Gesundheit

Lachen ist der Schlüssel zum Herzen

Gelächter hilft gegen Schmerzen und Angst, und es macht das Leben einfach schöner. Wer das am besten weiß? Clowns - und Kinder

"Kommt ein Clown in die Kinderklinik..."

Natürlich ist das der Anfang eines Witzes, und am Ende werden alle lachen. Die kranken Kinder, ihre gesunden Geschwister und die Eltern. Paul Kustermann, 55, hat Kinderlachen schon immer experimentell untersucht, das bringt der Beruf mit sich. Er ist der dienstälteste amerikanische Clown in Prenzlauer Berg, wie er stolz sagt. Seit 1996 auch in Berliner Krankenhäusern. Er ist einer von 28 Clowns der "Roten Nasen" in Berlin, die regelmäßig kranke Kinder in den Kliniken besuchen, um Spaß zu machen. 175 Kollegen sind im "Dachverband Clowns für Kinder im Krankenhaus Deutschland e.V." organisiert.

In Dienstkleidung (rote Nase, Brille, Cap oder Hut) ist "Paule" der Clown "Willi, Seine Eiligkeit". "Kleinere Kinder, die gerade die Sprache entdecken, lieben Reime und Wortspiele. Oder ich sage zum Beispiel: Guck, dein Toaster ist gar nicht zu gebunden! Dann lacht das Kind und ruft: Gar nicht! Das ist doch ein Schuh!"

Willi bringt Kinder zum Lachen, Paule muss nach seinen Krankenhausauftritten manchmal lange nachdenken und traurig sein: "Das sind so extreme Schicksale. Es ist immer die letzte Begegnung, die man hatte, die einen am meisten rührt. Aber die Figur Willi hilft mir. Ich weiß ja, ich bin nicht als Person gefragt, sondern als Hoffnung. Lachen ist für diese Kinder wie ein Fenster, das man aufmacht."

Die Älteren, zwischen acht und zehn Jahren, lieben seine Witze über Hierarchien und Dominanz. "Gerade, wenn sie im Krankenhaus liegen. Da sind auf einmal so viele Menschen, Schwestern, Ärzte, die über das Kind verfügen. Und dann kommt der Clown und steht noch unter ihm und macht sowieso nur Quatsch - das macht ihnen dann Mut."

Auf dem Campus Benjamin Franklin in Schöneberg gibt es die Klinik für Neurochirurgie. Die Clowns sind häufiger dort. Sie haben dort einen Patienten kennengelernt, einen Jungen von fast 14 Jahren, der durch eine Rückenmarkserkrankung im Rollstuhl sitzt. Wenn die Clowns kommen, begleitet er sie jedes Mal durch die Krankenzimmer. Er kennt jeden Scherz und lacht trotzdem mit, um die anderen Kinder aufzuheitern. Kustermann hält ihn für ein "unglaubliches komödiantisches Talent." Deswegen nahmen ihn die beiden Stationsclowns vom Dienst, Frau Dr. Schieflage und Dr. Bummele, vor kurzem auch mit nach Karlsruhe. Sie hatten dort einen Auftritt auf der großen Bühne. Als der Junge vor das Publikum rollte, wurde die Stimmung gerührt, sentimental, armes Kind. Dann begann er seine Geschichten aus der Klinik, absurd erzählt, er karikierte eilige Krankenschwestern und grummelnde Patienten. Zum Schluss lachte das Publikum Tränen. Danach hat ihn dann auch schon einmal Eckart von Hirschhausen, Arzt, Kabarettist und Vorstand der Roten Nasen, in einem seiner Programme auftreten lassen.

Einer der renommiertesten Humorforscher ist Willibald Ruch, Professor für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik an der Universität Zürich. Es ist eigentlich ganz einfach mit dem Lachen: "Humor und Lachen lenken ab, schaffen positive Emotionen und können die Effekte der negativen Emotionen auf Körper und Psyche aufheben." Ob es einen Unterschied macht, ob jemand aus Schadenfreude lacht oder aber gutmütig? "Darüber ist zu wenig bekannt. Aber der schmerzlindernde Effekt des Lachens überhaupt ist wissenschaftlich gut belegt." Karin Palzer, Sprecherin des Dachverbandes der Krankenhausclowns, ergänzt: "Unmittelbare Folgen sind laut unserer Mediziner im Verein zum Beispiel, dass beim Lachen automatisch die Atmung tiefer wird, der Körper mehr Sauerstoff bekommt. Das ist natürlich auch gut für den Kreislauf. Außerdem werden Endorphine ausgeschüttet."

Und, auch ganz lustig: Gerade wenn es ihnen schlecht geht und sie Aufheiterung am meisten brauchen, lachen Menschen oft mehr. Der Professor aus Zürich: "Das ist auffällig und gut dokumentiert, dass Menschen gerade in widrigen Situationen von selbst Humor zeigen. Dieser hilft ihnen dann, durch die schwierige Zeit zu kommen."

Eckart von Hirschhausen sagt gerne: "Jeder weiß mittlerweile, dass Lachen das beste Mittel gegen Angst ist". Deswegen hätten die Menschen ja auch so viele Arztwitze erfunden. Er selbst mag diesen besonders: "Nur keine Panik", beruhigt der Chefarzt den Patienten, "wir haben diese Operation schon 30 Mal gemacht. Einmal muss sie ja klappen."

Sich gegenseitig aufmuntern

Kinder brauchen oft noch nicht einmal die Clowns zum Lachen, und das sagt ein Clown. Wenn Willi, Seine Eiligkeit, nach den Auftritten die rote Nase abgelegt hat und wieder der US-Berliner Paule Kustermann in Zivil ist, dann denkt er oft über die Erlebnisse in den Kinderkrankenhäusern nach. Über die seiner Mit-Clowns und natürlich auch über seine eigenen. Auch, wenn es immer sowieso dasselbe ist, was ihnen auffällt: "Diese Kinder, die helfen einander und stützen sich. Die älteren versuchen, die jüngeren aufzumuntern - und umgekehrt. Die therapieren einander."

Es ist nämlich so, sagt er als Clown, der sehr lange, sehr ernsthaft und manchmal auch sehr traurig über das Lachen der kranken Kinder nachgedacht hat: "Medizinische Hilfsmittel sind wichtig, natürlich. Aber das stärkste und schnellste Mittel, damit es dir wieder besser geht, das ist ein Freund, der neben dir steht und mit dir lacht."