Gleichstellung

Adoptionsrecht für Homo-Paare umstritten

Eine Gleichstellung von Lebenspartnerschaften mit der Ehe im Adoptionsrecht bleibt umstritten.

Bei einer Anhörung des Bundestagsrechtsausschusses über einen entsprechenden Gesetzentwurf der Grünen sprachen Befürworter am Montag von fehlender Gleichstellung homosexueller Paare. Gegner einer Gleichstellung beriefen sich auf den Vorrang des Kindeswohls und den besonderen Schutz der Ehe. Die Grünen wollen das Lebenspartnerschaftsgesetz durch das Recht auf eine gemeinsame Adoption schwuler und lesbischer Paare ergänzen.

Der Leiter der Zentralen Adoptionsstelle der Länder Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Rudolf Bach, äußerte Verständnis für den Wunsch nach Gleichbehandlung. Hierfür sei die Adoption aber ungeeignet. Es gebe weder ein Recht auf Kinder noch auf Elternschaft. Ziel der Adoption sei es, sozialverwaisten Kindern eine neue Familie zu geben. Daher orientiere sich das deutsche Adoptionsrecht allein am Kindeswohl. In einer Studie zu Minderjährigen in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften hätte knapp die Hälfte von Diskriminierungserfahrungen berichtet. Dieser Belastung sollten Adoptivkinder nicht zusätzlich ausgesetzt werden, so Bach. Auch der Bonner Rechtswissenschaftler Klaus Gärditz warnte vor der Gefahr einer sozialen Stigmatisierung. Er hob zugleich den verfassungsrechtlichen "Eheschutz" hervor.

Der Regensburger Notar Herbert Grziwotz forderte hingegen ein Fremdadoptionsrecht auch für Lebenspartnerschaften. Die Einführung der Stiefkindadoption sei eine "Halblösung". Die fehlende Rechtsstellung widerspreche der übernommenen Verantwortung für das Kind und dem Kindeswohl. Wesentlich sei das Bedürfnis des Kindes nach einer stabilen Beziehung. Dabei sei die sexuelle Orientierung der Adoptiveltern zweitrangig. Einer möglichen Diskriminierung durch Mitschüler seien auch andere Adoptivkinder ausgesetzt. Der Überzeugung, dass innerfamiliäre Beziehungen und nicht das Geschlecht der Adoptiveltern für die Entwicklung des Kindes wesentlich seien, ist auch die Bonner Familienrechtlerin Nina Dethloff. Daher könne sich eine Ungleichbehandlung nicht auf das Kindeswohl stützen und widerspreche der Verfassung. Dem Kind entgehe durch das Verbot auch eine mögliche soziale Absicherung durch beide Lebenspartner.

Der Bonner Diplompsychologe Notker Klann verlangte vor einer gesetzlichen Regelung verlässliche Studien über die Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Eine Erhebung der Universität Bamberg im Auftrag des Bundesjustizministeriums, auf die sich auch andere Fachleute beriefen, sei für die anstehende Frage nicht belastbar, so Klann. Das gelte umso mehr, als nur bei 13 der befragten 625 Paare eine Fremdadoption vorgelegen habe. Der Heidelberger Verfassungsexperte Bernd Grzeszick empfahl dem Gesetzgeber, vor einer Initiative eine eindeutige Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts abzuwarten. Dieses sei in der Frage derzeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Senat gespalten.