Kitajade

Großer Tag für kleine Sportler

Bei der Kitajade treffen sich Kita-Kinder aus ganz Berlin im Olympiastadion zum Sportfest

Foto: Marion Hunger

Bevor Juli auf das kleine Holzklettergerüst steigt, blickt sie sich noch einmal um: "Das sieht toll aus mit den vielen Kindern. Alles ist so bunt." Vor der Sechsjährigen liegt die Rasenfläche des Berliner Olympiastadions. Links und rechts ragen die Ränge hoch hinauf, Musik ertönt. Juli tankt Stadionatmosphäre.

Sie ist zum ersten Mal bei der Kitajade dabei, einer Mini-Olympiade für Kinder. Sie ist begeistert von den vielen sportlichen Aktivitäten, in denen sie sich hier messen kann. Bis zum Tribünenrand am anderen Ende laufen Kinder herum, machen Weitsprung, werfen Bälle, üben sich in Aerobic. Die Aufregung steht den 1700 Kindergartenkindern ins Gesicht geschrieben. Sie verbringen einen ereignisreichen Vormittag im Olympiastadion. Mit mehr als 60 Bussen wurden sie in ihren Kindergärten aus ganz Berlin abgeholt und zum Olympiastadion nach Charlottenburg gebracht. Im Gepäck haben sie nicht nur sportliche Kleidung und jede Menge Proviant, sondern auch Schirmmützen in allen Farben. Denn damit niemand den Überblick verliert, bekommt jede Kindergartengruppe eine eigene Farbe. Manche der T-Shirts sind allerdings ein bisschen zu groß - schließlich sind die jüngsten erst drei Jahre alt.

Teamgeist und Fairplay

Im Stadion angekommen folgen sie großen Ballons in ihrer Gruppenfarbe, getragen von Mitarbeitern, die sie so zu ihren Stationen führen. "Das Wetter ist perfekt", sagt Cheforganisator Samuel Stefani (27). "23 Grad und Sonne - super Sportwetter. Letztes Jahr war es so heiß, dass wir die ganzen Rasensprenger angemacht haben. Die Kinder fanden es natürlich toll." Die werden heute nicht gebraucht. Kurz nach zehn fällt der Startschuss. Bis 11.30 Uhr wird gelaufen, gesprungen und geworfen, dann ist erst einmal Pause.

Zum dritten Mal findet die Kitajade statt. Und jedes Jahr werden es mehr Kindergärten, die sich beteiligen. "Häufig spielt Bewegung bei Kindern viel zu spät eine Rolle", sagt der Initiator der Kitajade und Vizepräsident der Deutschen Olympischen Gesellschaft, Peter von Löbbecke. "Wir wollen schon Kindergartenkindern zeigen, dass Bewegung Spaß macht. Hier gewinnt heute jeder, denn es geht ums Mitmachen. Und darum, möglichst viele Kinder schon früh für den Sport zu begeistern." Vor allem Werte wie Fairplay und Teamgeist hat er dabei im Sinn. Leistungsdruck gibt es keinen heute im Stadion. In sieben "Disziplinen" gehen sie an den Start. Die Stationen sind auf dem Rasen verteilt: Fußball, Balancieren, Werfen, Hürdenlauf, Weitsprung und Aerobic. Und auf der rechten Hälfte des Geländes gibt es riesige, bunte, kreisrunde Schwingtücher, die die Kinder gemeinsam am Saum anfassen. Aus der Hocke heraus heben sie den leichten Stoff hoch über ihre Köpfe Richtung blauen Himmel. Medina (6) aus der Kita Ruhrplatzstraße in Wedding gefällt das, aber noch mehr habe sie das Werfen begeistert: "Ich fand das Schmeißen am besten, weil ich ganz viele Kinder getroffen habe." Damit es heute keine blauen Flecken gibt, wird das Spiel "Ball über den Zaun" mit weichen Stoffbällen trainiert. Beim Weitsprung ist Godvin (5) der Beste. "Ungefähr sechs Meter weit" sei er gesprungen - behauptet er. Sein Freund Mohamed fügt hinzu: "Und ich bin der Schnellste, ich bin schnell wie eine Pferd." Heute werden viele Kinder stolz nach Hause gehen.

Für die Pausen stehen an fünf Stellen im Stadion Wasserbars, an der Kinder und Erzieher ihren Durst löschen können. Für weitere Übungen stehen in der sogenannten Bewegungslandschaft Geräte zum Balancieren. Und dicke Seile zum Tauziehen.

Marianne Kleffe, (62), Erzieherin in der Kita Emdener Straße in Moabit, spielt mit "ihren Kindern" Fußball mit großen Therapiebällen. Sie freut sich nicht nur über das gute Wetter. Für sie ist die Kitajade auch ein kommunikatives Event. "Ich finde es toll, dass wir hier so viele andere Kitagruppen treffen und mal aus dem Kita-Alltag herauskommen." Schon die Fahrt hierher sei für die Kinder, die währenddessen die Spree, die S-Bahngleise und die Schornsteine in Siemensstadt bestaunten, aufregend gewesen. "Und hier haben wir Gelegenheit, einen Teil unserer täglichen pädagogischen Arbeit zu präsentieren. Bewegung ist Voraussetzung für Gesundheit und geistige Entwicklung." Jedem Kind hat sie einen Notzettel in den Strumpf gesteckt, auf den sie Kindergartenname, Adresse und Telefonnummer geschrieben hat - "falls doch mal ein Kind verloren gehen sollte."

Die Mini-Leichtathleten

Im Olympiastadion ist das heute allerdings fast ausgeschlossen, denn der Wettbewerb verläuft geordnet, wie geplant. Nacheinander durchlaufen die Gruppen die Stationen. Zusammengestellt hatte sie Bewegungspädagoge Detlef Müller. Er habe darauf geachtet, Einzelsportarten und Gruppenbewegung zu mischen. "Die Therapiebälle in Bewegung zu halten und zusammen das Schwungtuch zu bewegen stärkt das Gemeinschaftsgefühl", sagt der 55-Jährige. "Kleinkind-Leichtathletik" nennt der Weitsprung und 15-Zentimeter-Hürdenlauf.

Am Ende gibt es für jedes Kind eine Medaille und eine Überraschungstüte. Juli freut sich über beides. Vor allem aber sei es ein schöner Tag gewesen. Sie ist beeindruckt von den vielen Kindern auf einem Platz. "Ich habe schon mal viele Kinder auf einmal in einer Schulklasse gesehen", sagt sie. "Aber so viele Kinder wie hier habe ich noch nie gesehen."