Sozialpolitik

Familienräte als neues Erfolgsmodell

Die Jugendämter wollen sich öffnen und vom Image der Kontrollbehörde wegkommen. Im Rahmen von bundesweiten Aktionswochen zeigen die Berliner Jugendämter in den kommenden Wochen, welche Unterstützungsangebote sie für Familien bereit halten.

"Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, in wie vielen Bereichen die Jugendämter Hilfe leisten", sagte Familienministerin Kristina Schröder (CDU) am Dienstag zum Auftakt der bundesweiten Aktionswochen in Berlin. Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage haben 37 Prozent der befragten Familien keine Vorstellung davon, welche Leistungen die Jugendämter bieten.

Das Jugendamt Mitte stellt das neue Pilotmodell des "Familienrats" in den Mittelpunkt der Kampagne. Seit sechs Jahren werden die Familienräte in Mitte getestet, jetzt ist beabsichtigt, das Angebot berlinweit auszudehnen. Das Jugendamt greift mit diesem Konzept nicht mehr in die Familien ein, sondern die Familien finden eigene Lösungen. "Die professionellen Mitarbeiter vom Jugendamt übernehmen die Koordination", sagt Andreas Hampe-Grosser, der für die Einführung des Angebots in Mitte zuständig ist. Nicht nur die Eltern, sondern Onkel, Tanten, Großeltern und auch enge Freunde und Nachbarn werden an einen Tisch geholt, um ein bestimmtes Problem zu lösen. Im Durchschnitt treffen 13 Familienmitglieder zusammen, manchmal sind es auch 30. Jeder überlegt, welchen Beitrag er leisten kann, um zu helfen. Wenn der 14-jährige Sohn beispielsweise nicht zur Schule geht, kann der Bruder das Wecken übernehmen, der Nachbar die Nachhilfe oder die Tante die Schulwegbegleitung. "Manchmal stellt sich im Familienrat auch heraus, dass das Problem eigentlich ganz woanders liegt", sagt Hampe-Grosser.

"Das Konzept ist sehr erfolgreich, denn die Familien haben das Gefühl, die Verantwortung zu behalten und nicht an das Jugendamt abzugeben", so der Jugendamtsmitarbeiter.

Das Konzept setze aber auch eine Haltungsänderung in den Jugendämtern selbst voraus. Die Mitarbeiter müssten stärker in die eigene Lösungsfähigkeit der Familien vertrauen, so Hampe-Grosser. Zu häufig würden Kinder und Jugendliche noch immer in betreuten Einrichtungen untergebracht, statt die Unterstützungsmöglichkeiten im Familienkreis zu nutzen.

Am Freitag um 20 Uhr ist im Hebbel-Theater am Halleschen Ufer das Stück "Familienrat" zu sehen. Die Regisseurin Bettina Blümner hat an vielen Familienkonferenzen teilgenommen und ihre Beobachtungen auf die Bühne gebracht. Eine Reihe weiterer Aktionen soll die Arbeit der Berliner Jugendämter transparenter machen. Berlinweit gibt es am 14. Mai die Lange Nacht der Familien, in der sich über 100 Bildungs-, Freizeit- und Beratungseinrichtungen präsentieren.

Mehr Infos und Veranstaltungen in Berlin: www.unterstuetzung-die-ankommt.de