Kinderfernsehen

Cowboy Klaus lernt das Laufen

Bislang nur im Buch, jetzt auch im Kinderfernsehen: Jim Knopf & Co. bekommen liebenswerte Konkurrenz

Foto: Amin Akhtar

Cowboy Klaus ist eine Kinderbuchfigur. Er lebt gemeinsam mit dem Schwein Lisa und der Kuh Rosi auf der Ranch "Kleines Glück" - weit draußen in der Prärie. Eher einsam hier. Trotzdem passiert so allerhand auf seiner Ranch. Mal kriegt er Besuch von gackernden Hühnern, mal rasiert er den dichten Kakteenwald, der die Farm schützend umgibt. Doch dieser Tage geschieht etwas ganz Neues, das hat es noch nie gegeben. Cowboy Klaus betritt von der Veranda seiner kleinen Farm aus den roten Teppich. Denn: Cowboy Klaus wird jetzt ein Fernsehstar. Genauso wie Lisa, Rosi und Mari-Hatschi.

Morgen läuft in der "Sendung mit der Maus" der erste von drei Kurzfilmen: "Cowboy Klaus und das pupsende Pony". Wer den Band aus dem Berliner Tulipan-Verlag kennt, weiß, dass besagtes Pony wirklich heftig pupst. Es klingt schon im Buch wie ein Trabi mit Vergaserproblemen. "Phruuht, Pött, Pött, Pött!" Kinder lieben so etwas.

Natürlich - schon manche Kinderbuchfigur diente als Vorlage für Trickfilme oder Trickfilmserien. Auf KIKA laufen sie rauf und runter: Nils Holgerson, Pippi Langstrumpf, Jim Knopf. Nicht zu vergessen Janosch und seine Tigerente. Erstaunlich am Cowboy-Klaus-Erfolg ist: Diese Bücher sind eigentlich für Leseanfänger gedacht. Erstlesebücher.

Spannung statt Schlaftablette

Kein Kinderbuch-Segment lässt bücherinteressierte Eltern so schnell verzweifeln wie Erstlesebücher. Was unter diesem Label alles verkauft wird, reicht aus, um Kindern lebenslang das Lesen zu verleiden. Langweilige Geschichten, langweilige Sprache, lieblose Bilder sind Standard. Die großen Verlage zwingen ihre Autoren - egal wie prominent sie sind - meist in ein Simpelsprachkorsett, um die kindlichen Neuleser nicht zu überfordern. Die Sätze müssen kurz, der Inhalt muss schlicht gehalten sein. Die Folge? Kinderbücher wie Schlaftabletten. Bald schon landen sie auf dem Flohmarkt oder im Müll. Literarische Ramschware, die niemand liebt.

Bei "Cowboy Klaus" ist das anders. Der kleine Kerl wird geliebt - von Kindern genauso wie von Eltern oder Lehrern. Die Bücher haben Witz, sie spielen mit Sprache, die Geschichten sind spannend. So treibt sich im Wilden Westen der fiese Fränk herum, ein Bandit erster Klasse. Oder der Indianer Bitte-Recht-Freundlich. Und all diese Figuren sind liebevoll gezeichnet, mit viel Charme und lustigen Details. Grund genug, die Erfinder von Cowboy Klaus aufzusuchen. Wer steht dahinter? Wer schreibt? Wer zeichnet?

Auf dem Treppenabsatz vor der Altbauwohnung in Kreuzberg steht ein hoher Kaktus mit mehreren Armen, wie man ihn von der Farm "Kleines Glück" kennt. Eva Muszynski lehnt grinsend in der Haustür: "Hoch, was?" Sie ist die Autorin von Cowboy Klaus. Doch während der in der flachen Prärie lebt, die blauen Berge schimmern in weiter Ferne, müssen hier vier Etagen ohne Fahrstuhl bestiegen werden.

Drinnen wartet Karsten Teich, der Zeichner, der Cowboy Klaus und den anderen Figuren ihr Aussehen gibt. Die beiden leben und arbeiten gemeinsam in dieser Wohnung, beide ursprünglich Grafiker, auch Eva Muszynski zeichnet noch viel. Cowboy Klaus ist nicht ihr einziges Kinderbuch, bei weitem nicht. Aber er hat das Zeug, zum Kinderstar zu werden, weil hier einfach vieles stimmt.

Warum ausgerechnet Cowboy? "Alle machen Piraten, wir nicht", haben sie sich beim ersten Band gesagt. Captain Sharky, Fluch der Karibik - der Totenkopf war um 2007 allgegenwärtig. Also haben die beiden antizyklisch gedacht. Wofür interessiert sich gerade kein Kind? Cowboys und Indianer. Ein Wagnis, das sich gelohnt hat.

Für Jungs und auch für Mädchen, die nicht auf der Prinzessin-Lillifee-Wolke schweben, ist Cowboy Klaus eine gute Figur. Ein richtiger kleiner Kerl. "Jeder neue Band fängt mit einem guten Essen im Restaurant an", erzählt Eva Muszynski. Da wird das Thema festgelegt: Angst, Mut, Freundschaft, Anderssein, Fürsorge. Der Text entsteht, dazu erste Buntstift-Zeichnungen von Karsten Teich. "Ich werfe viel weg", sagt er. Er sucht eine Weile, bis das richtige Bild auf dem Papier erscheint, bis die Figur sitzt. "Und ich hole viele seiner Zeichnungen aus dem Papierkorb wieder raus", ergänzt Eva Muszynski.

Jeder Band wird von ursprünglich sechzig, siebzig oder mehr Seiten auf circa zwanzig Doppelseiten heruntergekürzt. Das schwierige Aussortieren findet an einem langen Tapetentisch statt, der im Arbeitszimmer der Autorin steht. Da fällt dann auch mal ein Nebenstrang der Handlung weg, damit die Sache rund bleibt.

Und wie ist es nun, Cowboy Klaus bewegt zu sehen? Noch sind die drei Filme unter Verschluss, geheim, geheim. Nur das Autorenpaar durfte ein Blick darauf werfen. Nicht sie haben die Bücher filmisch umgesetzt, sondern eine Produktionsfirma in Köln. Sie hätten selbst gar keine Zeit dafür gehabt. Aber man sieht den glücklich erleichterten Gesichtern der beiden an, dass sie die Adaption für gelungen halten. "Die Filme machen Spaß", versichert Karsten Teich und nimmt einen Schluck Kaffee aus seiner Sponge-Bob-Tasse. Man merkt, die beiden sind Comicfans.

Den richtigen Ton gefunden

Die Leichtigkeit, die die Cowboy-Klaus-Bücher haben, ist - glaubt man den Autoren - in die neuen Filme übertragen worden. Eine gelungene Mischung aus Witz und Schnelligkeit bieten sie, aber auch mal stehende Bilder - anders als die Disney-Comic-Filme wie Shrek oder Ratatouille, die Kinder auf eine Art optische Achterbahn schicken und die kleinen Zuschauer einem Witzdauerbeschuss aussetzen. Die drei Filme für die "Sendung mit der Maus" dagegen geben den Kindern genug Zeit zum Durchatmen. Und die Stimmen? "Passen", sagen die beiden. Cowboy Klaus, ein Wesen zwischen Kind und erwachsenem Mann, hat den richtigen Ton gefunden.

Dem Autorenpaar ist klar, dass Cowboy Klaus durch die kleinen Filme sehr viel bekannter werden könnte als bislang. "Jetzt ist er ja noch eine Art Geheimtipp", sagt Karsten Teich. Eine Buchreihe, die gerade von Buchhändlern und Lehrern gefördert wird und so zunehmend Verbreitung erfährt. Alle Bücher haben diverse Auflagen erreicht. Wird es nach der Ausstrahlung einen regelrechten Boom geben? "Wir hoffen, dass sich das auf die Bücher auswirkt. Das Lesen steht für uns im Vordergrund", sagt Eva Muszynki. Der Film als Vehikel zur Leselust.

Aber ein bisschen unheimlich ist ihnen der möglicherweise bevorstehende Ruhm auch. "Wir können nur einen Band im Jahr machen, höchstens zwei. Mehr wollen wir auch gar nicht", sagt Karsten Teich. Denn tatsächlich - bislang ist noch kein neuer Band qualitativ abgefallen. Auch der neue "Cowboy Klaus und Otto der Ochsenfrosch" wird wieder gut. Das Buch liegt fertig getextet und fast fertig gezeichnet auf dem Schreibtisch von Karsten Teich. Doch was tun, wenn alle plötzlich alles von Cowboy Klaus wollen? Tassen, Bettwäsche, Federmäppchen, Schulranzen mit Cowboy Klaus-Motiven. "Bislang haben wir alles abgelehnt", sagt Eva Muszynski. Es wirkt nicht so, als wollten sie diese Haltung so schnell aufgeben.

Was würde Cowboy Klaus raten in solcher Lage? Abwarten. Sonnenbrille auf, Sporen an, Glücks-Gürtelschnalle dazu, eine Limonade oder ein Bier in die Hand, auf dem Kreuzberger Balkon ausharren, was passiert. Morgen läuft Cowboy Klaus zum ersten Mal im Fernsehen, das Autorenelternpaar kann jetzt nur noch von Ferne zuschauen, wie er sich schlägt. Für die Kinder aber - diese Voraussage sei gewagt - ist diese kleine Verfilmung ein großes Glück.