Studie

Einsamkeit im Alter: Aktivitäten schaffen Abhilfe

Freunde, Kinder und ein Partner: Das wünschen sich die meisten Menschen und fürchten, im Alter genau das zu verlieren und sich einsam zu fühlen.

"Einsamkeit ist gerade für ältere Menschen ein sehr großes Thema", bestätigt die Diplom-Soziologin Juliane Hanisch-Berndt, die als Trainerin für soziale Kompetenzen in Altenheimen arbeitet. Dabei müsse man allerdings zwischen Alleinsein und Einsamkeit unterscheiden. "Wer einsam ist, leidet darunter - aber nicht jeder, der alleine ist, fühlt sich auch einsam."

Wer sich einsam fühlt, leidet auch körperlich. Das fanden Wissenschaftler in den USA heraus. Forscher der Universität von Chicago stellten in einer mehrjährigen Studie einen direkten Zusammenhang zwischen dem Alleinsein und einem langfristigen Anstieg des Blutdrucks fest. Dafür befragten sie zu Testbeginn Menschen über 50 Jahren zum Thema Einsamkeit. Wer sich bei mehreren Fragen als einsam eingestuft hatte, litt in den folgenden Jahren oft unter einem deutlichen Anstieg des Blutdrucks. Der Grund für den Zusammenhang: Möglicherweise kann Angst vor Abweisung und Ablehnung das Gefühl von fehlender Sicherheit verstärken - was wiederum auf den Körper wirkt und hohen Blutdruck auslöst.

Die Psychologin Doris Wolf betont, dass Einsamkeit nicht sein muss. So sollte man versuchen, sich selbst anzunehmen und die Angst vor Ablehnung abbauen. Dabei könnten zum Beispiel Gedanken helfen wie "Ich werde Kontakt aufnehmen und sehen, was passiert." In einem weiteren Schritt sollte man sich überlegen, wo man Menschen treffen kann, die ähnliche Interessen haben. "Heute gibt es viele Möglichkeiten, den Kontakt zu anderen Menschen beziehungsweise einen Lebenssinn zu finden", so Psychologin Wolf. Das könnten Seniorenportale im Internet, ein Seniorenstudium, Kurse an der Volkshochschule, Engagement bei der Kirche sowie Sport sein. Ehrenamtliche Nachbarschaftshilfen, ein eigenes Tier, die Autobiografie schreiben oder Engagement bei Hobby- und Freizeitgruppen bieten weitere Gelegenheiten. Das fällt einigen Menschen leichter als anderen. Doris Wolf rät, sich am besten schon in jungen Jahren um Freunde und andere Kontakte zu kümmern.