Gesundheit

Ein Viertel aller alten Menschen leidet an Depressionen

Rund ein Viertel der über 65-Jährigen in Deutschland leidet laut Medizinern an krankhafter Depression.

"Wird sie nicht behandelt, sind Patienten hochgefährdet, sich umzubringen", sagte der Psychiater und Psychotherapeut Claus Wächtler. Von den jährlich rund 9000 Suiziden in Deutschland würden 3300 von Älteren begangen. Mögliche Gründe seien, dass viele noch heute massiv unter den Folgen des Krieges litten oder Angst vor Vereinsamung oder einer Apparatemedizin hätten, so der Hamburger Mediziner. Als "politische Katastrophe" bezeichnete es Wächtler, dass für Menschen über 65 kaum mehr eine Psychotherapie genutzt werde, obwohl die Kassen sie zahlten. Diese Behandlungsform könne sehr wohl auch im Alter helfen, sagte er.

Hingegen mahnte er, Medikamente so sparsam wie möglich einzusetzen. Ältere Menschen kündigten ihren Suizid seltener an und gingen aber zugleich entschlossener vor. Laut Studien gehen 45 Prozent aller Personen, die sich das Leben nehmen, eine Woche vorher zum Hausarzt und machen diesbezügliche Andeutungen. Jeder Hinweis auf eine Selbsttötungsabsicht müsse ernst genommen werden. "Depressivität darf nicht als Lebensnormalität gedeutet werden", so der Psychologe. Nötig sei vielmehr, dass der alte Mensch unterstützt werde und sich seine Situation verbessere.