Partnervermittlung

Liebe in Zeiten der Patchwork- Familie

Einen Partner zu finden, ist gar nicht so einfach - erst recht nicht, wenn Kinder da sind. Eine Berlinerin verkuppelt Alleinerziehende

"Die Liebe ist ein lebenslanges Thema", sagt Sabine Bächer, "und auch wer schon erlebt hat, dass der Traum von einer gemeinsamen Zukunft geplatzt ist, hört doch nicht auf zu suchen." Die 37-Jährige weiß, wovon sie spricht. Sie ist Inhaberin und Geschäftsführerin des fünf Monate alten Dating-Portals "match-patch".

Das Internet ist für viele längst nicht mehr nur Arbeitswerkzeug oder eine Möglichkeit zur Information, sondern auch ein Ort, um andere Menschen kennenzulernen - oder sogar eine neue Liebe zu finden. Jeder vierte Internetnutzer in Deutschland hat laut einer aktuellen Umfrage des Hightechverbands Bitkom schon Erfahrungen mit Online-Dating gemacht. Dementsprechend groß ist auch der Markt. Sabine Bächer wollte sich davon abheben und "ein spezielles Angebot machen für Menschen mit Familiensinn". Das Dating-Portal richtet sich an Singles, die entweder bereits Familie haben oder die sich eine wünschen. "Wer schon Kinder hat oder eine Familie gründen möchte, hat meist ernsthafte Absichten und genaue Vorstellungen, die er auch formuliert", so Sabine Bächer.

Alleinerziehend zu sein ist in ihrem Portal absolut kein Stigma, im Gegenteil: Bei match-patch ist es sogar Voraussetzung, dass die Mitglieder sich vorstellen können, in einer Familie mit Kindern zu leben. Viele von ihnen haben Kinder, die nicht permanent bei ihnen leben. Zum Beispiel Arnd Rose. Der 33-jährige Produktmanager sucht zurzeit über match-patch eine Partnerin, die das Thema Familienplanung, so wie er, schon abgeschlossen hat. Er selbst lebt seit zwei Jahren von seiner Ex-Frau getrennt, mit der er zwei Kinder hat.

Im Schnitt 19 Monate Partnersuche

"Ich kann mir gut vorstellen mit einer Frau zusammenzuleben, die bereits Familie hat", sagt er, "aber weitere gemeinsame Kinder, das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen." Bei der Suche nach einer Partnerin möchte er offen mit dem Thema Familie umgehen. "Denn das ist der Punkt, an dem ich schon einmal verletzt wurde, meine Achillesferse." Seine dreijährige Tochter und seinen vierjährigen Sohn sieht er nur alle zwei Wochen. "Das ist nicht schön, diese Erfahrung, wie die eigene Familie zerbricht, der Traum von einer gemeinsamen Zukunft, das möchte ich nicht noch einmal erleben."

Damit, dass die ursprünglich geplante Familienkonstellation nicht immer ein ganzes Leben lang hält, müssen sich viele Menschen auseinandersetzen. Jede zweite Ehe in Deutschland, so die Zahlen des Statistischen Bundesamtes, wird mittlerweile wieder geschieden.

Sabine Bächer hat in ihrem Portal zahlreiche Mitglieder, die eine Trennung hinter sich haben. Auf dem Portal beziehen die meisten deutlich Stellung zu dem Thema. Das wissen die Mitglieder zu schätzen. "Das Gewässer, in das ich meine Angel halte, dessen Fisch fange ich auch", sagt Arnd Rose. Das Nachtleben habe er hinter sich gelassen, "Nachteulen" oder "Partyvögel" möchte er auch gar nicht an Land ziehen, wie er sagt. Sein Motto lautet: Carpe diem. "Ich mag es, an einem Sonntag früh aufzustehen, zu frühstücken und, wenn das Wetter gut ist, gleich raus zu gehen und etwas zu unternehmen." Die Partnerin an seiner Seite sollte wie er sportlich und auch beruflich aktiv sein. Arnd Rose sagt, er gehe "fokussiert" an das Thema ran. Für ihn soll die Suche nach der Liebe keine lebenslange sein. "Ich kenne Menschen, die suchen seit Ewigkeiten einen Partner und sind in ihrer Freizeit mit nichts anderem beschäftigt. Abends von der Arbeit nach Hause kommen, mich wieder stundenlang vor den Computer setzen und dann nur zum Date rausgehen, das möchte ich nicht."

Trotz der oft zielgerichteten Suche findet sich aber auch in Dating-Portalen der geeignete Partner in der Regel nicht von heute auf morgen. Im Schnitt dauert die Partnersuche 19 Monate, wie eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap belegt. Sabine Bächer ist aber optimistisch: "Die meisten User finden letztendlich einen Partner." Bevor der oder die Richtige gefunden ist, würden meist viele Kontakte geknüpft und wieder beendet. "Man macht eine bestimmte Lernkurve durch", sagt Rose. Ihm fällt die erste entscheidende Kontaktaufnahme per E-Mail noch schwer. "Was schreibe ich über mich und welche Fragen stelle ich?", frage er sich. "Am besten ist es, die Mail kurz und knackig zu formulieren", rät Expertin Sabine Bächer. "Bloß keine Romane schreiben."

Wenn der Online-Kontakt dann zum Offline-Date wird, zeigt sich, ob der im Internet als passend befundene potenzielle Partner in der nicht virtuellen Realität auch wirklich das Herz höher schlagen lässt. Um Enttäuschungen zu vermeiden, weil man sich trotz scheinbarer Übereinstimmungen ganz einfach nichts zu sagen hat, sollte man vor dem ersten Date telefonieren, rät Sabine Bächer. "Wenn das Telefongespräch gut läuft und länger als wenige Minuten dauert, ist das schon mal ein gutes Zeichen."

Rose stimmt ihr zu. Er kenne die Anspannung vor dem ersten Treffen, hinter der immer die Frage stehe: "Ist die Suche jetzt beendet?" Inzwischen könne er besser damit umgehen: "Ich gehe nicht mehr mit diesem Leistungsdruck zu einer Verabredung, dass aus diesem Kontakt etwas werden muss. Manchmal hat man eben einfach nur ein nettes Gespräch und weiß eigentlich gleich, dass man sich nicht wieder sehen wird."

Herz und Bauch entscheiden lassen

Auf der match-patch-Website ist die Verbindung von Off- und Online-Welt der Liebessuchenden wie folgt illustriert: Auf einer Parkbank sitzen ein Mann und eine Frau mit aufgeklappten Laptops, die Rücken einander zugewandt. Über ihnen der schussbereite Amor. Ob sein Pfeil ihre Herzen treffen wird, ist noch nicht ausgemacht. Das zeigt: Ob man sich nun im Café oder über ein Dating-Portal kennenlernt - nicht der Verstand entscheidet darüber, ob man sich verliebt oder nicht, sondern Herz und Bauch.

Sabine Bächer wurde übrigens zur Expertin, nachdem sie selbst über ein Jahr lang in unterschiedlichen Dating-Portalen nach dem Mann fürs Leben gesucht hatte. Das war vor der Gründung von match-patch. Sie erinnert sich: "Ich war neu in Berlin und Anfang 30, da geht man ja nicht mehr jeden Abend aus. Eine Kollegin hat mir geraten, mich bei einem Dating-Portal anzumelden. Und dann ging es los mit den Enttäuschungen." Den einen oder anderen Frosch habe sie damals getroffen, keiner wollte sich als Traumprinz entpuppen. Bis sie dann nach über einem Jahr keine Lust mehr hatte - und prompt ihren heutigen Partner traf.

"Man möchte das ja alles planen, aber es kommt dann doch meist anders als man denkt", sagt sie. Der Mann, in den sie sich schließlich verliebte, war geschieden und hatte einen Sohn. Sabine Bächer ist sich sicher: "Wenn mich vorher jemand gefragt hätte, ob ich mir das vorstellen kann, einen Partner mit Kind, ich hätte 'Nein' gesagt." Inzwischen ist sie mit dem Mann seit drei Jahren zusammen. Und weiß: "Wenn man sich verliebt, ist man auch bereit, Bedenken zu überwinden. Mir ist einfach klar geworden, dass sein Kind ja ein Teil von dem Mann ist, den ich liebe."