Besselpark

Kunstprojekt: Schnüre als Mittel der Eroberung

Lennox (4) und Ada (5) sind ein bisschen ratlos. Den ganzen Vormittag waren sie im Besselpark und haben mit Geschenkband und Wäscheleinen hantiert - aber warum eigentlich?

Ciwan weiß Rat: "Wir haben ein Projekt gemacht", sagt der Fünfjährige gewichtig. Danach hat er keine Zeit mehr, das genauer zu erklären, er muss schnell zu seiner Gruppe, die sich gerade auf den Rückweg in die Kita Milchstraße macht.

Die Kinder der Kita Hippo sind schon weg, und auch auf die "Wolkenzwerge" wartet das Mittagessen.

Drei Stunden haben die Vier- bis Sechsjährigen aus drei Kreuzberger Einrichtungen gemeinsam verbracht. Kinder mit ganz unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründen zusammenzubringen war eines der Ziele, mit denen die Kunstpädagogin Maria Munoz Duyos, die Künstlerin Kristina Sporr und Florian Schmidt, Leiter des Projektbüros Kreativquartier Südliche Friedrichstraße, das Projekt "Kunst und Quartier" gestartet haben. Ein weiteres Ziel: "Wir wollen den Park aktivieren", sagt Maria Munoz Duyos, "er muss für die Bürger sein".

Ein buntes Gewirr im Park

Erwachsene Bürger allerdings haben an diesem Vormittag ein Problem, wenn sie durch die Grünfläche zwischen Friedrich- und Enckestraße hindurch gehen wollen: Denn die Kinder haben zwischen den Bäumen in etwa 1,30 Meter Höhe Bänder und Leinen gespannt. Zuerst haben sie mit blauen Schnüren das Areal in der Parkmitte abgesperrt, danach sind sie mit ihren Bändern mittendurch gerannt, bis sie ein buntes Gewirr geschaffen hatten.

"Lustig" fanden Ada und Josefine den Vormittag, Erwachsene auszusperren macht einfach Spaß. Erzieherinnen dabei zuzusehen, wie sie gebückt Kindern hinterherrennen, um sie für den Rückweg einzusammeln auch. Florian Schmidt ruft den Kitagruppen zu: "Die Erwachsenen können nicht durch, ihr aber schon!" Und Maria Munoz Duyos stellt zufrieden fest: "Die Kinder haben sich den Park erobert." Das ist ihnen an den drei vorangegangenen Workshop-Terminen auch schon gelungen, zum Beispiel als sie mit Mehl Blumen und Wege markiert haben. Schnüre, Mehl und noch viele andere Dinge haben die Kinder zu Beginn des Projekts in einer Kiste vorgefunden und sich mit Thema und Material beschäftigt, bevor sie sich an vier Vormittagen im Besselpark getroffen haben.

"Temporäre Installationen" haben sie dort geschaffen - denn natürlich musste das bunte Schnurnetz ebenso wieder verschwinden wie die Mehl-Markierungen. Und trotzdem hat sich im Park etwas verändert, davon sind die drei Projekt-Verantwortlichen überzeugt.

Eine "lebendige Aneignung" habe im Besselpark stattgefunden, sagt Florian Schmidt. Ranim (7) drückt es ein bisschen anders aus. Auf die Frage, was sie dort gerade gemacht hat, sagt die Siebenjährige sehr zufrieden: "Wir haben den Park gefärbt."

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