Jugendfotopreis

Ein neuer Blick auf Omas Hände

Die Idee lag nah: "Mein Dreamteam" war das Wettbewerbsthema und Anikas Dreamteam, das sind: ihre Freundinnen, Mama, Oma, Opa, ihre Lieblingspuppe und natürlich Katze Trixi. Sie alle hat Anika fotografiert. Aber so richtig zufrieden war die Viertklässlerin noch nicht mit dem Ergebnis.

Sie hat noch ein bisschen weiter herumexperimentiert und festgestellt: Eigentlich gefallen ihr Bilder von den Händen noch viel besser. Also hat sie alle noch einmal fotografiert und sich diesmal auf die Hände konzentriert. Warum kann die Zehnjährige gar nicht so genau in Worte fassen. Das wird ihr am Sonnabend die Jury abnehmen, wenn bei der Verleihung des Deutschen Jugendfotopreises die Begründung für die Auswahl der Preisträger verlesen wird. Denn mit sechs Bildern von den Händen ihres "Dreamteams" gehört Anika Schröck zu den Gewinnern in der Altersklasse bis zehn Jahre.

Über die Katze zur Fotografie

"Oma" heißt das erste preisgekrönte Foto der Berlinerin, es zeigt die Hände ihrer Großmutter, sehnige Hände, übereinandergelegt in einer Haltung, als wolle sie sagen: "Erzähl mal, mein Kind, ich hab Zeit." Gleich daneben die Hand von Anikas Puppenjungen Robbie, rund und glatt wie bei einem Baby. Zwei Männerhände auf dem Bauch gehören Mamas Freund Willi, "das Foto finde ich lustig", sagt Anika, "und Willi ist überhaupt lustig". Freundin Caro hält dem Betrachter eine kleine Plastikfigur entgegen, "die Littlest Pets sind gerade sehr angesagt bei den Mädchen", erzählt Anikas Mutter Petra. Die Hände des Großvaters hat Anika auf einer Landkarte fotografiert: "Er erklärt mir immer ganz viel", sagt Anika, "von ihm kann ich viel lernen", zum Beispiel hat er ihr erklärt, wie sie die Kamera bedient. Und dazwischen ein Bild von Anikas liebstem Fotomodell: Familienkatze Trixi. "Sie war am schwierigsten zu fotografieren", erzählt Anika und faucht plötzlich, um zu zeigen, wie wenig begeistert die Katze war. Aber ihre Pfote musste dabei sein, schließlich ist Trixi einer der Gründe, weshalb Anika so gern fotografiert.

Weil Trixi "immer so lustige Sachen macht", erzählt Anika, und die wollte sie unbedingt festhalten: Zum Beispiel versteckt sich die Katze unter der Bettdecke, wenn sie den Staubsauger hört, oder sie setzt sich zwischen die Stofftiere im Kinderzimmer, "ganz still, als würde sie dazugehören", sagt Anika. Immer wieder hat sie das dokumentiert, sich dafür die kleine Digitalkamera ihrer Mutter ausgeliehen. Eine Profikamera gibt es nicht im Hause Schröck, "Mama fotografiert nur so hobbymäßig", sagt Anika. Trotzdem hat Petra Schröck wohl dazu beigetragen, dass ihre Tochter die Fotografie entdeckt hat: Denn die Kunsthistorikerin führt seit 2004 die Fotogalerie in der Brotfabrik in Weißensee. Acht Ausstellungen im Jahr organisiert sie dort, und Anika war schon oft dabei. Aber ob sie die Bilder, die sie dort gesehen hat, beeinflusst haben? "Vielleicht", sagt Anika nachdenklich, "aber wenn, dann habe ich das nicht gemerkt."

Nebenher arbeitet Petra Schröck als Kunstlehrerin, vor drei Jahren hat sie mit einer Schülergruppe am Deutschen Jugendfotowettbewerb teilgenommen. So ist Anika darauf aufmerksam geworden. Im vergangenen Jahr hat sie auch mitgemacht, "da habe ich aber nichts gewonnen", erzählt sie. In diesem Jahr aber kam die E-Mail: Anika gehört zu den Preisträgern. Erst bei der Preisverleihung am Sonnabend wird sie erfahren, welchen Platz ihr Bild belegt und welchen Preis sie gewinnt. Für alle Gewinner werden das ganze Wochenende über Kurse und Vorträge zum Thema Fotografie angeboten, Sonntagabend gehen sie gemeinsam zum Eröffnungsspiel der Frauen-Fußball-WM.

Zur Preisverleihung und zum WM-Spiel nimmt Anika ihre Mutter mit - denn auch wenn Petra Schröcks Hände bei den ausgewählten Fotos nicht dabei sind, gehört sie zu Anikas Dreamteam natürlich dazu, "unbedingt", sagt Anika, "ich konnte bloß nicht noch mehr Bilder nehmen". Die Bilder auszusuchen, das war vielleicht am schwersten, sagt sie. Aber auch das hat sie allein gemacht. "Ich habe zwar mit Mama darüber gesprochen, für welche sie sich entscheiden würde", erzählt sie selbstbewusst, "aber da waren welche dabei, die haben mir nicht so gut gefallen. Die habe ich dann auch nicht genommen."