Straßenverkehr

Lackschaden durch Kinderrad: Eltern haften nicht immer

Eltern dürfen auch kleine Kinder im Straßenverkehr zu Selbstständigkeit erziehen, ohne dass sie bei Schadensfällen gleich haftbar sind.

Mit dieser Begründung wies das Amtsgericht München die Klage einer Autofahrerin ab, die vom Vater eines fünfjährigen Mädchens 1350 Euro für Schrammen an ihrem Auto wollte. Dem Kind war vor seinem Kindergarten das Fahrrad umgefallen, die Stange mit dem Sichtfähnchen zerkratzte die Türen der Limousine. Den Schaden sollte der Vater ersetzen, weil er das Kind habe alleine vorfahren lassen und damit seine Aufsichtspflicht verletzt habe - eine Regulierung über die Versicherung versuchte die Klägerin erst gar nicht.

Das Amtsgericht wies die Forderung zurück. Zwar müssten nicht-schulpflichtige Kinder im Straßenverkehr beaufsichtigt werden. Im vorliegenden Fall sei das Kind aber bereits zwei Jahre mit dem Fahrrad zum Kindergarten gefahren, ohne dass etwas passiert sei. Deshalb sei es keine Pflichtverletzung gewesen, das Kind alleine vorfahren zu lassen. Das Gericht bewertete es zudem als Teil der Erziehungspflichten der Eltern, Kinder zu selbstständigen und verantwortungsbewussten Verkehrsteilnehmern zu erziehen. Kindern müssten Freiräume haben, um Gefahrensituationen erkennen und meistern zu können. Außerdem sei das Fahrrad im Getümmel umgefallen, dies hätte der Vater auch in Sichtkontakt nicht verhindern können. Niemand könne verlangen, dass "permanent ein Elternteil die Lenkstange des Kinderrades hält".