Verein "Natur erleben mit Tieren"

Die kleinen Tierpfleger

Im Zehlendorfer Verein "Natur erleben mit Tieren", erlangen schon Dreijährige wichtige Kompetenzen für ihre späteres soziales Verhalten

Herzhaft klopft Carlotta dem Schaf auf die Schulter. "Na, Isabella, wie geht's?" Isabella geht es im Moment eigentlich eher um Fressen als um Carlotta. Deshalb marschiert sie schnurstracks auf die kleine Gruppe von Kindergartenkindern zu, die sich um zwei kleine Zicklein schart. Isabella möchte offenbar nichts verpassen. Schon gar nicht den Moment, wo die Leckerli verteilt werden. Das Skuddenschaf lebt in Zehlendorf auf einer Wiese zwischen Wohngebiet und Wald. Es teilt sich das Areal mit vier anderen Schafen und vier Ziegen. Hier, in der Nähe der Machnower Straße hat der Verein "Natur erleben mit Tieren e. V." seit einem Jahr seinen Sitz. Initiatorinnen sind die Erzieherinnen Michaela Heinze-Kaffka (50) und Anette Liebert (46) von der nahen Kita Flanaganstraße. "Wir wissen, wie hilfreich der Kontakt zu Tieren für die Entwicklung von Kindern ist", erklärt Michaela Heinze-Kaffka die Idee des Projekts. "Aber der Umgang sollte verantwortungsvoll und stressfrei sein."

Am Waldrand stehen kleinen Gartenlauben mit für Kleintierverhältnisse luxuriöser Ausstattung. Die vier Kaninchen und fünfzehn Meerschweinchen haben jeweils ihr eigenes Haus mit Innen- und Außenauslauf. Regelmäßig wird hier alles gereinigt, die Tiere werden gestreichelt, gefüttert und begeistert umsorgt.

Schüchternheit überwinden

Die Kindergartenkinder, die regelmäßig aus der Kita Flanaganstraße und anderen Kitas und Schulen zu Besuch kommen, lernen, was im Umgang mit Tieren wichtig ist. Die Stars sind zurzeit Bruno und Schroeder, die jungen Ziegen, die im Juni zur Welt kamen. Heute werden sie schon zum zweiten Mal von ihrer Mutter Liby gerufen, weil der Habicht über der Wiese kreist. Während die Menschenkinder sie streichelten und fütterten, haben sich die Ziegenkinder von der Mutter entfernt. Der kleine Richard (3) beobachtet die Situation und ruft: "He Bruno, deine Mama schimpft, weil du so lange weg warst!"

Aufmerksamkeit und Sensibilität sind nur einige der Eigenschaften, die im Umgang mit Tieren gelernt werden. Aus Sicht der Diplom-Sozialpädagogin Ingrid Stefan (53) vom "Institut für soziales Lernen mit Tieren" kann man mit dieser Form der Empathieförderung nicht früh genug anfangen. "In dem die Kinder lernen, bei Tieren auf kleine Zeichen in Gestik, Mimik oder Verhalten zu achten, trägt das auch dazu bei, dass sie im Umgang miteinander sensibler werden." Wenn ein Kind beispielsweise gebeten wird, eine Tür leise zu schließen, dann ist es ein größerer Anreiz, es aus Rücksicht auf ein Tier zu tun. "Dass es erschrecken könnte, hinterlässt häufig einen größeren Eindruck."

Die Kinder kümmern sich mit Leidenschaft um die Tiere. Sie bürsten die Angorakaninchen, schneiden Obst und Gemüse, helfen beim Saubermachen. Der kleine Attila (3), der oft zu schüchtern ist um zu sprechen, redet plötzlich in Gegenwart der Tiere. Für Ingrid Stefan kein Wunder. Oft wollten die Kinder so viel über die Tiere wissen, dass sie ihre Sprachbarrieren vergessen. "Sie fassen zu Tieren schneller Vertrauen. Tiere sind immer ehrlich, man kann sich auf ihre Botschaften verlassen." Besonders die beiden Zicklein haben es Attila angetan. Meist lassen sie sich gern streicheln. Doch es kommt auch vor, dass die Tiere vor den Kindern weglaufen oder sich verstecken. "Das bedeutet, dass sie erst einmal genug haben", erklärt Erzieherin Heinze-Kaffka, "die Kinder wissen, dass sie sie dann nicht mehr hochheben und streicheln dürfen." Auch das ist eine wichtige Erfahrung.

Michaela Heinze-Kaffka und Anette Liebert engagieren sich ehrenamtlich für den Verein. Sie sammeln Spenden, werben Vereinsmitglieder und Tierpaten, und nach Feierabend kümmern sie sich um Tiere und Ställe. Viele der Meerschweinchen und Kaninchen wurden aus Privathaushalten abgegeben. Inzwischen herrscht allerdings Aufnahmestopp, "wir können nicht noch mehr versorgen", sagt Michaela Heinze-Kaffka. Wie den Kindern so sind auch ihr die Tiere längst ans Herz gewachsen. "Schließlich war ich bei der Geburt der beiden Ziegen im Juni dabei", erzählt sie. Wieder ein Moment, in dem die Erzieherin wusste, warum sich die viele Arbeit für den Verein lohnt.

Mehr zum Projekt und Kontakt unter www.natur-tiere-zehlendorf.de.tl/