Interview

Was Vorsorgeangebote in Kurkliniken bewirken können

Der Forschungsverbund Familiengesundheit an der Medizinischen Hochschule Hannover betreibt seit 15 Jahren praxisbezogene Forschung und Konzeptentwicklung mit dem Ziel, die Qualität und Wirksamkeit von Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen für Mütter, Väter und Kinder zu verbessern.

Dana Stauske sprach mit Friederike Otto, der wissenschaftlichen Leiterin des Verbundes.

Frau Otto, wer macht eine Mutter-Vater-Kind-Kur?

Erschöpfte, überbelastete und erkrankte Mütter und Väter, durchschnittlich sind sie 38 bzw. 45 Jahre alt und haben zwei Kinder im Haushalt. Statistisch gesehen, nehmen 1,4 Kinder davon an der Kurmaßnahme teil. Zum Vergleich, bevölkerungsstatisch haben Frauen 1,3 Kinder in Deutschland. Mit der Kinderanzahl steigt die Belastung der Mütter und Väter.

Welche Krankheiten haben Mütter, Väter und Kinder, die eine Kur beantragen?

An erster Stelle stehen Burn-out und Erschöpfungszustände sowie unspezifische Rückenschmerzen, die sich chronifizieren. Zugenommen haben psychische Beschwerden, wie Angst und Depression sowie Haut- und Atemwegerkrankungen und Übergewicht. Bei Vätern kommen Herz- und Kreislauferkrankungen dazu, wobei bisher noch wenige Daten dazu vorliegen. 80 Prozent der Kinder sind behandlungsbedürftig. Häufig sind Atemwegerkrankungen, Infektanfälligkeiten sowie Verhaltensauffälligkeiten. In der Folge sind die Mütter überanstrengt, schlafen schlecht, nehmen Medikamente, müssen mehr Arzttermine wahrnehmen, die Belastung steigt - ein Kreislauf.

Welche psychosozialen Belastungen sind bei Müttern besonders häufig?

Die Summe ist es. Probleme mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, finanzielle Sorgen, Partnerschafts- und Erziehungsprobleme sowie der Fakt alleinerziehend zu sein, und die damit einhergehenden Lebensumstände wie Isolation und Armut.

Was passiert in einer Mutter-Kind-Kur?

Mütter erfahren eine Entlastung von ihren Haushaltspflichten. Sie werden medizinisch versorgt und erhalten psychosoziale Beratung. Die Mütter tauschen sich untereinander aus und merken, dass sie nicht allein mit ihren Problemen sind. Die Sportangebote sorgen für ein neues Körpergefühl und Entspannung. Wichtig ist hier, dass konkrete Ziele von der Kur mitgenommen werden, wie z.B. die Anmeldung im Fitnessstudio um die Ecke.

Wie wirksam sind die stationären Vorsorgemaßnahmen?

Hochwirksam. Die Krankheitsbelastung wird signifikant reduziert, ebenso die Befindlichkeitsstörungen. In Zahlen ausgedrückt, reduzieren sich die Krankheitstage von neun Tagen vor der Kur auf fünf bis sechs nach der Kur. Arztbesuche sinken von elf auf acht, Kinderarztbesuche von acht auf vier im Halbjahr. Der Konsum von Schlaf- und Schmerzmitteln nimmt ab. Durch die Regeneration und Veränderungen im häuslichen Umfeld gehen psychosoziale Belastungen zurück.

Was empfehlen Sie bei Ablehnung des Kurantrages durch die Krankenkasse?

Unbedingt Widerspruch einlegen und die Kasse um eine Begründung bitten.