Auszeichnung

Kreuzberger Projekt "My Style" für "Goldene Göre" nominiert

Maria findet ihren Busen zu groß. Unglücklich betrachtet sich die 17-Jährige im Spiegel. Ihre Oberweite ist mit dicken Stoffbahnen umwickelt, die ihre Proportionen ins Unglaubwürdige steigern. Kaum hat sie das Kostüm aber wieder abgelegt, ist sie mit ihren tatsächlichen Maßen plötzlich sehr zufrieden.

"Wir sind doch alle perfekt", sagt Maria fröhlich.

Gemeinsam mit fünfzehn anderen Mädchen nimmt die Schülerin regelmäßig am Kreuzberger Projekt "My Style" teil, das in diesem Jahr für die "Goldene Göre" nominiert wurde. Mit dem Preis zeichnet das Deutsche Kinderhilfswerk Aktionen aus, mit denen Kinder und Jugendliche ihre Lebenswelt beispielhaft gestalten. Die Mädchen von My Style haben sich in den vergangenen zwei Jahren intensiv mit den Themen Schönheitswahn und Essstörungen auseinandergesetzt. Sie entwarfen in dieser Zeit eigene Modekollektionen und haben dabei zu einem gesunden Körper- und Selbstwertgefühl zurückgefunden. Vor zwei Jahren startete das Projekt des Berliner Vereins Gangway mit zwölf Mädchen im Alter von 15 bis 18 Jahren. Mirtha Perrone, die pädagogische Leiterin, wollte die Jugendlichen in diesem kritischen Alter unterstützen. "Die Pubertät ist ja eine Zeit, in der das Selbstwertgefühl oft über das eigene Aussehen bestimmt wird", sagt sie. Von Beginn an hatten die Mädchen ein großes Interesse an Mode, an das die Pädagogin anknüpfen wollte. "Das Problem Essstörungen hat sich erst im Laufe der Zeit zum Thema entwickelt", sagt sie. Auch die Modedesignerin Heike Braitmayer begleitete die Gruppe. "Mode kann auch sehr heilsam sein", sagt sie. "Durch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und das Gestalten der Kleidungsstücke wird das Selbstwertgefühl der Mädchen gestärkt." Maria war von Anfang an dabei. "Ich bin viel selbstbewusster geworden", sagt sie. Außerdem habe sie gelernt, bewusster mit Essstörungen in ihrem Freundeskreis umzugehen. Die 17-jährige Schülerin glaubt, dass das Projekt den Preis des Kinderhilfswerks gewinnen könnte. "Das Thema ist weitverbreitet und es ist wichtig, dass wir uns damit beschäftigen", sagt sie. Nach ihrem Abitur will Maria in die Modebranche und so Mädchen und Frauen helfen, sich stark und schön zu fühlen.