Schüler tun Gutes

Nachbarschaftshilfe

Wenn Toralp (16) und Kevin (17) dienstags in die evangelische Trinitatis-Kirche am Karl-August-Platz gehen, tun sie das nicht zum Beten, sondern um Gemüse zu sortieren und Kisten zu schleppen.

Foto: Marion Hunger

Sie sind ehrenamtliche Helfer in der Charlottenburger Lebensmittelausgabestelle von Laib und Seele, einer Aktion der Berliner Tafel, der Kirchen und des RBB. Gegen einen Euro erhalten Bedürftige dort Lebensmittel, die Geschäfte ausgemustert haben. "Jede Woche kommen mehr als 300 Personen zu uns", sagt Koordinatorin Käthe Eckerle. "Da freuen wir uns über jede helfende Hand."

Toralp und Kevin, Schüler der Helen-Keller-Schule im Eichkamp, sind über die Unterrichtsmethode "Service Learning" zu ihrem Dienst gekommen. Im Rahmen des Fachs Arbeitslehre müssen die Schülerinnen und Schüler verpflichtend drei soziale Dienste pro Schuljahr leisten. "Ich war schon in einer Kita und einer Gartenarbeitsschule", erzählt Kevin. Toralp arbeitete ebenfalls in der Kita sowie in einem Alten- und Pflegeheim. Den Kumpels, die kurz vor ihrem erweiterten Hauptschulabschluss stehen, gefällt es gut, mal richtig anzupacken. Und sie werden angespornt, sich in ihren angestrebten Berufen als IT-System-Mechatroniker und IT-System-Kaufmann anzustrengen. "Ich glaube nicht, dass ich mal auf der anderen Seite stehe", sagt Kevin, bevor er einen Salatkopf in der Schlange vor der Gemüseausgabe reicht.

"Wir wollen unseren Schülern Praxisbezug vermitteln und gleichzeitig ihre sozialen Kompetenzen stärken", sagt Renate Rosenbaum, die das Service Learning an der Helen-Keller-Schule seit sechs Jahren leitet. Der Plan ist aufgegangen. Regelmäßig erlebt die Lehrerin, wie aus Schülern mit Null-Bock-Haltung äußerst engagierte Helfer werden. "Sie erkennen, dass ihre Tätigkeit Sinn hat, und bekommen eine ganz neue Sicht auf andere gesellschaftliche Gruppen." Dies helfe, Berührungsängste und Vorurteile abzubauen, Einsatzbereitschaft zu entwickeln und Kompetenzen wie Zuverlässigkeit und Kommunikationsfähigkeit zu schulen.

Ganz wichtig sind der Lehrerin zudem zwei weitere Aspekte, die das Service Learning vermitteln kann. "Jeder kann in eine Situation kommen, in der er Hilfe braucht", betont sie. "Und wer Hilfe gibt und sich engagiert, erhält Wertschätzung und Anerkennung." Sagt sie und strahlt, als sie hört, wie Kevin und Toralp gelobt werden.