Film

Abschied von der Generation Harry Potter

1998 erschien der erste Band auf Deutsch, nun läuft der letzte Film. Der Zauberlehrling ist erwachsen geworden - und seine Fans ebenso

Foto: David Heerde

Während die meisten Menschen schon schlafen, macht Corinna Kröger sich auf den Weg ins Kino. Wie tausende Harry-Potter-Fans im ganzen Land will die Schülerin aus Schöneberg zur Deutschland-Premiere des letzten Teils der Harry-Potter-Saga. Neugierig und aufgeregt sitzt die 18-Jährige in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag dann um Punkt 0.01 Uhr im Kino am Potsdamer Platz. Für die letzte Premiere, den letzten Film, die letzte Geschichte um den Zauberlehrling Harry Potter, der sie, seit sie denken kann, begleitet hat.

Vor 14 Jahren erschien das erste Buch von Autorin Joanne K. Rowling über den Zauberlehrling und seine Freunde Hermine Granger und Ron Weasley, die gemeinsam die Zauberschule Hogwarts besuchen und gegen die Machtübernahme des bösen Zauberers Lord Voldemort kämpfen. Der zweite Teil von "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" lockt nun wieder Kinobesucher jeden Alters ins Kino. Die meisten von ihnen sind wie Corinna Kröger mit den Büchern und Filmen groß geworden, waren selbst noch Kinder als Harry Potter Kind war. Nun ist ihr Held erwachsen und sie selbst sind es auch. Für sie geht eine Ära zu Ende.

Seit zwölf Jahren verfolgt Corinna Kröger die Abenteuer. Sie hat sämtliche Bände auf Deutsch, Französisch und Englisch gelesen. Natürlich hingen auch bei ihr Poster im Kinderzimmer. Auf einer Londonreise besuchte sie die Eisenbahnstation "Kings Cross", von der aus Harry Potter zum Internat fährt. Sie ließ sich genau dort fotografieren, wo die Zauberschüler in die magische Welt eintauchen. "Es war toll, an einer Stelle heißt ein Bahnsteig tatsächlich '9 ¾', in der Wand steckt ein Gepäckwagen - wie im Film", erinnert sie sich. "An dieser Stelle müssen die Schüler mit ihrem Gepäck durch die Wand, um zu ihrem Zug zu gelangen."

Wehmut nach dem Kinobesuch

Vom letzten Film der Potter-Saga ist Corinna Kröger begeistert. Alle Erwartungen seien erfüllt worden, sagt sie später. Die Schülerin steht mit ihren Freundinnen vor dem Kino. "Der Film war einfach nur super, vor allem wegen der 3D-Effekte! Ich gucke ihn mir gleich noch mal an." Ein bisschen wehmütig sei sie, sowohl beim letzten Buch, als auch jetzt, beim letzten Film. "Es ist schon traurig, jetzt kann ich nicht mehr dem nächsten Band und dem nächsten Film entgegenfiebern", sagt sie. "Aber irgendwie ist es dann auch genug. Sonst wäre es vielleicht bald nicht mehr so spannend."

Auch ihre Freundin Justine Piéfort ist ein großer Fan - und froh, dass sie sich die Filme immer wieder ansehen kann. "Ich liebe diese Fantasiewelt mit ihren schönen Ideen und gut durchdachten Charakteren. Meine Lieblingsfigur ist und bleibt Hermine. Sie ist hübsch, mysteriös und intelligent."

Als Harry Potter zum ersten Mal in die das Zauberinternat "Hogwarts" fuhr, war er fast elf Jahre alt. Genau so alt war Clemence Herding, als sie mit dem ersten Buch begann. Damals war der Harry-Potter-Fanzirkus bereits in vollem Gange. Clemence Herding ging in die fünfte Klasse und musste jedes Mal, wenn ein neues Buch herauskam, geduldig warten, bis ihr großer Bruder damit fertig war. Dann schnappte sie sich das Buch und las. Immer und überall. Auch in der Schule. "Wenn der Unterricht zu langweilig war, habe ich manchmal heimlich unter dem Tisch weiter gelesen", erzählt die heute 18-Jährige aus Reinickendorf. Buch und Film habe sie immer bewusst getrennt. "Ich habe beides nicht miteinander assoziiert und verglichen, sonst wäre ich wahrscheinlich von den Filmen enttäuscht gewesen." Eine Zeitlang hätten die Figuren sie täglich begleitet, sie habe sich gut mit ihnen identifizieren können. "Schließlich ist alles so realistisch erzählt, als gäbe es sie tatsächlich irgendwo. Ich habe viel über ihre Welt nachgedacht, sie waren wie imaginäre Freunde - aber ich habe nie den Kontakt zu meiner Realität verloren." Auch sie hat den Film gleich in der Premierenvorstellung gesehen. "Super, welche Figuren am Ende zusammenkommen", findet sie.

Genau so alt wie sein Held Harry Potter war Mathias Stark (25) aus Lichtenrade, als er 1998 das erste Buch las. "Die Bände erschienen meistens im Winter, wenn ich Geburtstag habe - das heißt, sie waren fast schon eingeplante Geburtstagsgeschenke." Den vierten Band verschlang er in anderthalb Tagen. "Es waren Ferien und schlechtes Wetter. Da bin ich ganz in die Zauberwelt eingetaucht." Alle Bücher habe er mehrfach gelesen. Auch seine Mutter Margitta Stark (50) verpasste keines. Die Sachbearbeiterin erinnert sich noch an einige Harry-Potter-Poster, die ihr Sohn in seinem Zimmer hatte. Vom Wildhüter Hagrid bis zum Lehrer für Zaubertränke Professor Severus Snape - er selbst kann (oder mag) sich daran zwar nicht mehr so genau erinnern, aber dafür an jede Figur, jeden Handlungsstrang, jedes Rätsel, das zu lösen war.

Zur Feier des Tages lud er seine Mutter nun zum letzten Harry Potter-Film ein. "Weil sie gerade Geburtstag hatte - und vor allem, weil für uns beide jetzt wirklich eine Ära zu Ende geht." Richtig wehmütig sei er deshalb aber nicht. "Serien hören irgendwann auf. Damit muss man leben."