Soziales

Studie: Viele Familien fürchten den materiellen Abstieg

Obwohl in immer mehr Familien beide Eltern arbeiten, fürchten viele den materiellen Abstieg. Das geht aus einer Studie der Expertenkommission Familie der Bertelsmann Stiftung und einer TNS Emnid-Umfrage im Auftrag der Kommission hervor.

Danach haben sich zwei Drittel der Bürger vom Familienmodell mit einem männlichen Alleinverdiener längst verabschiedet. Doch fürchten viele laut Umfrage zugleich, dass auch das Doppelverdiener-Modell eine Familie langfristig nicht absichert. Fast jeder Zweite rechnet damit, im Alter vom Staat abhängig zu werden. Jeder Dritte glaubt sogar, dass dies schon in naher Zukunft passieren wird. Unter den Alleinerziehenden ist die Angst noch größer.

Die Kommission, der unter anderem die früheren Familienministerinnen Renate Schmidt (SPD) und Rita Süssmuth (CDU) angehören, führt diese Entwicklung maßgeblich auf die stark angestiegene Teilzeit-Arbeit und die 400-Euro-Jobs zurück. Während erwerbstätige Mütter noch 1996 zu 48 Prozent Vollzeit arbeiteten, waren es 2009 nur 27 Prozent. Der Teilzeit-Anteil stieg entsprechend auf 73 Prozent. In 400-Euro-Jobs, in denen keine Rentenansprüche erworben werden, arbeiten ebenfalls überwiegend Frauen. Die Zahl der Mini-Jobs ist in den letzten sieben Jahren um 27 Prozent auf über sieben Millionen gestiegen. Die Familienkommission bezeichnete diese Entwicklung als dramatisch. Die Vorsitzende der Familienkommission und stellvertretende Vorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Liz Mon, erklärte, erwerbstätige Mütter bräuchten mehr Vollzeit- oder flexiblere Teilzeitstellen, um der Altersarmut zu entgehen. Laut Emnid-Umfrage sprechen sich 95 Prozent der Befragten für zusätzliche Kinderbetreuungsangebote aus, damit Beruf und Familie besser zu vereinbaren sind.