Familienforum Charlottenburg-Wilmersdorf

Redezeit für Familien

Beim regelmäßigen Familienforum wird über Kinderfreundlichkeit und Infrastruktur diskutiert

Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER

Bodo Schmitt (44) tollt mit seiner zweijährigen Tochter Lina auf dem Spielplatz am Haus der Familie in Charlottenburg herum. Sie sind gekommen, um am Familienforum in ihrem Kiez teilzunehmen. Schmitt ist CDU-Fraktionschef in der Bezirksverordneten-Versammlung in Charlottenburg-Wilmersdorf und lebt hier. "Das Angebot ist gerade für Familien sehr vielfältig." Abgesehen von Lina hat er noch zwei weitere Kinder, sie sind sieben und zwölf Jahre alt und leben ebenfalls in Charlottenburg-Wilmersdorf. Als Vater einer großen Patchworkfamilie sollte die Infrastruktur des Bezirks das Leben zwischen den zwei Wohnungen erleichtern.

Aber abgesehen von Entlastungen für seine persönliche Lebenssituation wünschte sich der Familienvater gute Einkaufsmöglichkeiten und Schulen, Spielplätze und Grünflächen. Das alles gibt es in seinem Kiez. "Wir fühlen uns in Charlottenburg sehr wohl", sagt er. Und mit "wir" meint er auch seine Ehefrau, Heike Schmitt-Schmelzer. Sie ist die Mutter von Lina und außerdem im Bezirk für die SPD für Familienfragen zuständig. Zu Hause bei den zwei Politikern, in der Wohnung der "Großen Koalition", kommt es schon mal zu Meinungsverschiedenheiten familienpolitischer Art. Ernsthafter kann man Familienpolitik wohl nicht betreiben.

Ergebnisse in die Politik einbringen

Auch deshalb sind die Schmitts beim "Familienforum Charlottenburg-Wilmersdorf" dabei. Der Familienbeirat hatte eingeladen, um in einer offenen Diskussion über Themen zu sprechen, die die Menschen im Kiez bewegen.

Vor dreieinhalb Jahren wurde der Berliner Beirat für Familienfragen als ehrenamtliches und überparteiliches Gremium vom Senat berufen und soll Politik, Verbände und Organisationen in allen Fragen beraten, die für Familien relevant sind. Zudem soll er für die Interessen von Familien eintreten. Wobei laut dem Vorsitzenden, Peter Ruhenstroth-Bauer, mit Familie "alle Menschen, die füreinander sorgen", gemeint sind. Das Familienforum, das in regelmäßigen Abständen in den verschiedenen Berliner Bezirken veranstaltet wird, sollte von Beginn an ein "Ort für Dialog und Gemeinschaft" sein. Die Teilnehmer sollen dabei auch Menschen aus dem eigenen Bezirk kennenlernen und gemeinsam Ideen für Veränderungen zu einem noch familienfreundlicheren Kiez entwickeln. Der Berliner Beirat für Familienfragen dokumentiert die Ergebnisse und will sie "in Politik, Verwaltung und Organisationen einbringen und zur Diskussion stellen", so Ruhenstroth-Bauer.

Auch im Haus der Familie in Charlottenburg wird wieder einmal engagiert diskutiert. Über Spielplätze, Freizeitangebote, Schulen, familien(un)freundliche Arbeitgeber. Am Ende stehen vor allem zwei Wünsche im Raum: der nach mehr Angeboten für Jugendliche beziehungsweise für Familien mit Kindern unterschiedlichen Alters - aber unter einem Dach - sowie Spielgeräte und Verweilmöglichkeiten auf öffentlichen Plätzen. Die freie Grünfläche am Bahnhof Messe Nord könne doch zum Abenteuerspielplatz umgebaut werden, wird vorgeschlagen. Ruhenstroth-Bauer findet: "Man merkt, dass die Leute eine starke Bindung zu ihrem Kiez haben, zu ihrer Stadt. Sie haben ein Interesse daran, dass ihre Umgebung lebenswert und familienfreundlich ist." Bodo Schmitt wünscht sich eine bessere Nachmittagsbetreuung für Kinder und mehr Angebote von Jugendfreizeitheimen. "Ich weiß, dass das aus finanziellen Gründen schwierig umzusetzen ist", sagt er. "Aber es kann doch immer mehr sein."

Mandat noch bis Herbst

Alle Beiträge, ob Lob oder Kritik, werden schriftlich festgehalten. "Das Familienforum wird von vielen als wohltuend empfunden, Familien fühlen sich ernst genommen", sagt Ruhenstroth-Bauer. Wenn bei anderen Veranstaltungen über Politik vor Ort gesprochen wird, würden meist nur Missstände beklagt. "Das kann schon recht deprimierend sein und bringt nicht weiter." Beim Familienforum sei das anders: "Da wird auch vieles genannt, was gut läuft im Bezirk." Diese Positivbeispiele könnten dann auch interessant für andere Bezirke sein. Viele Vorschläge vergangener Familienforen finden sich im "Familienbericht 2011" wieder, den der Beirat für Familienfragen Anfang des Jahres dem Regierenden Bürgermeister überreichte. "Das zeigt: Partizipation ist möglich!", sagt Ruhenstroth-Bauer. Die Ergebnisse wurden schon in Ausschüssen und im Plenum diskutiert. Und zum Teil umgesetzt: Zurzeit wird an dem von vielen gewünschten Onlineportal für Familienthemen gearbeitet. Das Mandat des Familienbeirats gilt noch bis zum Ende dieser Legislaturperiode im Herbst. Wie es dann weiter geht, steht noch nicht fest.