Interview

3 Fragen zum Coming-Out

In Berlin gibt es mehrere Beratungseinrichtungen für homosexuelle Jugendliche und deren Eltern. Eine davon ist die Schwulenberatung Berlin. Mit Geschäftsführer Marcel de Groot sprach Anne Klesse.

Berliner Morgenpost: Wie sagt man seinen Eltern, dass man homosexuell ist?

Marcel de Groot: Das hängt immer davon ab, wie das Verhältnis zwischen Eltern und Kind ist. Ist es ein offenes, in dem über Freundschaften und Sexualität gesprochen wird, kann man vielleicht einfach sagen: 'Papa, Mama, ich habe festgestellt, dass ich nicht auf Mädchen, sondern auf Jungen stehe.' Ist das Elternhaus aber streng religiös, dann kann das Coming-Out sogar zu einem Bruch mit den Eltern führen. Man könnte eine Vertrauensperson - einen Freund oder einen Onkel beispielsweise - um Rat und Beistand fragen. Sicher ist: Für die meisten Jugendlichen ist ihr Coming-Out ein einschneidendes Erlebnis. Und letztendlich hört das Outing nie auf: Sie werden immer wieder vor der Entscheidung stehen, am Arbeitsplatz, im Altenheim usw., offen mit ihrer Homosexualität umzugehen oder nicht.

Berliner Morgenpost: Und wie reagieren Eltern richtig?

Marcel de Groot: Das Wichtigste ist: Zeit lassen, nicht zu viel erwarten. Auch nicht von sich selbst. Viele Eltern sind erst einmal geschockt, müssen sich auf die neue Situation einstellen. Vorurteile und Halbwissen schwirren im Kopf herum, da ist die Enttäuschung darüber, keine Enkel zu bekommen usw. Auch für Eltern kann das Outing des Kindes eine Krisensituation darstellen. Am besten ist es, die neue Information sacken zu lassen und später noch einmal ruhig miteinander zu sprechen.

Berliner Morgenpost: Sollten Eltern ihr Kind darauf ansprechen, wenn sie vermuten, dass er oder sie homosexuell ist?

Marcel de Groot: Wenn Eltern und Kind ein offenes, vertrautes Verhältnis haben, kann es eine Hilfe sein, das Thema anzusprechen und Ängste zu nehmen. Manche Jugendliche wissen mit zwölf, dass sie homosexuell sind. Andere sind 60 Jahre alt, bis sie dazu stehen können, weil sie ihrem Schwulsein keinen Platz im Leben geben konnten oder wollten.

Schwulenberatung Berlin, Mommsenstr. 45 (Charlottenburg), Tel. 233 690 70 www.schwulenberatungberlin.de