 1982 lebe ich hier in Tempelhof. Ich bin also ein richtiges Berliner Gewächs. Manja ist in Finnland großgeworden. Uns geht nie der Gesprächsstoff aus. Manja hat als beste Freundin immer ein Ohr für mich, denn manchmal habe ich auch Tage, an denen es mir nicht so gut geht. Sie ist mit ihrem 'Cabrio' viel schneller als ich mit meinem 'Mercedes'. Wir haben hier immer viel um die Ohren, mal Physiotherapie, dann kommt der Pflegedienst. Ohne Manja kann ich mir das Leben hier drin nicht mehr vorstellen."

Sönke Martens (34) und Christian Haß (33)

Sönke Martens : "Es stand außer Frage, dass Christian mein Trauzeuge wird. Er ist mein engster Freund und ich kann mir ein Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen. Wir wohnen zwar 120 Kilometer voneinander entfernt, telefonieren aber täglich - oft bis zu anderthalb Stunden lang. Da lohnt sich die Flatrate. Wir quatschen über Arbeit, Musik oder Zukunft - und über unsere beiden Frauen natürlich. Eigentlich kennen wir uns seit unserer Schulzeit. Aber Christian war eine Klassenstufe unter mir und deshalb hatten wir nicht so viel Kontakt. Durch meine Nicole, die mit Christians Ex-Freundin befreundet war, haben wir uns vor 13 Jahren sozusagen 'wiedergefunden'. Ein wichtiges, philosophisches Gesprächsthema: Der 'Kreisverkehr des Lebens'. Man steht oft vor Entscheidungen und Wendungen im Leben. Wie in einem Kreisverkehr mit verschiedenen Ausfahrten. Manche enden in einer Sackgasse, manche sind Einbahnstraßen und manchmal landet man auf der Autobahn und das Leben geht plötzlich total schnell. Zu meinem 30stem Geburtstag hat Christian mir unseren Kreisverkehr aus bunter Pappe gebastelt - mit Fotos, die unser Leben zeigen. Ich habe mich riesig gefreut."

Christian Haß : "Wir geben uns Ratschläge, wo wir können und sprechen viel über die Zukunft. Bei fast allen Sachen haben wir die gleiche Einstellung und ähnliche Ansichten. Sönke ist mir bei der Lebensplanung immer einen Schritt voraus. Er ist schon verheiratet, hat ein Haus. Natürlich machen wir auch jede Menge Quatsch und sind auch mal richtig albern, wenn wir zusammen sind. Vor allem beim Ausgehen. Jetzt heiratet einer unser gemeinsamen Freunde auf Schloss Diedersdorf, dass wird bestimmt wieder ein großer Spaß. Ohne Sönke hätte ich übrigens meine Inga nicht kennengelernt. Sie kannten sich vom Ausgehen und er hat mich ihr vorgestellt. Wir begleiten unsere Frauen sogar beim Shoppen. Wenn wir zu zweit sind, ist das gar nicht so schlimm. Außerdem gehen wir auch mal in Elektronik-Märkte. Nächstes Jahr machen wir mit unseren beiden Frauen eine riesige USA-Reise. Wir wollen die Staaten der Westküste erkunden und freuen uns schon wahnsinnig."