Kochen im FEZ

Kinder an den Herd

Zehn Tage lang kochen Berliner Schüler im FEZ - und lernen dabei, wie sogar Gemüse lecker schmecken kann

Foto: Christian Kielmann

So ein Zufall. Als hätten sie es bestellt, bekommen die Kinder der Ananasgruppe ihr Lieblingsessen: Spaghetti. Sie sind zwar aus Vollkorn und die Bolognese-Sauce hat vielleicht mehr Gemüseanteil als gewöhnlich. "Aber das macht nichts", sagt Nick aus Köpenick. "Schmeckt bestimmt trotzdem gut." Vorher muss die Leibspeise aber noch selbst zubereitet werden. Denn hauptsächlich geht es heute nicht ums Essen, sondern ums Kochen. Der neunjährige Nick verbringt einen Tag mit 200 anderen Kindern in der Kinderkochschule des FEZ. Unter dem Motto "Isst du nur oder kochst du schon?" eröffnete sie gestern zum zweiten Mal. In 16 Teams eingeteilt kochen die Schüler mit Profi-Köchen aus den besten Restaurants der Stadt. Unter anderem werden 120 Kilogramm Kartoffeln, 60 Kilogramm Käse und 1000 Eier verbraucht - und alles Bio. Lebensmittelfirmen aus Berlin und Brandenburg haben die Zutaten spendiert.

Kür des besten Teams

Die Resonanz von Schülern, Eltern und Lehrern war im vergangenen Jahr bereits enorm. Auch dieses Mal war der Bewerbungsandrang wieder groß, nach wenigen Tagen gab es bereits keine Plätze mehr. Insgesamt werden 1200 Kinder aus Berliner Grundschulen die Kinderkochschule in den kommenden zehn Tagen besuchen. Nach dem gemeinsamen Kochen wird auch zusammen an langen Tafeln gespeist. Und am Ende kürt eine Jury das beste Kochteam. An den Wochenenden kochen und essen Familien gemeinsam und besuchen Kochevents im Foyer des Hauses. Zum Beispiel eine Kochshow, einen Künstler, der aus Lebensmitteln Kunstwerke schnitzt oder eine Veranstaltung von Greenpeace, die darüber aufklärt, was eigentlich alles in den Produkten steckt. Und auch ein Kartoffelschälwettbewerb steht auf dem Programm. Hygiene beim Kochen, gemeinsame Regeln, ein Gemeinschaftsgefühl im Team und Kenntnisse über Lebensmittel - die FEZ-Thementage sollen zeigen, dass Essen ein Teil der Lebenskultur ist, erklärt Lutz-Stephan Mannkopf, Geschäftsführer des FEZ. "Wir wollen dazu beitragen, dass es einen Imagewandel der Ernährung gibt, dass Familien verstehen, welchen Stellenwert gesunde Ernährung haben sollte. Und natürlich, dass Essen Spaß macht."

Unter anderem sind an diesem Donnerstag Schüler der "Grundschule am Fließtal", der "Grundschule am Plänterwald" oder der "Heinrich-Seidel-Grundschule" mit dabei. Sie laufen mit kleinen Schürzen und weißen Kochmützen durch das FEZ und schwärmen aus zu ihren Teams. Gekocht wird nach Themen: Pastatag war gestern, heute gibt es vegetarisches Essen, Sonnabend regionale Kost aus Berlin und Brandenburg und Sonntag orientalische Speisen. Eine bunte Mischung, die den Kindern die Vielfalt der Ernährungsmöglichkeiten zeigen soll. Das ist dringend nötig, findet Leander Roerdink-Veldboom. Der Küchenchef des Hilton Berlin ist Schirmherr der Veranstaltung und kocht auch selbst mit. "Ich möchte hier keine Revolution gegen Fastfood machen. Sie ist inzwischen Teil unserer Gesellschaft", sagt er. "Aber es ist wichtig, dass wir zeigen, dass es auch anders geht." In der Familie sollte täglich gekocht werden, das fördere auch den Kontakt zwischen den Familienmitgliedern. Unterstützung bekommt Roerdink-Veldboom von 60 anderen Köchen, die die Thementage mit ihrem Wissen und Können bereichern wollen. Mit dabei sind auch Alf Wagenzink, Küchenchef im Hotel Interconti, und Jan-Göran Barth, Koch im Bundespräsidialamt.

Kochen in der Sporthalle

Die Kochgruppen der Kinder sind gekennzeichnet mit Obst oder Gemüse. Nick und seine "Mitköche" gehören zur Ananasgruppe. Nebenan kochen die Paprikas und schräg gegenüber die Pilze. Alle Gruppen haben ihre eigenen Kochplätze. In der großen Sporthalle des FEZ sind sie eingerichtet, durch dünne Aufstellwände getrennt und mit Öfen, Herden und Waschplätzen versehen. Vor dem Beginn des Kochschultages wurde ausgelost, wer zu welcher Gruppe kommt. Maximal zehn Kinder sind in einem Team und jedes Team kocht etwas anderes. Interkonti-Küchenchef Alf Wagenzink leitet heute die Ananasgruppe. Er hat den Kindern erklärt, was sie kochen und vor allem, warum sie dafür gesunde Zutaten verwenden. "Ich finde es enorm wichtig, dass die Kinder verstehen, warum wir Vollkornnudeln verwenden", sagt er. "Ich habe ihnen erklärt, warum es wichtig ist für ihren Organismus." Er ist überzeugt, dass man Kindern auf diesem Gebiet sehr viel beibringen kann. Er will mit den Kindern Spaghetti Bolognese aus Roggen-Vollkornnudeln und besonders viel buntem Gemüse kochen. Und als Nachtisch gibt es ein Haferflocken-Nuss-Crumble auf frischen Früchten. Gemeinsam bespricht das Ananasteam, was auf dem Einkaufszettel stehen muss.

Dann schickt Wagenzink seine kleinen Köche erst einmal auf den "Markt". Im Foyer gibt es einen nachgebauten kleinen Supermarkt, mit Regalen voller Lebensmittel und Marktständen mit Obst und Gemüse. Dort bedienen sich die Kinder, bringen Erdbeeren oder Zwiebeln mit. Anschließend versammeln sie sich in ihrem Teambereich und beginnen emsig zu schneiden und zu waschen. Über ihnen thront eine überdimensionale Ananas, damit sie, wenn sie zwischendurch noch mal zum Markt müssen, ihren Platz auch gleich wiederfinden in der großen Halle zwischen den anderen Kindern.

Dann legen sie los. Um einen quadratischen Tisch mit weißer Wachstischdecke stehen die Kinder, schneiden und schälen. Alf Wagenzink erklärt, führt vor und passt auf. Sicherheitshalber ist das Deutsche Rote Kreuz da, falls es mal eine Schnittwunde gibt. Nick hat ein scharfes Messer benutzt. "Damit habe ich die Möhren geschnippelt. Aber ich habe sehr gut aufgepasst, dass nix passiert", sagt er. "Umrühren finde ich aber noch besser, da kann ich schon sehen, was wir nachher essen." So wie bei Nick hat die Kinderkochschule an diesem Tag bei vielen die Neugier auf gesundes, selbstgekochtes Essen geweckt.