Private Familienservice Grundschule

"Traum von der eigenen Schule geplatzt"

Die private Familienservice Grundschule Berlin steht vor dem Aus. Die Eltern sind wütend, die Betreiber haben sich offenbar übernommen

Wie sagt man einer Sechsjährigen, dass sie nach den Sommerferien nicht mehr an ihre geliebte Schule zurückkehren kann, weil es die dann gar nicht mehr gibt? Monika und Chris Rehberger aus Kreuzberg haben lange überlegt, wie sie in diesem Fall vorgehen sollen. Am 28. Mai und damit vier Wochen vor Ende des Schuljahres haben sie erfahren, dass sie sich nach einer neuen Schule für ihre Tochter umsehen müssen. Die sechsjährige Adah besuchte bis dahin die Grundschule der Familienservice GmbH am Lützowplatz. Die Privatschule hat 2009 ihren Betrieb aufgenommen, nun steht sie vor dem Aus.

Was Rehbergers und viele andere Familien besonders aufregt, ist die Tatsache, dass sie viel zu spät von der bevorstehenden Schließung ihrer Schule erfahren haben. "Schriftlich wurde uns sogar erst vor wenigen Tagen gekündigt", sagt Monika Rehberger. Insgesamt sind 23 Familien betroffen. Sie müssen nun in kürzester Zeit einen adäquaten Schulplatz für ihre Kinder finden. Das ist besonders schwer, weil sich die meisten Kinder an der privaten Grundschule sehr wohl gefühlt haben. "Es ist nicht leicht, einen Platz an einer Schule zu finden, wo es so engagierte Lehrer und ein derart angenehmes Lernklima gibt", sagt Monika Rehberger.

Alexa Ahmad, Geschäftsführerin der Familienservice GmbH, die deutschlandweit 60 Kitas und etliche Beratungszentren betreibt, weist die Vorwürfe der Eltern zurück. "Wir haben bereits vor einem Jahr darauf hingewiesen, dass finanzielle Probleme drohen", sagt sie. Damals hätte die Schule bei etlichen Familien das Schulgeld absenken müssen, weil es neue Vorschriften von der Bildungsverwaltung gab. Eltern mit geringem Einkommen hätten deutlich weniger Schulgeld bezahlen müssen. Statt 250 oder 200 Euro wären in vielen Fällen nur noch 100 Euro fällig gewesen. "Bei uns haben sich einfach zu wenig Familien mit mittlerem und höherem Einkommen angemeldet", sagt Ahmad. Das habe zu einer finanziellen Schieflage geführt. Auf staatliche Zuschüsse habe man nicht hoffen können. Private Grundschulen würden in Berlin erst gefördert, wenn sie fünf Jahre durchgehalten haben.

1,5 Millionen Euro investiert

Die Familienservice GmbH orientierte sich bei ihrer Schulgründung an den Global-Education-Schulen in Wien. Dort unterrichten ein einheimischer und ein englischsprachiger Lehrer gemeinsam. Dadurch wird die Schule für bildungsnahe Schüler attraktiv; und auch Migrantenkinder profitieren von dem Modell, da sie oft ohnehin schon zwei Sprachen sprechen und schneller Englisch lernen als ihre Mitschüler. Und noch etwas hatte sich die Familienservice Schule Berlin auf ihre Fahnen geschrieben: "Die Eltern sollten sich um nichts kümmern müssen", sagt Ahmad. Die Kinder seien mit den Hausaufgaben fertig gewesen, wenn sie abgeholt wurden. Auch Putzen und Essensversorgung habe die Schule übernommen. Zudem habe man für gut bezahlte Lehrkräfte gesorgt, die voll und ganz hinter der Schule standen. "Bisher haben wir 1,5 Millionen Euro in die Schule gesteckt", sagt Ahmad. Da der Mietvertrag und andere Verbindlichkeiten aber noch ein Jahr weiter liefen, würden mindestens noch einmal 600 000 Euro fällig. All diese Kosten müsse nun die Familienservice GmbH tragen.

Die Rehbergers haben ihre Tochter Adah inzwischen an einer Privatschule in Wilmersdorf angemeldet. Andere Eltern sind noch auf der Suche. "Für diese Familien ist die Situation unerträglich", sagt Siegfried Lay, der für seine Tochter Josi nun einen neuen Schulplatz finden muss. Dabei habe das Konzept wunderbar funktioniert. "In der Schule lernten Kinder vieler verschiedener Nationalitäten gemeinsam, ohne dass sich die Kulturen untereinander abschotteten." Nun sei der Traum von einer solchen eigenen Schule geplatzt. Auch Yilmaz Sanli, dessen siebenjährige Zwillinge Eren und Ersen die Familienservice Schule besuchten, ist traurig. "Uns hat vor allem die Gemeinschaft der Kinder verschiedener Nationen überzeugt", sagt Sanli. Mehr als zwölf private und staatliche Schulen hätten er und seine Frau sich inzwischen angesehen. Ohne Erfolg. "Wir haben einfach viel zu spät vom Aus der Schule erfahren. Jetzt sind wir mit den Nerven am Ende, weil wir keine Schulplätze für unsere Kinder finden."

Bis zur letzten Minute hofften viele Eltern, die Schließung der Schule abwenden zu können. "Wir haben Spenden geboten und günstigere Räume gefunden, damit die Kosten nicht so hoch sind", sagt Lay. Einige Eltern hätten sogar angeboten, die ganze Schule selbst weiterzuführen. Doch der Träger habe all ihre Bemühungen abgelehnt.

Alexa Ahmad weist auch diesen Vorwurf zurück. "Wir haben versucht, die elf Familien, die mit Hilfe eines Vereins die Trägerschaft der Schule übernehmen wollten, zu unterstützen", sagt sie. Am Ende seien allerdings zu viele Eltern doch wieder abgesprungen.

Roland Kern vom Dachverband Berliner Kinder- und Schülerläden, sagt, er hätte den Eltern ohnehin abgeraten, die Schule selbst weiterzuführen. Sowohl die Mietkosten, als auch die Personalkosten seien viel zu hoch gewesen. "Die Familienservice GmbH hatte ein 'Rundum-Sorglos-Paket' für die Eltern im Blick. Angesichts der tatsächlichen finanziellen Möglichkeiten führte das zum Aus der Schule", sagt Kern. Auch er kritisiert, dass die Schule die Eltern viel zu spät über die schwierige Lage informiert hat. "Das war das Grundproblem."